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Innovative OP-Mehrweg-Kleidung

11.11.2014 - (idw) Hohenstein Institute

Die Optimierung von OP-Schutzkleidung hinsichtlich Tragekomfort und Langlebigkeit ermöglicht, signifikante Mengen an Abfall einzusparen und wertvolle Ressourcen zu schonen. Erfahren Sie hier, ob auch Sie von den verbesserten Marktchancen von Mehrweg-Schutzkleidung profitieren können. BÖNNIGHEIM (sis) Ein aktuelles, von der Arbeitsgemeinschaft industrieller
Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" e.V. für Industrieforschung gefördertes
Forschungsprojekt beschäftigt sich bis Anfang des Jahres 2016 mit der Entwicklung
von innovativen Mehrweg-OP-Textilien mit optimalem Tragekomfort und gleichzeitig
verlängerter Lebensdauer durch schonende Wiederaufbereitungsverfahren. Das wfk
Cleaning Technology Institute e.V. und die Hohenstein Institute kommen damit den
Forderungen des Kreislaufwirtschaftgesetz (KrWG) nach und stärken darüber hinaus
die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Textilindustrie.

Seit 2012 findet das KrWG durch Umsetzung in der Abfallrichtlinie RL 2008/98/EG
Anwendung im deutschen Recht. Die Reform besagt, dass zur Vermeidung von
Abfällen Wertstoffe über eine möglichst lange Zeitperiode im Wirtschaftskreislauf
verbleiben sollen. Im Bereich des Gesundheitswesens, insbesondere in
Krankenhäusern, zeichnet sich allerdings ein gegenläufiger Trend ab. Aus Gründen
der einfacheren Handhabung, stets gesicherter Sterilität sowie einer scheinbar
überlegenen Kostensituation steigt der Anteil der in Krankenhäusern mehrheitlich
verwendeten Einweg- OP-Bekleidung kontinuierlich an. Die resultierende Abfalllast
liegt pro Pflegetag und Patient bei etwa 3,2 kg fachgerecht zu entsorgendem
Textilen, wodurch sich ein jährliches Müllaufkommen von ungefähr 1200 kg pro
Krankenhausbett ergibt.

Medizintextilien wie Abdeckmaterialien und OP-Bekleidung sind als zulassungspflichte
Medizinprodukte einer Vielzahl von textiltechnologischen Anforderungen gemäß
der europäischen Norm DIN EN 13795 unterworfen. Dazu zählen beispielsweise
mechanische Widerstandsfähigkeit, mikrobiologische Reinheit und eine
Barrierewirkung gegen Flüssigkeiten. Diese zahlreichen normativen Ansprüche, welche
den Schutz des Trägers gewährleisten, sorgen dafür, dass der thermophysiologische
Tragekomfort der OP-Bekleidung insbesondere bei Einweg-OP-Kleidung zweitrangig
sind.

Um die vergleichsweise höheren Anschaffungskosten von Mehrweg-Schutzkleidung
auszugleichen, müssen diese etwa 50-70 Gebrauchs- und Wiederaufbereitungszyklen
durchlaufen. Dabei büßen die Mehrweg-Textilien beständig an Tragekomfort ein
jedoch ist der Tragekomfort gerade das Charakteristikum, das sie neben der
Umweltfreundlichkeit von Einweg-Textilien positiv abgrenzt.
Das gemeinsame Forschungsprojekt entwickelt angesichts dieser Problemstellung
innovative Mehrweg-OP-Textilien, die neben einem optimalen Tragekomfort
auch eine verlängerte Lebensdauer bieten. Zu diesem Vorhaben optimieren die
Hohenstein Institute die Materialien der Mehrweg-Schutztextilien, sodass ideale
thermophysiologische Trageeigenschaften gegeben sein werden. Aktuell untersucht
das Forschungsteam um Dr. Bianca-Michaela Wölfling auf dem Markt befindliche OP Bekleidungen hinsichtlich ihrer textiltechnologischen und bekleidungsphysiologischen
Beschaffenheit. Hierbei wird besonders die Interaktion zwischen Körper, Klima und
Kleidung beleuchtet, da ein Ungleichgewicht zwischen Wärmeproduktion und abgabe
nicht nur den Arbeitskomfort der Chirurgen und des OP-Teams senkt, sondern auch
deren Wahrnehmung und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann. Dazu finden sowohl
Untersuchungen mit dem Hohensteiner Hautmodell als auch Probandentests in der
Klimakammer unter unterschiedlichen praxisnahen Bedingungen statt. Auf Basis der
Forschungsergebnisse werden Konzepte zur Weiterentwicklung von OP-Textilien
erarbeitet.

Zeitgleich erforscht das wfk Wiederaufbereitungsverfahren, welche die thermische
und mechanische Belastung der Schutztextilien auf ein Minimum begrenzen, um
dadurch verlängerte Lebenszyklen zu erreichen. Um außerdem ressourcenschonend
zu arbeiten, fokussieren sich die Forscher auf voraktivierte Desinfektionssysteme und
Enzyme mit besonders hoher Aktivität bereits bei niedrigen Temperaturen. Durch die
reduzierte Waschtemperatur und mechanik sowie speziell entwickelte Reinigungsund
Desinfektionschemie ergibt sich ein innovatives Wiederaufbereitungsverfahren.
Dieses ermöglicht zum einen den Erhalt der schützenden und thermophysiologischen
Textilfunktionen gegenüber der derzeit gängigen Praxis. Zum anderen kann damit eine
um 25% optimierte Lebensdauer der OP-Mehrweg-Textilien erreicht werden.

Die Forschungskooperation sorgt zusammenfassend für verbesserte Marktchancen
von Mehrweg-Schutzkleidung in Krankenhäusern. Dadurch wird dem KrWG im Sinne
der Abfallvermeidung im textilen Medizinproduktsektor Folge geleistet. Die innovativen
Mehrweg-Schutztextilien zeigen bei optimiertem Tragekomfort eine verlängerte
Lebensdauer mithilfe ressourcenschonender Aufbereitungsverfahren. Neben dem
ökologischen ist jedoch auch der ökonomische Nutzen des Forschungsprojekts nicht
zu vernachlässigen. Durch den Ausbau des Marktes von Mehrweg-OP-Textilien wird
die internationale Wettbewerbsfähigkeit gesteigert und damit Arbeitsplätze in der
deutschen Textilindustrie gesichert. Gleichzeitig ergibt sich für Krankenhäuser aus dem
verlängerten Einsatz der Schutztextilien ein jährliches Einsparungspotenzial von etwa
12,9 Millionen Euro.

Wir danken der Forschungsvereinigung Forschungskuratorium

Textil e.V., Reinhardtstraße 12 - 14, 10117 Berlin für die
finanzielle Förderung des IGF-Vorhabens 17976N, die über
die AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der
industriellen Gemeinschaftsforschung und -entwicklung (IGF)
vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund
eines Beschlusses des Deutschen Bundestages erfolgte. Weitere Informationen:http://www.hohenstein.de/de/inline/pressrelease_74945.xhtml?excludeId=74945 Anhang
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