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Deutscher Buchmarkt steht vor neuen Herausforderungen

10.10.2014 - (idw) Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW)

Der deutsche Buchhandel sieht sich seit Mitte der 1990er Jahre der Konkurrenz durch den rasch zunehmenden Online-Handel mit Büchern ausgesetzt. Somit wird auch die wachsende Bedeutung von E-books stark diskutiert. Doch welche Veränderungen auf der Angebotsseite des Buchhandels sind bisher tatsächlich zu verzeichnen? Eine ZEW-Analyse zeigt: Der Markt ist im Umbruch begriffen. Traditionelle Buchhändler stehen vor der Herausforderung, sich künftig stärker als Dienstleister zu positionieren. Die Anzahl der Buchhandelsunternehmen mit Standort in Deutschland ist von rund 5.800 im Jahr 2002 auf etwa 5.200 im Jahr 2012 zurückgegangen um reichlich zehn Prozent. Auch der Unternehmensbestand des gesamten Einzelhandels ist zwischen 2002 und 2012 um fast sieben Prozent gesunken. Seit 2006 werden in diesen Branchen jährlich mehr Unternehmen geschlossen als neu gegründet. Im Buchhandel hat sich die Gründungsquote (Anzahl der Gründungen eines Jahres bezogen auf den Unternehmensbestand zu Beginn des Jahres) von 2002 bis 2012 von fünf auf vier Prozent verringert. Die Schließungsquote ist im gleichen Zeitraum von fünf auf sieben Prozent gestiegen. Im gesamten Einzelhandel hat es dagegen einen stärkeren Rückgang der Gründungsquote gegeben (um 4,5 Prozentpunkte), die Schließungsquote ist, anders als im Buchhandel, gesunken. Der Buchhandel war somit zwischen 2002 und 2012 von sinkenden Gründungszahlen und steigenden Schließungszahlen gekennzeichnet, während im gesamten Einzelhandel deutlich sinkenden Gründungszahlen eine geringere Anzahl an Schließungen gegenüberstand.

Auf den ersten Blick scheinen die Herausforderungen durch den wachsenden Online-Handel, denen sich traditionelle Händler gegenübersehen, für die verschiedenen Produktgruppen sehr ähnlich zu sein. Aber das täuscht. Denn nicht die bequeme Bestellung und Lieferung der online georderten Produkte ist der wesentliche Wettbewerbsvorteil der Online-Händler, sondern es sind die erheblichen Kostenvorteile, durch die sie im Preiswettbewerb punkten können. Einem solchen Preisdruck müssen sich traditionelle Buchhändler nicht stellen. Die in Deutschland auch für E-books geltende Buchpreisbindung setzt für Bücher den Preiswettbewerb faktisch außer Kraft.

Bei Musik und Filmen steht mittlerweile eher die Nutzung als der Besitz im Vordergrund. Ähnliche Entwicklungen zeichnen sich hinsichtlich der Nutzung von Texten ab, wie Amazons "Kindle unlimited" und die Initiative der deutschen Bibliotheken zum Ausleihverbund von E-books zeigen.

"Solche befristeten Nutzungsmöglichkeiten als Alternative zum Buch haben das Potenzial, den Markt für Texte vollständig umzukrempeln", so Jürgen Egeln, stellvertretender Leiter des Forschungsbereichs Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung am ZEW. "Die Frage ist: Wie gelingt es traditionellen Buchhändlern eine neue Rolle als Dienstleister, der Texte zugänglich macht, anzunehmen und sich nicht mehr vornehmlich als Verkäufer des Produkts Buch zu sehen." Laufe die Entwicklung für Texte nur annähernd so wie für Musik, sei zu erwarten, dass dem Buchhandel der ganz große Umbruch erst noch bevorstehe, schlussfolgert Egeln.

Für Rückfragen zum Inhalt:
Jürgen Egeln, Telefon 0621/621 1235-176, E-Mail egeln@zew.de
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