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Sylvia Speller ist erste Physik-Professorin an Uni Rostock

03.11.2014 - (idw) Universität Rostock

Fächerübergreifende Forschung ist ihr Anspruch

Mit 34 Jahren war Sylvia Speller die jüngste Physik-Professorin in Holland. In Deutschland ist sie eine der wenigen Frauen mit einer W 3 Professur für Experimental-Physik. Schon im Kindergarten wollte Sylvia Speller wissen, warum es Raum und Zeit gibt. Ihre Fragen sind geblieben. Antworten findet die 47-jährige Mutter einer Tochter in ihrer Forschung an der Uni Rostock. Junge Frauen sollen sich mehr für die Naturwissenschaften interessieren. Dieser Ruf erschallt immer wieder aus Universitäten und Hochschulen. Sylvia Speller ist diesem Ruf schon vor vielen Jahren gefolgt, als sie in den 80er Jahren ein Studium der Physik aufnahm. Wissenschaftliche Erfolge hat sie reichlich zu verzeichnen. Jetzt gelang ihr auch ein echter Durchbruch in einer Männer-Domäne: Sylvia Speller ist die erste Professorin für Experimentelle Physik in 595 Jahren Universität Rostock. Am Institut für Physik hält die international erfolgreiche Forscherin am 6. November ihre Antrittsvorlesung. Dabei geht es um die Entschlüsselung von Prozessen an sehr kleinen Grenzflächen.

Sylvia Speller, die in Osnabrück studierte und promovierte, und in Belgien, Holland, Spanien und den USA Forschungsaufenthalte aufzuweisen hat, will dem Grundlegenden auf die Spur kommen. Die Energie dafür hat sie oder holt sie sich am Meer. In Holland, wo sie elf Jahre wirkte, war sie mit 34 Jahren die jüngste Physikprofessorin. In Deutschland ist sie eine der wenigen Frauen mit einer W 3 Professur in der Experimentalphysik. Überall an der Spitze in ihrem Fach nur Männer, Männer. Bei ihren Professoren-Kollegen in der Hansestadt fühlt Sylvia Speller sich gut aufgenommen.

Uni-Rektor Professor Wolfgang Schareck hat Sylvia Speller, wie er sagt, sehr gern nach Rostock berufen. Sie sei eine hervorragende Wissenschaftlerin und eine sehr sympathische Persönlichkeit. Sie könne vor allem in der Profillinie Leben, Licht und Materie das Bindeglied zwischen Physik und Medizin darstellen. Sylvia Speller forscht zum Beispiel an den Auswirkungen von Nanopartikeln auf die Zelle, anhand von Oberflächenveränderungen, also auf den Bereich einer Zelle, der in der Verbindung mit der Umgebung und Außenwelt besteht. Auch hier geht es, wie im übertragenen Sinne, um Grenzerfahrungen. Und an den Grenzen, auch von Zellen zueinander, spielen sich die wesentlichen Prozesse ab, sagt der Rektor, der sich immer wieder für fächerübergreifende Forschung einsetzt. Für Prof. Schareck ist die Professur von Sylvia Speller eine Eckprofessur. Deswegen habe die Uni-Leitung versucht, die Stelle im Rahmen der Möglichkeiten, gut auszustatten. Frau Speller soll und wird im Forschungsbau Leben, Licht und Materie arbeiten können".

Die Physikerin sehnt den Tag im nächsten Jahr herbei, wo ihr ausreichend Laborräume im Neubau zur Verfügung stehen werden, um sich den Nanowissenschaften, der Grundlage für die Nanotechnologie, ihrem Spezialgebiet, ganz hinzugeben. Der Prozess geht langsamer, als es vor 15 Jahren mal erwartet wurde, sagt Speller. Doch sie weiß auch: In der Wissenschaft gibt es meistens nur schrittweise Erkenntnisse. Es ist selten, dass man morgens eine Idee hat und die schnell durchsetzt, hat sie erfahren müssen. Wörtlich genommen ist mit Nano Zwergentechnik gemeint. Denn die Vorsilbe Nano ist abgeleitet vom griechischen Nanos (Zwerg). Tatsächlich bezieht sich der Begriff allgemein auf alle Verfahren, bei denen Substanzen oder winzige Strukturen genutzt bzw. manipuliert werden, die kleiner sind als 100 Nanometer. Das ist etwa ein Fünfhundertstel vom Durchmesser eines Haares, also mit bloßem Auge nicht erkennbar. Nanopartikel können aus Atomen oder Molekülen aufgebaut sein, Schutzschichten tragen, hohl oder kompakt sein, sehr unterschiedlich aussehen, von Stäbchen über Plättchen bis hin zu kleinen Kugeln. Es ist eine ganz andere Welt, die Gravitation spielt keine Rolle mehr, Quanteneffekte können deutlich hervortreten. Grenzflächen spielen die Hauptrolle, denn sie nehmen im Vergleich zum Gesamtsystem extrem viel Raum ein. Die Nanostrukturen sind andererseits noch groß genug, so dass man daraus zeitlich stabile Systeme aufbauen und Funktionen kontrollieren kann.

Sylvia Speller interessiert sich als Physikerin für Neuronen und Herzzellen, weil diese elektrisch aktiv sind, und solche Zellen mit Festkörpersonden auf verschiedenste Weise wechselwirken, beispielsweise durch Veränderung von Ionenströmen und elektrischen Potentialen. Bereits Zustände lokal in und an lebenden Zellen zu erkennen und zu interpretieren, bevor Symptome im Gewebe oder Organismus auftreten können, das sei für sie die Zukunft, sagt die Wissenschaftlerin. Sie ist überzeugt, dass diagnostisch noch einiges zu erwarten ist, man die Zellprozesse besser aufspüren und verstehen wird.

Ihre Kernkompetenz möchte die Wissenschaftlerin an der Uni Rostock in drei Forschungskomponenten einsetzen. Dabei geht es um nano-elektro-mechanische Übergänge in hybriden Systemen, den Transport von Anregungen durch Molekülkristalle, und eben Wechselwirkungen von lebenden Zellen mit Nanostrukturen.
Hineingekniet hat sie sich bereits in die neue Forschungsrichtung der Korrelierten Mikroskopie und Nanomanipulation, wobei morphologische, elektrische, und nano-optische Prozesse direkt in Verbindung gebracht werden, so dass wir verstehen können, welche Nanostrukturen Energietransport befördern. Das Projekt hat bereits Fahrt aufgenommen. Ich kann Nanophysik, meine Kollegen sind in der Optik fit.


Wie ist Sylvia Speller zur Physik gekommen? "Schon im Kindergarten wollte ich wissen, warum es Raum und Zeit gibt", sagt die 47jährige Mutter einer 13-jährigen Tochter. Ihre Fragen sind geblieben. Nach Antworten sucht sie in der Forschung. Text: Wolfgang Thiel

Universität Rostock
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Institut für Physik
Prof. Dr. Sylvia Speller
T: 0381 498 6980
Mail: sylvia.speller@uni-rostock.de
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