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Laser aktiviert Türöffner für Chemotherapie

18.11.2014 - (idw) Universitätsklinikum Frankfurt

Erstmalig in Hessen wurde am Frankfurter Universitätsklinikum ein Patient mit nichtoperablem Gallenwegskrebs mit einer laserbasierten endoskopischen Therapie behandelt. Das vielversprechende Verfahren zur Bekämpfung bislang oft tödlicher Tumoren wird erst an sechs Standorten in Europa eingesetzt. In Deutschland erkranken jährlich etwa 4.000 Menschen an einer Krebserkrankung der Gallenwege häufig mit tödlichem Ausgang. Die einzige Heilungschance besteht in der radikalen Chirurgie, bei der der Tumor vollständig entfernt wird. Allerdings sind insbesondere die Krebserkrankungen der Gallenwegsgabel, sogenannte Klatskin-Tumoren, eine therapeutische Herausforderung. Viele dieser Patienten können aufgrund der anatomischen Lage der Erkrankung nicht operativ behandelt werden. Eine neue Therapie aktiviert die Substanz, die die Tumorzellen angreift, lokal begrenzt mittels Laser. Sie wurde jetzt erstmalig in Hessen am Universitätsklinikum eingesetzt. Die Technologie wurde von der norwegischen Firma PCI Biotech entwickelt und in diesem Jahr zum ersten Mal überhaupt an einem Patienten getestet. Frankfurt ist einer von nur sechs Standorten in Europa, an dem das Verfahren im Rahmen einer Therapiestudie angewendet wird. Es verspricht deutlich bessere Behandlungsresultate für die Patienten als herkömmliche Verfahren und das bei minimalen Nebenwirkungen.

Mit Laser die Zellwand des Tumors aufbrechen

Bemerkbar macht sich die Tumorerkrankung meist durch eine Abflussbehinderung der Galle. Bei Patienten mit einem Klatskin-Tumor bestand die Behandlung bisher vor allem darin, endoskopisch den Abfluss der Gallenflüssigkeit wieder zu gewährleisten. Als endoskopisch bezeichnet man Verfahren, bei denen über Sonden eine Kamera sowie Behandlungsinstrumente in den Körper eingeführt werden, die sich von außerhalb des Körpers steuern lassen.
Zusätzlich wurde der Tumor in der Regel durch Laser oder Hitze bestrahlt. Allerdings konnten diese Verfahren das Tumorwachstum nur begrenzt eindämmen. Bei der neuen Therapie wird der Patient mit einer innovativen Substanz behandelt, die auf Laserstrahlung reagiert. Diese Substanz mit dem Namen Amphinex wird zunächst dem Körper intravenös zugeführt. Dann wird eine Sonde über die Speiseröhre in den Körper eingeführt, die Laserstrahlung weiterleiten kann. Das Laserlicht einer definierten Wellenlänge aktiviert dann Amphinex ganz gezielt und lokal begrenzt auf dem Tumorgewebe. Dort greift es die Zellmembranen, eine Art Schutzhülle der Krebszellen, an. Im nächsten Schritt erhält der Patient intravenös eine Chemotherapie mit dem Mittel Gemcitabine. Da die Vorbehandlung zunächst die Zellmembranen aufgebrochen hat, kann das Therapeutikum nun äußerst effektiv in die Tumorzellen eindringen und diese zerstören.

Deutlich effektivere Tumorzerstörung erwartet

Durch diese kombinierte Therapie kommt es zu einer deutlich stärkeren lokalen Tumorzerstörung als bei den bisher gängigen Verfahren. Wir erhoffen uns, durch diese neuartige Behandlung bei nur geringen Nebenwirkungen eine anhaltende Tumorkontrolle bei diesen Patienten erreichen zu können, so Prof. Jörg Trojan, Leiter der klinischen Prüfung am Universitätsklinikum. An der Phase-I/II-Studie zur Testung des Verfahrens nehmen neben dem Universitätsklinikum Frankfurt nur wenige europäische Zentren teil. Sie trägt den Titel: A phase I/II dose escalation study to assess the safety, tolerability and efficacy of amphinex-induced photochemical internalisation of gemcitabine followed by gemcitabine/cisplatin chemotherapy in patients with locally advanced inoperable cholangiocarcinoma. Endoskopische Methoden wie diese photodynamische Therapie oder Radiofrequenzablationen können nur an wenigen Kliniken mit großer endoskopischer Expertise durchgeführt werden. Wir sind sehr froh, diese neue Technik für unsere Patienten in Frankfurt anbieten zu können, so PD Dr. Jörg Albert, Leiter der Endoskopieabteilung.

Medizinische Versorgung für Patienten mit komplexen Tumorerkrankungen der Leber weiter optimiert

Die Studie wird in der Studienambulanz der Medizinischen Klinik I durchgeführt, die auf die Entwicklung fortschrittlicher Therapiekonzepte bei Lebererkrankungen und Tumoren des Verdauungstraktes spezialisiert ist. Die endoskopische Versorgung von Patienten mit diesen komplexen Erkrankungen ist ebenfalls ein klinischer Schwerpunkte der Medizinischen Klinik I. Durch den kürzlich erfolgten Umzug in unsere neue Endoskopieabteilung haben wir unser Angebot für die Behandlung dieser Patienten noch einmal deutlich erweitert, erläutert Prof. Stefan Zeuzem, Direktor der Medizinischen Klinik I. Die Klinik bietet im Verbund mit der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, unter der Leitung von Prof. Wolf-Otto Bechstein, und mit dem Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie, unter der Leitung von Prof. Thomas Vogl, als Leberzentrum Frankfurt die Diagnostik, Therapie und Nachsorge bei Krebserkrankungen der Leber auf medizinisch und wissenschaftlich höchstem Niveau an.

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