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Zehn Jahre Klaus-von-Klitzing-Preis: Lehrer des Jahres im MINT-Bereich kommt aus Jülich

11.11.2014 - (idw) Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Werner Decker, Lehrer für Biologie und Chemie am Gymnasium Haus Overbach in Jülich - Barmen, ist Lehrer des Jahres für naturwissenschaftliche Fächer. Er erhält am heutigen Abend in Oldenburg den mit 15.000 Euro dotierten Klaus-von-Klitzing-Preis, den die Universität Oldenburg und die EWE Stiftung bereits zum zehnten Mal vergeben. Insgesamt lagen der Jury 37 Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet vor. Der Namensgeber des Preises, der Physik-Nobelpreisträger Prof. Dr. Klaus von Klitzing, überreicht die Auszeichnung auch im zehnten Jahr persönlich. Oberstudienrat Werner Decker hat in über 20-jährigem Engagement nicht nur Schülerinnen und Schüler für Umweltwissenschaften, Chemie und Biologie begeistert, sondern auch Nachwuchslehrkräfte motiviert, sich mit diesen Fächern über das normale Maß hinaus intensiv zu befassen, begründet von Klitzing die Juryentscheidung.

Decker, dessen Bewerbung für den Preis eine ehemalige Schülerin und heutige Biologielehrerin eingereicht hat, ist seit 1985 Lehrer für Biologie und Chemie am Gymnasium Haus Overbach. Der Oberstudienrat ist Betreuungslehrer für den MINT-Bereich also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik und engagiert sich besonders für den wissenschaftlichen Austausch zwischen dem Gymnasium, Hochschulen und dem Forschungszentrum Jülich. So hat er zahlreiche Kooperationen ins Leben gerufen: WissenschaftlerInnen berichten regelmäßig im naturwissenschaftlichen Unterricht des Gymnasiums, jährlich unternehmen SchülerInnen Exkursionen ans Institut für Rohstoffgewinnung der RWTH Aachen oder an das Forschungszentrum Jülich. Zur 18. World Hydrogen Energy Conference 2010 in Essen entwickelte Decker ein Konzept für einen Schüler-Lehrer-Tag, das mehr als 300 SchülerInnen die Möglichkeit bot, an der Tagung teilzunehmen und mit WissenschaftlerInnen ins Gespräch zu kommen.

Gemeinsam mit SchülerInnen und in Kooperation mit der Fachhochschule Aachen richtete er eine 38 Quadratmeter große Photovoltaikanlage ein. 2001 in Betrieb genommen, dient sie als Praxisbeispiel im Physik-, Chemie- und Technikunterricht und hat bislang über 50.000 Kilowattstunden Solarstrom produziert so viel, wie eine vierköpfige Familie in zehn Jahren verbraucht.

Mit einem außergewöhnlichen und mittlerweile auch durch die Initiative Science On Stage im Bereich Science Teacher of the Future preisgekrönten pädagogischen Konzept wartet Deckers FIT-AG auf. FIT steht für Forschung-innerschulischer-Transfer. Das Besondere: SchülerInnen der 5. Klassen werden beim Experimentieren von älteren SchülerInnen unterstützt und angeleitet. Innerhalb einer Unterrichtsstunde werden so mehrere Experimente in Kleingruppen durchgeführt, analysiert und protokolliert. Der Lehrer fungiert dabei als Moderator. Auf diese Weise erhalten die Fünftklässler früh einen Einblick in die Naturwissenschaften. Die älteren SchülerInnen wiederum greifen auf ihr naturwissenschaftliches Wissen zurück und erwerben zudem pädagogische und soziale Fähigkeiten.

Über die Jahre hinweg belegten Deckers SchülerInnen bei naturwissenschaftlichen Wettbewerben vordere Plätze und erhielten zahlreiche Auszeichnungen. Besonderes Augenmerk legt der Pädagoge dabei auf den Schülerwettbewerb Jugend forscht. So betreute er Schülergruppen, die auf Regional- und Landesebene erfolgreich waren. Seit 2001 engagiert sich Decker auch ehrenamtlich als Regionalwettbewerbsleiter für Jugend forscht in Jülich.

Seit 2013 hat Decker auch den Lehrernachwuchs im Blick und ist Mitinitiator eines Projekts zur Lehrernachwuchsförderung im MINT-Bereich am Gymnasium Haus Overbach. Mit Erfolg: Das Konzept wird von MINT-EC, Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen e.V., als eines von bundesweit nur vier Schulprojekten gefördert.

Schülerinnen und Schüler lassen sich vor allem dann für MINT-Fächer begeistern, wenn früh ihr Forschergeist geweckt wird. Hochengagierte Pädagogen wie Werner Decker sorgen dafür, dass der Funke überspringt und Schülerinnen und Schüler sich für ein MINT-Studium entscheiden. Ein ebenso gesellschaftlich wichtiger wie erfreulicher Umstand gerade auch aus Sicht einer Universität, die eine starke Tradition in der Lehrerbildung hat und großen Wert auf forschungsorientiertes Lernen legt, erklärte Prof. Dr. Gunilla Budde, Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Universität Oldenburg.

Mit dem Klaus-von-Klitzing-Preis werden seit nunmehr zehn Jahren Lehrkräfte ausgezeichnet, die es verstehen, ihre Schüler auf besondere und innovative Weise für den naturwissenschaftlich-technischen Bereich zu begeistern. Gerade in den sogenannten MINT-Fächern ist es aktuellen Studien zufolge von zentraler Bedeutung, dass deren Inhalte forschungs- und praxisorientiert vermittelt werden, sagte Dr. Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender der EWE Stiftung. Mit dem Klaus-von-Klitzing-Preis wolle die EWE Stiftung Lehrerpersönlichkeiten auszeichnen, die sich in diesem Bereich besonders verdient gemacht hätten. Zwei Drittel des Preisgeldes seien dabei für ein schulisches Projekt bestimmt, so dass auch die Schülerinnen und Schüler davon profitierten. Die EWE Stiftung engagiere sich seit ihrer Gründung im Jahr 2002 in vielfältiger Weise für die naturwissenschaftlich-technische Bildung, so Brinker.

Der Jury gehören neben von Klitzing Vertreter der Universität Oldenburg, der EWE Stiftung und der Karl Heinz Beckurts-Stiftung an. Klaus von Klitzing, der die ersten Jahre seiner Schulzeit in Oldenburg verbrachte, ist unter anderem Direktor am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart und Mitglied des Internationalen Solvay Instituts. Darüber hinaus ist er Jury-Mitglied des Wittgenstein-Preises, der durch die Österreichische Forschungsgemeinschaft vergeben wird. 1980 entdeckte er einen neuen Quanteneffekt und erhielt dafür 1985 den Nobelpreis für Physik. Die nach ihm benannte von-Klitzing-Konstante beeinflusste wesentlich die moderne Halbleiterentwicklung und die Präzisionsmesstechnik. 2006 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Oldenburg. Weitere Informationen:http://www.klaus-von-klitzing-preis.de

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