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Wenn das Publikum mit den Teufeln durch die Stadt zieht

24.11.2014 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Eine schöne geistliche Tragedia von dem ersten Merterer von Melchior Neukirch Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen lädt zum traditionellen Weihnachtsspiel ein Aufführung in Gießen am 16. Dezember 2014 Die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) bringt keine klassisch besinnlichen und kindgerechten Krippenspiele auf die Bühne, sondern beleuchtet die vielfältigen Facetten des Weihnachtsfests. Blutig geht es in diesem Jahr zu, wenn die Stephanus-Tragödie des Braunschweiger Pastors Melchior Neukirch von 1591 neu inszeniert wird. Mit der Bühnenfassung von Eine schöne geistliche Tragedia von dem ersten Merterer setzt die Gruppe unter der Leitung der Gießener Germanistin Prof. Dr. Cora Dietl auch in diesem Jahr ihre Tradition fort, zu Weihnachten mit älteren Theaterstücken ein großes Publikum zu erfreuen. Premiere ist am 6. Dezember 2014 in der Hospitalkirche in Grünberg; die Gießener Aufführung findet am 16. Dezember 2014 in der Pankratiuskapelle statt und findet ihren Abschluss am Lindenplatz.

Ich sehe den Himmel offen stehn / Und Gottes Herrlichkeit darin, erklärt Stephanus wiederholt, als die tödlichen Steine der Peiniger ihn treffen. Sein Tod ist ein Triumph; er bleibt ein Pol der Ruhe gegenüber der rasenden Wut seiner Feinde und führt damit vorbildlich die standhafte Haltung vor, die als Konsequenz aus der Menschwerdung Christi verstanden wird, denn mit der Erlösung ist eine tiefgreifende Verpflichtung verbunden. Nicht zufällig feiert die Kirche schon seit dem 4. Jahrhundert am 26. Dezember das Gedächtnis des Heiligen Stephanus, des ersten Märtyrers. Heute ist der Tag in vielen Gemeinden Gedenktag für all diejenigen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Nicht nur als einen Aufruf an die lutherische Gemeinde, ihre Standhaftigkeit gegenüber der alten Kirche zu bewähren, setzte Melchior Neukirch 1591 sein Stück ein, sondern auch als einen Protest gegen die theaterfeindlichen Kryptokalvinisten, die damit auch eine Vermittlung von Überzeugungen durch das Text-Bild-Medium Theater verhinderten. Genau das macht das Drama für eine aktuelle Inszenierung spannend, denn zur Verteidigung des Theaters schöpft Neukirch aus dem vollen Repertoire theatraler Möglichkeiten. Er spielt mit verschiedenen Elementen des vorreformatorischen geistlichen Spiels, gesteht den Teufeln neben Stephanus und den Aposteln eine Hauptrolle zu, lässt Gott selbst aus dem Himmel sprechen und schreckt nicht einmal vor einer Prozession inmitten des Stücks zurück, um seinem Publikum selbst eine Rolle zuzuweisen.

Die Theatergruppe des Instituts für Germanistik will das Experiment wagen, ob Neukirchs Methoden der Überzeugung und der Integration des Publikums in das dargestellte Geschehen heute noch nachempfunden werden können. Das Publikum darf sich also darauf einstellen, dass es nicht nur, wie bei vielen der früheren Aufführungen, mitsingen darf, sondern dass es auch mit den Teufeln durch die Stadt zieht als Mittäter, als Mitopfer oder doch nur als Zuschauer? Alle Gäste sind zu diesem Theaterexperiment voll flammender Reden und symbolhafter Bewegung herzlich eingeladen.

Der Eintritt ist frei.

Aufführende:
Theatergruppe des Instituts für Germanistik
Prof. Dr. Cora Dietl (Petrus), Prof. Dr. Gerhard Kurz (Herodes; Malchus), Margit Kurz (Herodias), Ole Denskat (Jacobus; Saulus), Melissa Heerz (Stephanus; Beelzebub), Anne-Kathrin Klös (Ananias; Fabian), Christine Kluge (Saphira; Hannas; Luzifer), Anna-Verena Mencke (Johannes; Benjamin), Erik Paris (Jesus), Christoph Schanze (Gott Vater; Chorleiter), Lisa Scheffler (Gabriel; Elisabeth; Sathan), Adrian Verscharen (Caiphas; Hofteufel), Moritz Wernicke (Ammon; Tod).

Die Aufführung wird unterstützt durch die Justus Liebig Universität Gießen, das Museum im Spital Grünberg, den Freundeskreis des Museums im Spital Grünberg, das Literarische Zentrum Gießen, das Stadttheater Gießen und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau. Es steht im Kontext des von Prof. Dr. Cora Dietl geleiteten DFG-Projekts Inszenierungen von Heiligkeit, das deutsche Märtyrerdramen des 16. und frühen 17. Jahrhunderts erforscht.

Titelblatt des Originaltextes Eine schöne geistliche Tragedia von dem ersten Merterer von Melchior Neukirch, 1591. Digitalisierte Fassung in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (http://diglib.hab.de/drucke/lo-5702/start.htm).

Termine

Generalprobe
Die Presse ist herzlich eingeladen zur Generalprobe am 5. Dezember 2014 um 11.00 Uhr, Philosophikum I, Otto-Behaghel-Straße 10, Gebäude B, Raum B9.

Aufführungen
6. Dezember 2014, 16.00 Uhr: Grünberg, Hospitalkirche Abschluss am Diebsturm
13. Dezember 2014, 18.00 Uhr: Bamberg, Katharinenkapelle Abschluss in der alten Hofhaltung
16. Dezember 2014, 18.00 Uhr: Gießen, Pankratiuskapelle Abschluss am Lindenplatz.
Der Eintritt ist frei.

Kontakt
Prof. Dr. Cora Dietl
Institut für Germanistik der JLU
Otto-Behaghel-Straße 10 B; 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-29080; Fax 0641/99 29089
E-Mail: cora.dietl@germanistik.uni-giessen.de

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Die 1607 gegründete Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ist eine traditionsreiche Forschungsuniversität, die rund 28.000 Studierende anzieht. Neben einem breiten Lehrangebot von den klassischen Naturwissenschaften über Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften bis hin zu Sprach- und Kulturwissenschaf¬ten bietet sie ein lebenswissenschaftliches Fächerspektrum, das nicht nur in Hessen einmalig ist: Human- und Veteri-närmedizin, Agrar-, Umwelt- und Ernährungswissenschaften sowie Lebensmittelchemie. Unter den großen Persönlich-keiten, die an der JLU geforscht und gelehrt haben, befindet sich eine Reihe von Nobelpreisträgern, unter anderem Wilhelm Conrad Röntgen (Nobelpreis für Physik 1901) und Wangari Maathai (Friedensnobelpreis 2004). Seit 2006 wird die JLU sowohl in der ersten als auch in der zweiten Förderlinie der Exzellenzinitiative gefördert (Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System ECCPS; International Graduate Centre for the Study of Culture GCSC). Weitere Informationen:http://www.uni-giessen.dehttp://www.coradietl.de

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