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3D-Drucker helfen Neuroradiologen

23.10.2014 - (idw) Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Hamburger Arbeitsgruppe baut komplikationsträchtige Aneurysmen nach, um Eingriffe vorab testen zu können Ergebnisse auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie e.V. präsentiert. Köln, 23.Oktober 2014. Etwa 1,5-5% der Bevölkerung entwickelt im Laufe des Lebens ein Aneurysma. Dabei handelt es sich um eine sack- oder spindelförmige Ausweitung der Gefäßwand. Die Gefahr besteht darin, dass diese Aussackungen platzen können, was beispielsweise bei einem Aneurysma im Kopf unmittelbar zum Tode führen kann. Deshalb ist eine Intervention erforderlich. Grundlegend für die Therapieentscheidung sind Größe und Lage des Aneurysmas. Die Interventionen sind jedoch oft alles andere als Standardeingriffe, zumal jedes Aneurysma eine andere Struktur aufweist. Eine Arbeitsgruppe aus Hamburg stellt auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie e.V. eine Methode vor, um originalgetreue Modelle individueller Aneurysmen im 3D-Drucker herzustellen. An ihnen kann vorab getestet werden, welche Therapie am erfolgversprechendsten ist. Komplizierte Eingriffe können dann auch am Modell geübt werden.

Die Therapie von Aneurysmen in Hirngefäßen ist häufig sehr komplex, auch ist im Vorfeld nicht immer abzusehen, welche Therapie im individuellen Fall die bessere ist: Es gibt das Clipping, hier wird in einer offenen Operation ein Clip am Hals des Aneurysmas angebracht und somit der Blutfluss unterbrochen. Bei der neuroradiologischen Methode des Coilings wird eine kleine Platinspirale über einen Leistenkatheter bis in das betroffene Hirngefäß gebracht, die sich in der Aussackung ausweitet. Durch die anschließende Bildung von Blutgerinnseln in dem Bereich (Thrombosierung) wird die Aussackung verschlossen. Außerdem können sehr eng geflochtene Drahtröhrchen oder
-körbchen zum Umleiten des Blutflusses eingesetzt werden. Neuroradiologen und Neurochirurgen entscheiden interdisziplinär, welches Vorgehen individuell gewählt wird.

Im Forschungszentrum Medizintechnik in Hamburg wurde unter Leitung von Herrn Prof. Dr. D. Krause, Technische Universität Hamburg-Harburg, und Prof. J. Fiehler, Klinik und Poliklinik für Neuroradiologische Diagnostik und Intervention am UKE Hamburg, eine Methode zur Herstellung von Modellen von Aneurysmen aus dem 3D-Printer entwickelt. Wie sich herausstellte, ermöglicht die Methode eine kostengünstige originalgetreue Replikation des individuellen Hirnaneurysmas eines spezifischen Patienten, die wesentlich zur individuellen Therapieplanung beitragen kann, so Fiehler. Die Modelle können genutzt werden, um zu entscheiden, welche Intervention zum Einsatz kommt, zumal sie auch eine Simulation des Aneurysmadurchflusses ermöglichen. Darüber hinaus kann die genaue Platzierung zum Beispiel der Platinspirale (Coil) simuliert und damit optimiert werden und letztlich kann der Eingriff auch vorab durchgespielt werden.

Auch für das Testen neuer Medizinprodukte wären die Modelle geeignet.

Bereits jetzt kommen in Hamburg die 3D-Modelle bei schwierigen Aneurysmen zur Therapieplanung zum Einsatz. Prof. Fiehler hofft, dass bereits in wenigen Jahren alle Patienten mit komplizierten Aneurysmen von der Innovation profitieren.

Über die Jahrestagung der Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie e.V.
Die Jahrestagung der Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie e.V. ist Europas größter Fachkongress für Hirnbildgebung, rund 1.000 Teilnehmer werden vom 23.-25. Oktober 2014 in Köln erwartet. Thematische Schwerpunkte bilden die Neuroonkologie, multimodale Bildgebungskonzepte, pädiatrische Neuroradiologie, Schädelbasis, Spinalkanal sowie Neurointerventionen. Die Neuroradiologie ist mit ihren Diagnose- und Behandlungsmethoden im Bereich Demenz und Schlaganfall eine der medizinischen Schlüsseldisziplinen der alternden Gesellschaft.
Weitere Informationen unter http://www.neurorad.de


DGNR-Experte zum Thema für Interviews/Hintergrundgespräche:
Prof. Dr. med. Jens Fiehler, stellv. Direktor der Klinik und Poliklinik für Neuroradiologische Diagnostik und Intervention am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

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