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Startschuss für Bioökonomie: Baden-Württemberg bricht auf ins Nach-Erdöl-Zeitalter

29.10.2014 - (idw) Universität Hohenheim

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer eröffnet 1. Bioökonomie-Kongress des Landes Bioökonomie ist eine besondere Chance für Baden-Württemberg, so die einhellige Einschätzung aller Redner auf der heutigen Eröffnung des 1. Bioökonomie-Kongresses Baden-Württemberg. Denn diese neue Wirtschaftsweise setze auf Nahrungsmittel, Rohstoffe und Energie von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen statt auf Erdöl und andere fossile Rohstoffe. Gleichzeitig sei es wichtig die Effizienz bei Ressourcen- und Energieverbrauch zu erhöhen. Dazu sei besonderes technisches Knowhow und Innovationsbereitschaft nötig, was die Innovationskraft und Technologieführerschaft des Landes stärke und auch in ländlichen Regionen Beschäftigung und Wertschöpfung sichere. Bis morgen Abend versammelt der 1. Bioökonomie-Kongress Forscher, Unternehmer und Netzwerker im Haus der Wirtschaft in Stuttgart. Der Kongress wird ausgerichtet von der Universität Hohenheim und der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH auf Initiative des Landesministeriums für Wissenschaft und Kunst.

Dieser kleine Dübel könnte der Startschuss in eine bessere Welt sein: Eine Welt, in der Rohstoffe nachwachsen, Autoreifen aus Löwenzahn sind, Motorenabdeckungen aus Fasern, Kleider aus Milchsäure, mit diesen Worten führte Wissenschaftsjournalist Ingolf Baur die 370 Teilnehmer in den 1. Bioökonomie-Kongress des Landes Baden-Württemberg ein.

Auf den 1. Blick unterschied sich der Dübel bereits durch seine aus Naturstoffen gewonnene grüne Farbe. Aber auch der Kunststoff besteht zu 50 % aus Rizinusöl mit erstaunlichen Eigenschaften. Entwickelt wurde er in Baden-Württemberg von der Firma Fischer. Und er besitze erstaunliche Eigenschaften, schwärmt der Moderator: Wo Sie sonst einen Achterdübel brauchten, reicht Ihnen im Fall dieser grünen Dübel ein Sechserdübel.

Bioökonomie ist Herausforderung und Chance für Baden-Württemberg

Zu Beginn ihrer anschließenden Eröffnungsrede blickte die Wissenschaftsministerin des Landes Baden-Württemberg, Theresia Bauer, erst einmal über die Landesgrenzen hinaus: Die Weltwirtschaft wächst, und das ist gut so. Aber wenn sie das weiter so tut, werden die weltweiten Reserven vor allem an fossilen Rohstoffen bald erschöpft sein, warnt sie.

Für Baden-Württemberg sei die Bioökonomie eine Herausforderung und Chance zugleich, um Wirtschaft und Nachhaltigkeit zu versöhnen. Dabei müsse sich das Land auch der Frage widmen, wie Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch entkoppelt werden können.

Bioökonomie braucht Unterstützung aus der Wissenschaft

Einen wichtigen Part sah die Ministerin dabei bei der Wissenschaft. Denn sie beobachte Themen wie Klimawandel, Ernährungssicherung und Artenschutz. Sie bringe aber auch die neuen Produktionsverfahren und Geschäftsmodelle ein, die das Land brauche.

Die Landesregierung habe deshalb unter anderem das Forschungsprogramm Bioökonomie mit 13 Mio. Euro aufgelegt. Dabei verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz: Wir wollen keine Einzelprojekte fördern, sondern Akteure zusammenbringen, die über längeren Zeitraum strategisch zusammenarbeiten.

Wie das möglich ist, habe Rektor Prof. Dr. Stephan Dabbert mit der Universität Hohenheim vorgemacht. Die Universität Hohenheim hat sich entschieden, die Bioökonomie als eigenen Schwerpunkt über die Fakultätsgrenzen zu setzen. Diesen Mut begrüße ich ausdrücklich.

Sehr spannend daran sei, dass sie dies von Anfang an mit internationalen Partnern betrieben habe und ein entsprechendes internationales Netzwerk pflege.

Bioökonomie braucht den Transfer in die Wirtschaft

Genauso wichtig sei der Transfer in die Wirtschaft. Sehr wertvoll sei deshalb die Arbeit der BIOPRO GmbH, einer Landesgesellschaft, die von Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium gemeinsam finanziert wird.

Die BIOPRO setzt sich inzwischen seit zehn Jahren dafür ein, dass das Wissen aus der Forschung in die Wissenschaft gelangt, lobte die Ministerin. Wir wollen, dass wir diese Strategie von Anfang an im Austausch mit den wesentlichen gesellschaftlichen Akteuren diskutieren.

Bioökonomie ist nicht nur anders sie ist besser als herkömmliche Wirtschaft

Ob Automobilbau, Konsumgüter oder Medizintechnik: Heut gibt es viele Beispiele, für neue Produkte aus der Bioökonomie, sagte Prof. Dr. Joachim von Braun, Vorsitzender des nationalen Bioökonomierates der Bundesregierung in seiner Keynote.

Das Besondere daran: Es sind in der Regel bessere Produkte, nicht nur andere!, so sein Credo.

Gleichzeitig sei Bioökonomie ein kontroverses und kein einfaches Thema. Heute geht es nicht mehr nur darum Rohstoffe zu ersetzen. Allein im Energiebereich sei der vollständige Ersatz illusorisch. Die große Anpassung muss auch beim Konsum und bei der Effizienz geschehen.

Bioökonomie verbreitet sich wie ein Lauffeuer um den Globus

Aktuell ließe sich beobachten, wie sich das Thema Bioökonomie wie ein Lauffeuer um den Globus ausbreite. Viele Länder haben inzwischen sehr, sehr gute Strategiepapiere und stellen teilweise signifikante Ressourcen bereit.

Einige Anregungen dafür stammten aus Deutschland: Viele haben aus unserer Strategie abgeschrieben, das sollten wir als Kompliment nehmen.

Noch habe die Bundesrepublik die Nase vorn. Allerdings sei Bioökonomie kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Die Zukunft wird in stärkeren und internationalen Kooperationen liegen, meinte Prof. Dr. von Braun. Was er für eine vorteilhafte Entwicklung halte.

Schwächen der Bioökonomie in Deutschland seien noch die Knappheit an Biomasse, das geringe Ausmaß der interdisziplinären Forschung, das mangelnde Wagniskapital und vor allem der zu geringe Dialog mit der Gesellschaft.

Vor allem Letzteres mahnte er von den Anwesenden an.

Bioökonomie in Baden-Württemberg muss das Profil des Landes berücksichtigen

Gerade für Baden-Württemberg biete die Bioökonomie besondere Chancen, betonte Prof. Dr. Thomas Hirth, Institutsleiter vom Fraunhofer IGB und des IGVP. Als Vorsitzender des Strategiekreises Bioökonomie bereitete er maßgeblich das Strategieprogramm der Landesregierung vor.

Dabei sei es der Anspruch gewesen, auf das spezifische baden-württembergische Profil und die Besonderheiten und Stärken des Landes einzugehen. Ansatz der Strategie sei, die Bioökonomie als Gesamtsystem zu sehen, die Forschungsperspektive einzunehmen und auch die sozialen, ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen durch die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie die Bioethik einzubeziehen.

Bioökonomie bringt viele Vorteile für das Land

Die Vorteile für das Land seien vielfältig. So trage die Bioökonomie zur Aufrechterhaltung einer sicheren und hochwertigen Ernährung in Baden-Württemberg und zur Sicherung der Welternährung bei. Sie unterstütze den Wandel zu einer rohstoffeffizienten Wirtschaft, trage zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen bei, stärke die Innovationskraft und Technologieführerschaft des Landes und sichere Beschäftigung und Wertschöpfung in ländlichen Regionen.


Eine Besonderheit des Strategiekreises: Es sei das erste Mal gewesen, dass alle Universitäten des Landes an einer Forschungsstrategie mitarbeiteten. Lob fand der Experte für die Politik, die die Empfehlungen sehr schnell in eine Strategie des Landes umgesetzt habe. Das Beispiel zeigt: wenn alle in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft an einem Strang ziehen, dann kann man so ein Projekt auch stemmen.

Text: Klebs
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