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Tagungsband zum zweiten Wittener Kolloquium Was ist Geist? erschienen

06.10.2014 - (idw) Universität Witten/Herdecke

Das nächste Kolloquium wird von 13. bis 15. März 2015 zum Thema Der Mensch ein Tier? stattfinden Vertreter aus Physik, Neurobiologie, Medizin, Kulturwissenschaft, Philosophie, Anthroposophie und Theologie diskutierten im März 2013 ihr Verständnis von Geist in Mensch und Natur beim zweiten Kolloquium für Humanismus, Medizin und Philosophie an der Universität Witten/Herdecke. Nun ist das dazugehörige Buch im Verlag Königshausen & Neumann erschienen.

Die Frage nach dem Geist führt heute unmittelbar zur Diskussion nach dem Verhältnis von Gehirn und Bewusstsein. Mehrere Beiträge in dem Buch widmen sich diesem alten Rätsel in neuem Gewande. Zweifelsohne sind unsere Gedanken, Vorstellungen oder Erinnerungen durch das menschliche Gehirn bedingt. Aber bedeutet Bedingtsein das gleiche wie Verursachtsein? Bedenken Sie etwa den folgenden Vergleich: Der Mond ist notwendig zur Erscheinung des Vollmondlichtes, ohne Mond kein Mondlicht, dennoch wird das Licht nicht vom Mond verursacht, sondern nur reflektiert. Ähnlich kann dies für das Gehirn gedacht werden. Das Gehirn reflektiert demnach das Seelisch-Geistige zum Bewusstsein, aber es produziert es nicht, es behält seine Eigenständigkeit, so Prof. Dr. Peter Heusser, Mitherausgeber des Buches und Inhaber des Gerhard Kienle Lehrstuhls für Medizintheorie, Integrative Medizin und Anthroposophische Medizin an der Universität Witten/Herdecke.

In einem zweiten Schritt reflektieren einige Autoren das allgemeine Verhältnis von Materie und Geist: Es ist erstaunlich, dass auf die Frage was ist eigentlich Materie? Vertreter der modernen Physik, der Medizin, der Philosophie Hegels, der Anthroposophie und der thomistischen Theologie eine bemerkenswerte Antwort gaben: Materie ist mehr als wir sinnlich erfassen. Sie erscheint uns sinnlich. Ihre eigentliche Natur ist jedoch von einer geistigen Art, welche je nach Disziplin als mathematisch-quantische Grundstruktur, als nicht-lokales Koordinationsprinzip, als wirkende und erkennbare Gesetzmäßigkeit, als Absolutheit der Logik, als göttlicher Geist bezeichnet wurde. Die fachübergreifenden Diskussionen dazu waren ungemein lebhaft und fruchtbar, so Dr. Johannes Weinzirl, Erst-Herausgeber des Buches und Mitarbeiter am Gerhard-Kienle-Lehrstuhl. Weitere Beiträge widmen sich den neurobiologischen Grundlagen mentaler Prozesse, dem östlichen und westlichen Geistverständnis in der Mind/Body Medizin und wissenschaftlichen Grenzgebieten, etwa dem Phänomen der Nahtoderfahrung.

Solche erweiterten Sichtweisen haben Folgen für die Frage des Humanen in der Medizin. Vieles davon ist freilich nicht neu und wurzelt seit Jahrtausenden in unserer Kultur. Aber nach einer längeren Phase einer rein reduktionistisch-materialistischen Weltanschauung eröffnen sich heute neue wissenschaftliche Zugänge zu den geistigen Grundlagen von Mensch und Natur. Solche werden in diesem Buch zur Diskussion gestellt.

Das nächste Kolloquium wird von 13. bis 15. März 2015 zum Thema Der Mensch ein Tier? stattfinden. Beitragende sind: Dr. Heike Baranzke (Bergische Universität Wuppertal), Prof. Dr. Peter Heusser (UW/H), Dr. David Hornemann von Laer (UW/H), Dr. Armin Husemann (Eugen Kolisko Akademie), Prof. Dr. Hans Werner Ingensiep (Universität Duisburg-Essen), PhD Dr. Bernd Rosslenbroich (UW/H), Prof. Dr. Wolfgang Schad (UW/H), PhD Dr. Claudio Tennie (University of Birmingham).

Das jährliche Wittener Kolloquium für Humanismus, Medizin und Philosophie wird vom Gerhard Kienle Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative Medizin und Anthroposophische Medizin veranstaltet. Bisher in dieser Reihe veröffentlicht sind:

Peter Heusser, Johannes Weinzirl (Hrsg.) 2013. Medizin und die Frage nach dem Menschen. Wittener Kolloquium für Humanismus, Medizin und Philosophie (Band 1). 200 Seiten. Königshausen & Neumann, Würzburg.

Johannes Weinzirl, Peter Heusser (Hrsg.) 2014. Was ist Geist? Wittener Kolloquium für Humanismus, Medizin und Philosophie (Band 2). 280 Seiten. Königshausen & Neumann, Würzburg.


Weitere Informationen bei:
Dr. Johannes Weinzirl, 02330 62 36 33, johannes.weinzirl@uni-wh.de

Über uns: Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1983 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.800 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

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