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Rückenschmerzen? Eine MRT-Untersuchung ist oft nicht erforderlich

23.10.2014 - (idw) Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Experten diskutieren auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie e.V. über den Einsatz moderner bildgebender Verfahren bei Rückenschmerzen. Köln, 23.Oktober 2014. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sind in Deutschland die häufigste Ursache für eine Arbeitsunfähigkeit. Es gibt kaum einen Menschen, der im Laufe seines Lebens nicht unter Rückenschmerzen gelitten hat oder leidet. Doch nicht jeder spontan auftretende Rückenschmerz muss bis ins Detail abgeklärt werden denn oft verschwindet er von allein wieder bzw. nach konservativer Therapie (Schmerzmedikamente, Krankengymnastik, Massagen). Kostenintensive, bildgebende Verfahren müssen daher nicht routinemäßig zum Einsatz kommen, sondern nur bei Patienten mit schweren Symptomen wie Lähmungserscheinungen oder besonderem Risikoprofil. Basis für die Diagnose sollte zunächst die ausführliche klinische Untersuchung bilden, dann wird entschieden, ob eine Bildgebung erforderlich ist.

Degenerative Wirbelsäulenerkrankungen, also altersbedingte Abnutzungserscheinungen, gehören zu den Volkskrankheiten der Industrienationen. Gründe dafür sind die vornehmlich sitzende Tätigkeit, Bewegungsmangel und Übergewicht.

Bildgebende Untersuchungen sind routinemäßig bei erstmalig auftretenden Rückenschmerzen aber nicht erforderlich, wie viele Patienten glauben. Denn nach den geltenden Leitlinien sollten bildgebende Verfahren erst dann zum Einsatz kommen, wenn Lähmungserscheinungen auftreten oder wenn bestimmte Risikofaktoren (sogenannte Red-Flags) nachweisbar sind, die auf eine ernsthafte Erkrankung der Wirbelsäule hindeuten. So können z.B. klopfschmerzhafte Wirbelsäulenschmerzen mit gleichzeitigen Entzündungszeichen im Labor (oder klinisch als Fieber) Hinweis für eine Wirbelsäulenentzündung sein. Nächtlich sich verstärkender Schmerz mit gleichzeitigem Vorliegen von Ermüdbarkeit, Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit können Symptome eines Tumors an der Wirbelsäule sein. Des Weiteren sollten bildgebende Verfahren bei Patienten zum Einsatz kommen, die seit Jahren unter Diabetes mellitus leiden oder immunsuppressive Therapien einnehmen. Auch bei Patienten mit vorausgegangenen Krebsleiden ist eine sofortige bildgebende Diagnostik angeraten. Natürlich sollten auch sehr starke, in die Beine ausstrahlende Schmerzen durch eine Bildgebung abgeklärt werden. Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist hier an erster Stelle zu nennen, da sie auch die Weichteilstrukturen der Wirbelsäule (z.B. die Bandscheiben oder das Rückenmark) und sogar Frühveränderungen gut darstellt. Die dreidimensionale Bildgebung zeigt alle degenerativen Schäden an der Wirbelsäule und liefert wichtige Hinweise für die Therapieentscheidung.

Ansonsten gilt: Erst wenn die Beschwerden länger als sechs Wochen andauern und sich als therapieresistent erweisen, muss eine Bildgebung erfolgen. Für viele Ärzte ist es problematisch, dass die Betroffenen häufig vehement eine Bildgebung einfordern. Denn viele Patienten sind `bildergläubig´, erklärt Prof. Dr. med. Michael Forsting vom Universitätsklinikum Essen. MRT-Untersuchungen sollten aber nur selektiv eingesetzt werden, entscheidend ist, dass eine ausführliche klinische Untersuchung der Bildgebung vorangeht.

Über die Jahrestagung der Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie e.V.
Die Jahrestagung der Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie e.V. ist Europas größter Fachkongress für Hirnbildgebung, mehr als 1.000 Teilnehmer werden vom 23.-25. Oktober 2014 in Köln erwartet. Thematische Schwerpunkte bilden die Neuroonkologie, multimodale Bildgebungskonzepte, pädiatrische Neuroradiologie, Schädelbasis, Spinalkanal sowie Neurointerventionen. Die Neuroradiologie ist mit ihren Diagnose- und Behandlungsmethoden im Bereich Demenz und Schlaganfall eine der medizinischen Schlüsseldisziplinen der alternden Gesellschaft.
Weitere Informationen unter http://www.neurorad.de


DGNR-Experte zum Thema für Interviews/Hintergrundgespräche:
Prof. Dr. med. Michael Forsting, Direktor des Institutes für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie des Universitätsklinikums Essen

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