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28. Tübinger Poetik-Dozentur präsentiert Afropolitan Literature

22.10.2014 - (idw) Eberhard Karls Universität Tübingen

Vier afrikanische Schriftsteller(innen) vom 12. bis 27. November als Poetik-Dozenten an der Universität Tübingen Zur 28. Poetik-Dozentur sind in diesem Jahr die Schriftstellerinnen Taiye Selasi, Priya Basil, Chika Unigwe und der Schriftsteller Nii Ayikwei Parkes nach Tübingen eingeladen. Die vier repräsentieren das, was Taiye Selasi Afropolitan Literature nennt: Sie stammen aus afrikanischen Familien oder aus afrikanischen Staaten, sind in der ganzen Welt unterwegs und prägen mit ihren kritischen und engagierten Texten einen neuen Stil.

Homesickness lodged like a stone inside Chika Unigwe beschreibt das Heimweh, das sie begleitet und Teil ihres Lebens und Schreibens wird. Priya Basil erzählt von Problemen, sich zuzuordnen: [] The school we attended was a bastion of Britishness and Christianity, our closest friends were Muslim and most of the people around us were black. Nii Parkes lässt in seinem Kriminalroman zwei Kulturen aufein¬anderprallen: die des jungen studierten Städters und die des alten einheimischen Jägers. Sie sollen zusammen ein Verbrechen aufklären, das es vielleicht gar nicht gibt. Wobei er darauf besteht, dass diese Konflikte keine Besonderheiten postkolonialer Gesellschaften sind, sondern so oder ähnlich überall stattfinden.

Die Geschichten der afropolitanen Literatur spannen sich nicht nur über Kontinente, sondern lassen Weltbilder und Generationen miteinander kollidieren und neue Verbindungen entstehen. Boston und Accra, Nairobi und London, Antwerpen und Lagos rücken nah aneinander und machen Differenzen wie Ähnlichkeiten sichtbar. Dabei ist Orientierung in der literarischen Welt der Afropolitans mit den herkömmlichen Kategorien der Nationalliteraturen nicht zu bekommen. Neues und Altes, Mythen und Alltag werden anders komponiert, als wir es aus der traditionellen europäischen Literatur gewöhnt sind. Manche Witze versteht man nicht sofort, Anspielungen überhört man oft, weil der kulturelle Kontext fehlt. Ungewohnt sind auch Tempo und Rhythmus der Erzählungen, unbekannt oft die Orte trotzdem ist keiner dieser Texte exotisch, sondern eben afropolitan.

Die Termine im Überblick:
> Mittwoch, 12. November um 20.15 Uhr in der Alten Aula (Münzgasse 22-30, 72070 Tübingen):
Vortrag von Taiye Selasi

>Donnerstag, 20. November um 20.15 Uhr in der Alten Aula(Münzgasse 22-30, 72070 Tübingen)
Lesung von Nii Parkes

>Vorlesungen von Priya Basil, jeweils 20.15 Uhr im Audimax, Neue Aula (Geschwister-Scholl-Platz, 72074 Tübingen)
- Montag, 24. November: Your life as a Novel. The perils of turning real people into fictional characters
- Mittwoch, 26. November: Literary Friction or Learning to Offend. On becoming a political writer

>Vorlesungen von Chika Unigwe, jeweils 20.15 Uhr im Audimax, Neue Aula (Geschwister-Scholl-Platz, 72074 Tübingen)
- Dienstag, 25. November: A Drive in the Dark: Navigating my Way to (a New) Identity
- Donnerstag, 27. November: For Beautiful Tomorrows: The Women of Black Sisters Street

>Lesung von Priya Basil und Chika Unigwe im Adolf-Würth-Saal, Schwäbisch Hall,
Freitag, 28. November um 19 Uhr

Alle Vorlesungen in englischer Sprache mit schriftlichen Übersetzungen ins Deutsche.

Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein Projekt der Adolf Würth GmbH & Co. KG. Sie wird seit 1996 am Deutschen Seminar der Universität Tübingen ausgerichtet. Einmal im Jahr werden Autoren eingeladen, die öffentliche Vorlesungen halten sowie Seminare und Workshops für Studierende der Universität anbieten. Zu Gast waren unter anderem bereits Hans Magnus Enzensberger, Christoph Ransmayr, Raoul Schrott, Jonathan Franzen, Daniel Kehlmann, Juli Zeh, Feridun Zaimolu, Ilija Trojanow, Péter Esterházy, Terézia Mora, Brigitte Kronauer, Lars Gustafsson, Ruth Klüger, Amos Oz und Herta Müller.

Die Veranstaltung steht allen Interessierten offen, der Eintritt ist frei.

Kurzbiografien:
Priya Basil, geboren 1977 in London in eine indische Familie, aufgewachsen in Kenia, Ausbildung und Studium in Großbritannien, ihren ersten Roman schrieb sie in Berlin. Neben ihren literarischen Tätigkeiten engagiert sich Priya Basil für eine weltweite Waffenkontrolle. Sie ist Mitgründerin der Plattform Authors for Peace und schreibt regelmäßig für The Guardian, die FAZ und den Tagesspiegel. Werke: Ishq and Mushq (2007); Logik des Herzens (The Obscure Logic of the Heart, 2010); Strangers on the 16:02. (2011).

Chika Unigwe, geboren 1974 in Enugu, Nigeria, wanderte sie 1995 mit ihrem belgischen Mann in dessen Heimatstadt Turnhout aus. Sie promovierte in Literaturwissenschaften und veröffentlicht literarische und journalistische Texte auf Englisch und Niederländisch. Seit 2013 lebt Unigwe mit ihrer Familie in den USA. Werke: De Feniks (engl. The Phoenix, 2007); Schwarze Schwestern (On Black Sisters Street, 2010); Night Dancer (2012). Unigwe versteht ihr Schreiben immer auch als politisch; Schwarze Schwestern erhielt 2012 den Nigeria Prize for Literature, den bedeutendsten afrikanischen Literaturpreis.

Taiye Selasi, geboren 1979 in London, aufgewachsen in Boston, studierte in Yale und Oxford und lebt heute in New York, Delhi und Rom. 2005 prägte sie mit dem Essay Bye-Bye, Babar, den Terminus des Afropolitan für jene Weltbürger mit afrikanischen Wurzeln, die sich in den Metropolen dieser Welt zu Hause fühlen (SZ). In ihrer Eröffnungsrede zum Internationalen Literaturfestival Berlin 2013 titelte sie herausfordernd: Afrikanische Literatur gibt es nicht. Werke: Bye-Bye, Babar (Essay in the LIP Magazine 5/2005); The Sex Lives of African Girls (Kurzgeschichte in Granta 115/2011: "The F Word"); Diese Dinge geschehen nicht einfach so (Ghana Must Go, 2013).

Nii Ayikwei Parkes, 1974 in Großbritannien geboren, wuchs in Ghana auf. Nach dem Studium in Manchester lebt und arbeitet er in London. Parkes schreibt Prosa und Lyrik, die er zudem erfolgreich in Form von Poetry Slams und Rap performt. Er organisiert in Covent Garden die Reihe African Writers Evening und wurde 2007 in Ghana für sein Engagement als Autor und Lyriker ausgezeichnet. Werke: Eyes of a boy, lips of a man (2001); Die Spur des Bienenfressers (Tail of the Blue Bird, 2009); Ballast: a remix (Poetry 2009); The Makings of You (2010)


Kontakt:
Caroline Merkel
Universität Tübingen
Philosophische Fakultät
Deutsches Seminar, Poetik-Dozentur
Tel.: +49-7071-29-74261
Fax: +49-7071-29-5962
caroline.merkel[at]uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Dorothee Kimmich
Universität Tübingen
Philosophische Fakultät
Deutsches Seminar, Poetik-Dozentur
Telefon +49 7071 29-75323
dorothee.kimmich[at]uni-tuebingen.de Weitere Informationen:http://www.poetik-dozentur.de
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