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Infrastruktur und Energiemanagement: Geschwisterpaar der Wasserwirtschaft

13.10.2014 - (idw) Universität Rostock

Prof. Jens Tränckner von der Uni Rostock plädiert für neue Ansätze bei der Niederschlagsentwässerung, insbesondere in den Innenstädten. Viele freie Flächen würden bebaut und die abzuführende Niederschlagsmenge nehme ständig zu. Rostock bietet da bereits mit integralen Entwässerungskonzepten Lösungen für die Zukunft an. Auf der Rostocker Abwassertagung am 14. November werden diese Probleme erörtert. Die Wasserwirtschaft steht vor neuen Herausforderungen. Regional und weltweit. Der Rostocker Wissenschaftler Professor Jens Tränckner fordert: Die kommunalen Entwässerungssysteme müssen intelligent weiterentwickelt werden. Im Osten Deutschlands sei die Siedlungswasserwirtschaft nach der Wende erfolgreich aufgebaut und modernisiert worden. Nach fast 25 Jahren steht aber nun eine Re-Investitionswelle an, sagt der 46-jährige Inhaber des Lehrstuhls für Wasserwirtschaft der Universität Rostock (Stiftungsprofessur der Eurawasser Nord GmbH). Insbesondere die Maschinentechnik wie Gebläse, Pumpen, Rührwerke müssen erneuert werden.

Parallel sei der demografische Wandel, also die schrumpfende Bevölkerung, zu bedenken. Gerade im ländlichen Raum sei die Infrastruktur für Abwasser nicht mehr ausgelastet. Das hat einerseits betriebliche Konsequenzen, sprich das Wasser befindet sich länger im Kanalnetz, was zu lästigem Geruch, aber auch zur Korrosion der unterirdischen Technik führt. Das größere Problem sieht Prof. Tränckner mit hohen Fixkosten für die Betreiber der Wasserwirtschaft.

Infrastruktur und Energiemanagement sind deshalb ein Geschwisterpaar der Wasserwirtschaft, sagt Prof. Tränckner. Dieser Gedanke ist auch das Motto der diesjährigen Rostocker Abwassertagung, die im November stattfindet. Aufgrund der Langlebigkeit der überwiegend leitungsgebundenen Infrastruktur zur Wasserversorgung und zum Abwassermanagement müssen mögliche Lösungskonzepte auch für die künftigen Probleme frühzeitig entwickelt und umgesetzt werden.

Im Klartext heiße das: neue Investitionen müssten so geplant werden, dass sich für die nächsten 25 Jahre sowohl die Energie-als auch Infrastrukturkosten im vertretbaren Rahmen halten. Dabei könne die Wasserwirtschaft auch einen Beitrag zur Energiewende leisten, ist Prof. Träckner überzeugt. Einerseits seien Kläranlagen die größten kommunalen Energieverbraucher, andererseits werde in Kläranlagen durch Faulung der anfallenden Klärschlämme Strom produziert, der gegenwärtig von den Abwasserentsorgern zur Reduzierung ihres eigenen Verbrauches genutzt wird. Dieser Anteil lässt sich sowohl durch neue verfahrenstechnische Konzepte der Abwasserreinigung aber auch durch Annahme von Biomasse oder energiehaltigen Reststoffen (Co-Substrate) deutlich erhöhen, ist Tränckner überzeugt.

Das vorhandene Potenzial und wie man dieses im Stromverbund nutzen kann, auch darüber werden sich die Experten auf der Abwassertagung austauschen. Prof. Tränckner sieht einen weiteren Aspekt, der Lösungen verlangt. Infrastrukturplanung der Wasserwirtschaft und Stadtplanung müssen enger miteinander verzahnt werden. Es werde immer mehr Infrastruktur für immer weniger Menschen errichtet. Das wird auf lange Sicht teuer, sagt der Professor. Er plädiert für neue Ansätze in der Niederschlagsentwässerung, insbesondere in den Innenstädten. Viele freie Flächen würden bebaut und die abzuführende Niederschlagsmenge nehme ständig zu. Rostock bietet da bereits mit integralen Entwässerungskonzepten Lösungen für die Zukunft an, welche ebenfalls auf der Tagung vorgestellt werden. Text: Wolfgang Thiel


Universität Rostock
Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät
Prof. Dr. Jens Tränckner
Tel: 0381 498 3640
Mail: jens.traenckner@uni-rostock.de
https://abwassertagung.auf.uni-rostock.de/
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