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Vorlesungsreihe der Goethe-Universität: Der Koran Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen

16.10.2014 - (idw) Goethe-Universität Frankfurt am Main

FRANKFURT. Der Dialog mit dem Koran ist nie verstummt. Heute werden Diskussionen oft polemisch, dogmatisch und ohne Sachkenntnis geführt. Das Zentrum für Islamische Studien der Goethe-Universität will diese Diskussion mit ihrer öffentlichen Vorlesungsreihe Der Koran Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen versachlichen. Im Rahmen der Stiftungsgastprofessur Wissenschaft und Gesellschaft der Deutsche Bank AG beleuchten in Wintersemester international renommierte Forscher, wie der Koran im Laufe der Jahrhunderte bis heute im Osten wie im Westen fortwährend rezitiert, rezipiert und interpretiert wurde. Der Koran gilt als Gotteswort, das dem Propheten Muhammad zwischen 610 und 632 offenbart wurde. Er lieferte nicht nur religiöse Normen, sondern beeinflusste auch Rechts- und Wirtschaftsnormen, wirkte in die mystischen Strömungen des Islams hinein und war grundlegend für literarisch-ästhetische Genres in den verschiedenen Islamsprachen. Die Vorlesungsreihe richtet sich an ein Publikum, das einen Zugang zum Koran bisher überwiegend durch einschlägige Medienberichte oder orientalistische Literatur gefunden hat, aber auch an Muslime, die sich für die vielseitigen Facetten der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Koran interessieren. Diese Reihe will gerade in Frankfurt, wo eine islamische Theologie in Deutschland entsteht, Räume schaffen, um eine gemeinsame wissenschaftliche Sprache zu entwickeln.

Das Fremde verstehen: Europäische Koranübersetzungen vom Mittelalter bis heute diesem Thema stellt sich zum Auftakt der Reihe am Montag (20. Oktober) Prof. Dr. Hartmut Bobzin, Universität Erlangen-Nürnberg. Zuvor gibt Prof. Dr. Ömer Özsoy, der gemeinsam mit Prof. Dr. Bekim Agai vom Zentrum für Islamische Studien der Goethe-Universität diese Reihe konziptiert hat, eine kurze Einführung. Die Bezeichnung Koran auf Deutsch Lesung oder Vortrag gilt im strengeren Sinne nur für den arabischen Koran, da Muslime im gesamten islamischen Raum der Überzeugung sind, dass der Koran als Gottes Wort in arabischer Sprache offenbart wurde.

Der Religionswissenschaftler Bobzin, der sich seit Jahrzehnten intensiv mit der Koran-Rezeption im Abendland befasst und 2010 eine neue vollständige Übersetzung des Korans im C.H. Beck Verlag herausgegeben hat, beginnt seinen Vortrag im Hochmittelalter. Damals wurde der Koran erstmals ins Lateinische übersetzt. Anlass war die Auseinandersetzung mit dem Islam während der Kreuzzüge im Heiligen Land und der Reconquista in Spanien. Der Koran, damals meist als die türkische Bibel bezeichnet, galt in Europa lange nur als unvollständiges und ungeordnetes, der Bibel nicht ebenbürtiges Buch. Erst im Zuge der Aufklärung setzte sich ein positiveres Bild durch, und es entstanden Koranübersetzungen, u.a. durch Friedrich Rückert, auf philologischer Grundlage. Die erste von einem Muslim angefertigte Koranübersetzung war die des britisch-muslimischen Literaten Mohammed Marmaduke Pickthall im Jahre 1930.

Die Vorträge auf einen Blick:
Die Veranstaltungen finden jeweils montags um 18 Uhr im Renate von Metzler-Saal, Casino, Campus Westend statt.

20. Oktokber?2014
Hartmut Bobzin, Universität Erlangen-Nürnberg
Das Fremde verstehen: Europäische Koranübersetzungen vom Mittelalter bis heute
(Einführung Ömer Özsoy, Goethe-Universität)

3. November 2014
Angelika Neuwirth, Freie Universität Berlin
Eine epochale Aufgabe: Die Etablierung islamischer Theologie an deutschen Universitäten
(Ausstellung Arabische Kalligraphie, Adel Ibrahim al Sudany)

17. November?2014
Ahmad Milad Karimi, Universität Münster
Der Koran als Kunstwerk? Zur Ästhetik der Offenbarung im Islam
(Mit Koranrezitation von Burak Mercan, Goethe-Universität)

1. Dezember 2014
Podiumsdiskussion
Fair Trade? Korankonformes Business in Zeiten globaler Finanzwirtschaft
Moderation : Mark Chalil Bodenstein, Goethe-Universität
Wirtschaftstheoretisches Statement : Volker Nienhaus, Universität Marburg
Islamwissenschaftliches Statement : Rüdiger Lohlker, Universität Wien

15. Dezember 2014
Enes Karic, Universität Sarajevo
Koran-Übersetzung als Politikum. Die Übertragung (1895) von Mihajlo Mico Ljubibratic

12. Januar 2015
Nicolai Sinai, Universität Oxford
Wie viel Kritik verträgt der Koran? Zum gegenwärtigen Stand der historisch-kritischen Koranforschung

26. Januar 2015
Stefan Wild, Universität Bonn
Viele Wege zum Text? Gespräche zwischen muslimischen Gelehrten und Orientalisten


9. Februar 2015
Podiumsdiskussion
Den Text verstehen. Zeitgenössische Koranhermeneutik in der islamischen Welt
Moderation: Bekim Agai, Goethe-Universität
Sunnitische Zugänge: Rotraud Wielandt, Universität Bamberg
Schiitische Zugänge: Katajun Amirpur, Universität Hamburg

Informationen: Prof. Dr. Bekim Agai, Zentrum für Islamische Studien, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 32751, agai@em.uni-frankfurt.de, www.islamischestudien.uni-frankfurt.de Weitere Informationen:http://www.islamischestudien.uni-frankfurt.de
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