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Es braucht ein Gesamtkonzept

18.11.2014 - (idw) Hochschule Landshut

Fachtagung Interkulturelle Öffnung in Kommunen an der Hochschule Landshut Am vergangenen Freitag (14. November) befassten sich rund 80 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Städten, sozialen Einrichtungen und dem Bildungsbereich mit dem Konzept der interkulturellen Öffnung in Kommunen (IKÖ). In Vorträgen, Workshops und einer Podiumsdiskussion wurden Öffnungsprozesse vorgestellt und kritisch reflektiert. Die Hochschule Landshut organisierte in Kooperation mit dem Netzwerk Integration diese Fachtagung.

Die aktuellsten Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) von 2013 zeigen sehr deutlich, dass das Migrationsgeschehen für die Gesellschaft prägend ist. Diese Realität spiegelt sich in den verschiedensten gesellschaftlichen Teilbereichen wieder. In jedem einzelnen braucht es dementsprechend Prozesse, um Chancengleichheit und volle Teilhabe am sozialen und wirtschaftlichen Leben zu etablieren. Hierzu sollen nicht bestimmte Personen eine Vorleistung erbringen müssen, sondern alle sind aufgerufen, sich dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe zu stellen. Die Fachtagung richtete sich an alle, die in den verschiedenen Bereichen wie Verwaltung, Bildungseinrichtungen, Gesundheitswesen und Altenhilfe Öffnungsprozesse mit gestalten möchten oder sich bereits im Prozess befinden.

Hochschulpräsident Prof. Dr. Karl Stoffel begrüßte die Teilnehmer/-innen: Auch eine Hochschule muss sich immer mehr dem Thema Diversität stellen, denn die Bildungsbiographien unserer Studierenden werden immer unterschiedlicher. Daher habe die Hochschule verschiedene Maßnahmen getroffen, um sich dem Thema zu öffnen. Beispielsweise gibt es einen Beauftragten für Diversität oder es werden interkulturelle Programme wie die Sprachtandems des Sprachenzentrums angeboten.

Mit zwei Vorträgen wurde in die Thematik eingeführt. Dr. Hubertus Schröer, Institut Interkulturelle Qualitätsentwicklung München (IQM), zeigte in seinem Vortrag Interkulturelle Öffnung und Inklusion als zweiseitiger Veränderungsprozess an Beispielen wie IKÖ umgesetzt werden kann. Interkulturelle Orientierung versteht sich als eine sozialpolitische Haltung, die Verschiedenheit anerkennt, gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht, Machtasymmetrien analysiert und auf eine reflexive Interkulturalität setzt, so Schröer. IKÖ, so Schröer im Weiteren, sei die Konsequenz dieser Haltung als Lern- und Veränderungsprozess von Menschen und Organisationen, um Zugangsbarrieren abzubauen und Anerkennung zu ermöglichen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung der IKÖ sei, dass sie politisch gewollt ist; IKÖ ist Chefsache. Als Solche könne sie nur als strategischer Ansatz im Rahmen eines integrationspolitischen Gesamtkonzeptes erfolgreich realisiert werden. Dr. Schröer betont, dass hierbei der Begriff der Kultur nicht zu eindimensional verstanden sowie ethnisiert werden dürfe.

Prof. Dr. Paul Mecheril, Universität Oldenburg, stimmt Schröer im anschließenden Vortrag Schlaglichter auf den Stand der Diskussion zur Interkulturellen Öffnung zu. Er zieht darüber hinaus den Schluss, dass der Begriff der Interkulturalität dementsprechend abgelöst werden solle, um nicht an die Erwartungen einer naturalistischen Kultur anzuknüpfen. Wie auch Schröer sieht Prof. Mecheril nicht zu Letzt die Politik in der Verantwortung.

Mecheril betonte, dass hinter dem Begriff der Interkulturalität die Erwartung stecke, dass es sich hier um das Zusammentreffen von Menschen mit oder ohne sog. Migrationshintergrund handele. Um der Gefahr der Kulturalisierung vorzubeugen, sei es eine Möglichkeit diese Erwartung direkt aufzugreifen und den Begriff der Interkulturellen Öffnung durch migrationsgesellschaftliche Öffnung zu ersetzen. Hier formuliert er ganz klar, dass es sich nicht nur um den Austausch zweier Wörter handele, sondern um die Abschaffung eines kulturalistischen Blickwinkels mittels Dominanz,- Diskriminierungs-, und Rassismuskritik. Es ist sinnlos eine Unterscheidung zwischen Menschen auf Grund Ihres Hintergrundes zu treffen. Es ist aber sinnvoll über die Unterschiede zu sprechen, da es konstitutiv für unsere Gesellschaft ist, sagt Mecheril.

Am Nachmittag kamen die Teilnehmer/-innen in vier vertiefenden Workshops zusammen. Erfahrungen mit interkulturellen Öffnungsprozessen aus der Verwaltung, Interkulturelle Öffnung im Gesundheitswesen, der Altenhilfe und von Bildungseinrichtungen waren die vier jeweiligen Fachgruppen. Die Workshopleiter/-innen stellten in ihrer jeweiligen Gruppe aktuelle Projekte im Bereich IKÖ vor. Im Anschluss tauschten sie sich über mögliche Umsetzungen und reflektierten bereits erreichte Ziele.


In der abschließenden Podiumsdiskussion präsentierten die Workshopleiter/-innen die Ergebnisse der einzelnen Gruppen vor allen Teilnehmern/-innen. Das Auditorium hat nochmal Möglichkeit Fragen zu stellen oder mit dem Podium zu diskutieren. Aufgegriffen wurde hier auch u.a., dass auf der strukturellen Ebene mit internationalen Bildern anstatt beispielsweise mit den bayrischen Alpen und dem christlichen Kreuz Personen willkommen geheißen werden könnten. Man soll eine Zugehörigkeit von Anfang an generieren, so Schröer.
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