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Architektur und ihre Akteure

18.11.2014 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Der Kunsthistoriker und Restaurator Stefan Bürger (44) hat seit diesem Wintersemester eine Professur für Kunstgeschichte an der Uni Würzburg inne. Sein Spezialgebiet ist die Architektur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Die mittelalterliche und frühneuzeitliche Architektur: Das ist das Gebiet, auf dem Professor Stefan Bürger von der Universität Würzburg forscht. Der Kunsthistoriker und Restaurator interessiert sich dabei besonders für die vielfältigen architektonischen Prägungen in der Spätgotik und Frührenaissance.

Zur Stilepoche der Spätgotik gehören zum Beispiel die Würzburger Marienkapelle und die Lorenzkirche in Nürnberg. Die Zentren der Spätgotik lagen um 1500 aber woanders: in Böhmen, in Sachsen oder in Straßburg. Von dort strahlte dieser Baustil in den ganzen deutschsprachigen Raum aus, wie Bürger erklärt.

Architektur und ihr Bildprogramm

Bei seiner Arbeit fragt der Professor nach dem Verhältnis von Architektur, Ausstattung und Akteuren. Wie zum Beispiel war die Herrscherempore in einer Kirche für einen gelungenen Auftritt des Fürsten konzipiert? Wie waren Chor- und Altarraum gestaltet, um die dort handelnden Personen zu inszenieren? Oder allgemeiner gesagt: Wie wurde Architektur auf ein spezielles Bildprogramm zugeschnitten? Methodisch geht es mir bei diesen Fragen um eine Verflechtung von Stil, Kulturgeschichte, Architekturikonologie, Raumsoziologie und anderen Gebieten, sagt Bürger.

Festungsanlagen im Blick

Der neue Professor befasst sich zudem mit Befestigungsanlagen des 16. und 17. Jahrhunderts. In dieser Zeit entstand auch die Würzburger Festung Marienberg. Die Bauherren dieser Zeit mussten sich mit bis dahin nicht gekannten Bedrohungen auseinandersetzen, mit Artilleriebeschuss und den Auswirkungen von Metallmunition, erzählt der Kunsthistoriker. Entsprechend schufen sie Bollwerke mit einer speziellen Geometrie, mit Bastionen und anderen Abwehrbauwerken.

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich Bürger unter anderem mit Traktaten zum Festungsbau. Dabei handelt es sich um Schriftstücke von Bau-Experten, die sich darin zum Beispiel über verschiedene Bauweisen austauschen oder die Frage diskutieren, wie man eine Festung auch gegen Angriffe von innen wappnen kann etwa auch für den Fall, dass sich dort Verräter aufhalten.

Werdegang von Stefan Bürger

Geboren wurde Stefan Bürger 1970 in Magdeburg. Das Abitur blieb ihm in der DDR zunächst verwehrt unter anderem, weil er aus einem kirchlichen Elternhaus stammt und die Zahl der Abiturienten aus diesem Personenkreis quotiert war. Eine Ausbildung im Handwerk stand ihm aber offen, und so absolvierte er eine Malerlehre beim VEB Denkmalpflege in Erfurt. Nach der Lehre arbeitete er in diesem Betrieb bis 1991 als Spezialhandwerker für Denkmalpflege. In dieser Zeit wirkte er unter anderem an Restaurierungen in Erfurt und im Schloss Weimar mit.

Der Weg zu einem Studium öffnete sich für Bürger 1989. Er besuchte das Abendgymnasium in Erfurt, legte 1991 das Abitur ab und schrieb sich dann an der Fachhochschule Potsdam für das Fach Restaurierung / Wandfassung ein. Nach dem Abschluss machte er sich ab 1995 als Restaurator selbstständig. In den folgenden fünf Jahren war er hauptsächlich im Bereich Wandfassung und Bauforschung an verschiedenen Objekten in Weimar und Dresden tätig.

Restaurator und Student zugleich

Parallel zur Tätigkeit als selbstständiger Restaurator absolvierte Bürger ein Magisterstudium der Kunstgeschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Evangelischen Theologie an der TU Dresden. Dort wurde er 2004 promoviert, die Habilitation folgte 2011. Als Postdoc war Bürger unter anderem Leiter des Forschungsprojekts Werkmeister der Spätgotik, gefördert von der Gerda-Henkel-Stiftung, und wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Sonderforschungsbereich.

Ein Höhepunkt in dieser Zeit: Seit 2009 habe ich als Berater an der Neueinwölbung der Schlosskapelle in Dresden mitgewirkt, sagt Bürger. Das sei eine besondere Herausforderung gewesen: Das Restaurierungsvorhaben wurde mit genau jenen spätmittelalterlichen Baumethoden realisiert, die Bürger in seiner Dissertation über Figurierte Gewölbe herausgearbeitet hatte. Zudem mussten die Methoden von damals auf die geltenden baurechtlichen Vorgaben angepasst werden. Eingeweiht wurde das fertige Werk im September 2013.

Nach seiner Habilitation mit einer Arbeit über Festungsbautraktate des 17. Jahrhunderts wurde Bürger 2013 in Dresden zum außerplanmäßigen Professor bestellt. Zum Wintersemester 2014/15 folgte er nun dem Ruf auf die Würzburger Professur für Kunstgeschichte. Die Studierenden hier kennen ihn bereits: Er hat die Professur schon im Sommersemester 2014 vertreten.


Kontakt

Prof. Dr. Stefan Bürger, Institut für Kunstgeschichte, Universität Würzburg, T (0931) 31-84650, stefan.buerger@uni-wuerzburg.de Weitere Informationen:http://www.kunstgeschichte.uni-wuerzburg.de/ Zur Homepage des Würzburger Instituts für Kunstgeschichte
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