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Bonner Operations-Team hilft Noma-Opfern in Nigeria

03.02.2004 - (idw) Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Kinder in Afrika erleiden durch die Krankheit Noma, auch "Wangenbrand" genannt, schwere Gesichtsverstümmelungen. Ein neunköpfiges Team der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie Anästhesiologie des Universitätsklinikums Bonn bricht am 5. Februar um 6.50 Uhr vom Flughafen Köln/Bonn zu einem chirurgischen Einsatz nach Nigeria auf. Im "Noma Children Hospital" in Sokoto operiert das Bonner Team bis zum 22. Februar vor allem kleine Noma-Patienten.

Noma ist eine Krankheit der Armut. Die WHO schätzt, dass allein in Afrika pro Jahr mehr als 100.000 Kinder unter sechs Jahren an dieser bakteriellen Infektion erkranken. Nur etwa jedes zehnte Kind überlebt und ist lebenslang entstellt. Die Krankheit beginnt zunächst mit einer harmlosen Entzündung des Zahnfleischs. Bei durch Mangelernährung in ihrer Abwehr geschwächten Kindern vermehren sich die Bakterien rasch und die Infektion breitet sich immer weiter aus. Dabei zerstört sie Gewebe und greift Knochen an. Noma "zerfrisst" buchstäblich das Gesicht. "Die Kinder können durch eine Kiefersperre nicht mehr richtig sprechen, essen und trinken. Das Atmen fällt ihnen schwer. Aus Scham versteckt häufig die eigene Familie die betroffenen Kinder", konstatiert Chirurg Dr. Torsten Erdsach, Oberarzt an der Universitäts-Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Mitglied des Bonner Teams. Allein schon eine bessere Ernährung und Hygiene sowie Impfungen gegen Erkrankungen wie Masern oder Typhus könnten diese verheerende Krankheit aufhalten.

Ein internationales Hilfsprojekt, an dem die AWD-Stiftung Kinderhilfe, die Dutch Noma Foundation, Facing Afrika und Interplast beteiligt sind, gibt Hoffnung im Kampf gegen die Folgen von Noma. Inzwischen operieren viermal im Jahr hochqualifizierte Teams aus Deutschland und anderen europäischen Ländern am 1997 in Sokoto gegründeten Noma Children Hospital. "Wir stellen durch plastische Rekonstruktionen und Transplantationen die zerstörten Gesichter unserer jungen Patienten weitgehend wieder her. So haben die Kinder, vor allem die Mädchen, eine verbesserte Chance auf ein normales Leben", sagt Oberarzt Dr. Stefaan Bergé, Organisator des jetzigen Sokoto-Einsatzes. Diese schweren operativen Eingriffe sind viel kostengünstiger als in Europa und die Noma-Opfer werden nicht aus ihren Familien sowie ihrem Kulturkreis herausgerissen.

Unter Leitung des deutschen Kinderchirurgen Dr. Hartwig Sauter betreut das einheimische Klinikpersonal das ganze Jahr Noma-Patienten. Es verbessert den Ernährungsstatus der Kinder, unterrichtet Eltern über Hygiene und Ernährung und kümmert sich um die Nachsorge und Weiterbehandlung. Örtliche Chirurgen führen weniger komplizierte Operationen durch.

Die sieben Bonner vom Universitätsklinikum, ein Plastischer Chirurg aus Frechen und ein Frankfurter OP-Pfleger arbeiten für das Noma-Projekt Sokoto ehrenamtlich und opfern ihren privaten Jahresurlaub. "Die Familie zuhause hat dafür Verständnis", sagt Familienvater Erdsach. OP-Schwester Jelena Müller, die das dritte Mal an einem solchen Einsatz in Sokoto teilnimmt, erklärt: "Aber ein solcher Einsatz lohnt sich. Ich brauche die Kinder nur zu sehen, dann weiß ich wofür ich dort bin. Und da ist die stille Dankbarkeit der Angehörigen." Das Bonner OP-Team hat, neben selbst organisierten Instrumenten und Medikamenten, für die kleinen Patienten auch kleine Stofftiere, Autos und Holzbuntstifte im Reisegepäck.

Ansprechpartner:
Oberarzt Dr. Stefaan Bergé
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-5547
E-Mail: stefaan.berge@ukb.uni-bonn.de
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