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DGKN: Häufige Epilepsie-Fehldiagnosen verhindern

29.10.2014 - (idw) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Klinische Neurophysiologen fordern verbindliche Qualitätssicherung
Häufige Epilepsie-Fehldiagnosen verhindern

Darmstadt In einer Stellungnahme von Juli 2013 schätzte die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN), dass bei bis zu 25 Prozent der Patienten mit Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen fälschlicherweise Epilepsie diagnostiziert wird. Der Grund dafür sei in der Regel eine falsche Interpretation der Hirnströme. Ein aktueller Beitrag in der Fachzeitschrift Aktuelle Neurologie (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) bestätigt die Einschätzung der Fachgesellschaft und verweist auf Studien, die noch höhere Fehlerquoten ausmachen. Demnach könnten in bestimmten Zuweisungszentren sogar 30 bis 35 Prozent der Epilepsie-Diagnosen falsch sein. Um häufige EEG-Fehlinterpretationen zu vermeiden, fordert die DGKN eine verbindliche Qualitätssicherung basierend auf den Zertifikaten der Fachgesellschaft.

Erleiden Menschen einen Krampfanfall, wird oft Epilepsie diagnostiziert. Dabei liegen häufig andere Ursachen zugrunde, sagt Professor Dr. med. Soheyl Noachtar, Experte der DGKN und Leiter des Epilepsie-Zentrums am Klinikum der Universität München Großhadern. Eine Ursache der vielen Fehldiagnosen sehen die Experten der DGKN, in den mangelhaften Kenntnissen der Elektroenzephalographie (EEG)-Veränderungen und der ungenügenden Erfahrung mit EEG-Auswertungen. Das EEG misst Hirnströme und zeichnet sie graphisch auf. Die Stromkurven geben Aufschluss über die Aktivität im Gehirn und damit auch über krankhafte Veränderungen.

Die hohe Rate an Fehldiagnosen stammt vor allem aus Zentren, denen besonders schwierige Fälle mit unklaren Diagnosen zugewiesen werden, erklärt Noachtar. Beim niedergelassenen Neurologen würden seltener falsche Epilepsiediagnosen gestellt. Das Problem dürfe nicht unterschätzt werden, warnt Noachtar. Denn zu der hohen Fehlerquote kommt eine nicht unerhebliche Dunkelziffer. Die DGKN betont ihre Forderung: In Deutschland müssten Neurologen, die mit dem EEG arbeiten, besser ausgebildet werden. Möglichst jeder Neurologe sollte daher die zertifizierte EEG-Zusatzausbildung der DGKN durchlaufen, betont Professor Dr. med. Detlef Claus, Vorstandsmitglied der DGKN, Darmstadt. Diese sei nicht nur für spätere EEG-Ausbilder geeignet, sondern müsse die Qualität der EEG-Interpretation bei jedem Neurologen sicher stellen.

Die DGKN-Richtlinien sehen für die Ausbildung bei ganztägiger Tätigkeit ein halbes Jahr vor. Auszubildende müssten dabei mindestens 800 EEG-Kurven auswerten, darunter 200 EEGs mit epileptiformen oder Anfallsmustern. Nach abgeschlossener Prüfung erwerben die Teilnehmer ein Zertifikat. Entsprechende Fortbildungsangebote bietet die DGKN an.

Quellen:

Stellungnahme der DGKN: http://www.dgkn.de/aktuelles/stellungnahmen/
Ausbildungs-Richtlinien für klinische Elektroenzephalographie (EEG) im Rahmen der Fortbildung in der klinischen Neurophysiologie: http://www.dgkn.de/richtlinien/eeg/

Müller D, Reuner U. Epilepsie-Fehldiagnosen: Probleme der Aktuelle Neurololgie 2014; 41: 386391

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Kontakt für Journalisten:
Kathrin Gießelmann
DGKN Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel: 0711 8931-981
Fax: 0711 8931-984
gießelmann@medizinkommunikation.org
http://www.dgkn.de

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Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Ärzte und Wissenschaftler in Deutschland, die auf dem Gebiet der klinischen und experimentellen Neurophysiologie tätig sind. Anliegen der DGKN ist es, die Forschung auf diesem Gebiet zu fördern sowie eine qualitätsgesicherte Aus-, Weiter- und Fortbildung zu garantieren. Zu diesem Zweck richtet die DGKN wissenschaftliche Tagungen, Symposien und Fortbildungsveranstaltungen aus. Sie erarbeitet Richtlinien und Empfehlungen für die Anwendung von Methoden wie EEG, EMG oder Ultraschall. Darüber hinaus setzt sich die DGKN für den wissenschaftlichen Nachwuchs ein, indem sie etwa Stipendien und Preise vor allem für junge Forscher vergibt. Die Methoden der klinischen Neurophysiologie kommen Patienten bei der Diagnose und Therapie von neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer, Migräne, Epilepsie, Schlaganfall oder Multiple Sklerose zu Gute.

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