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Wege der Reformation im Internet

24.11.2014 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Kirchenhistoriker der Uni Jena und Archivare aus Mitteldeutschland veranstalten am 26./27. November Tagung Reformation vor Ort Es ist ein wirkmächtiges Bild, wie der Mönch Martin Luther im Herbst 1517 seine Thesen ans Portal der Schlosskirche zu Wittenberg nagelt und damit die Reformation einläutet. Doch unabhängig davon, ob es den berühmten Thesenanschlag tatsächlich gegeben hat, stellt sich die Frage, wie sich das reformatorische Gedankengut verbreitet hat.

Wie kam die Reformation in die Städte und Dörfer?, fragt Prof. Dr. Christopher Spehr von der Universität Jena. Der Kirchenhistoriker verweist darauf, dass sich einige Landesherren um 1524/25 der Reformation anzunehmen begannen und zu aktiven Unterstützern der lutherischen Reformen wurden. Diese Landesherren setzten sogenannte Visitationskommissionen ein, die das reformatorische Gedankengut verbreiten sollten und zugleich das Kirchenwesen neu organisierten. Die aus Theologen und Juristen gebildeten Kommissionen bereisten die Lande und hielten ihre Ergebnisse in Protokollen fest.

Bis heute sind diese Protokolle zu einem großen Teil in den einst herrschaftlichen Archiven überliefert. Das Projekt Digitales Archiv der Reformation Schriftzeugnisse aus den Archiven Mitteldeutschlands führt nun die Quellen der ersten lutherischen Visitation für die historischen Territorien Mitteldeutschlands zusammen und präsentiert sie im Internet. Wie Dagmar Blaha, Archivdirektorin im Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar, sagt, haben sich zu diesem Zweck die Staatsarchive der drei Bundesländer Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hessen einstige Kernländer der Reformation sowie die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek zusammengeschlossen. Sie erhalten Unterstützung aus dem Freistaat Sachsen, der wichtige Dokumente zur Verfügung stellt.

Gefördert wird das Projekt von den beteiligten Bundesländern, der Kulturstaatsministerin im Kanzleramt und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Jeder Heimatforscher und Interessierte erhält so beispielsweise rasch Einblick in die Protokollnotizen der Visitatoren zum Heimatort. Für die historischen Wissenschaften eröffnen sich mit dem Portal zudem viele neue Möglichkeiten!, sagt Christopher Spehr und gerät ins Schwärmen. So werde erstmals ein Aktenbestand der ehemaligen Territorialherrschaften auf den Gebieten der mitteldeutschen Bundesländer in der Zusammenschau erforschbar.

Am Mittwoch und Donnerstag (26./27. November) wird das Projekt im Rahmen der Tagung Reformation vor Ort in den Rosensälen der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Fürstengraben 27) der Öffentlichkeit vorgestellt. Experten diskutieren den gegenwärtigen Forschungsstand und Fragen zur örtlichen Reformation anhand der Visitationsprotokolle. Ein besonderer Höhepunkt wird der öffentliche Abendvortrag von Prof. Spehr am Mittwoch (26. November) um 19.15 Uhr in den Rosensälen sein. Spehr spricht über Martin Luther und die Entstehung des evangelischen Kirchenwesens, der Eintritt ist frei, Gäste sind herzlich willkommen.

Zum Abschluss der Tagung gibt es am Donnerstag (27. November) um 14.30 Uhr eine Podiumsdiskussion, bei der die Chancen und Grenzen digitaler Präsentationen von archivalischen Quellen ausgelotet werden insbesondere auch im Blick auf die Schulen und ihre Lehrkräfte. Unter der Leitung von Prof. Dr. Jens Haustein, Lehrstuhl für Germanistische Mediävistik der Universität Jena, diskutieren Prof. Dr. Ursula Braasch-Schwersmann, Leiterin des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde, Prof. Dr. Enno Bünz, Lehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte an der Universität Leipzig, Prof. Dr. Ulrike Höroldt, Leitende Archivdirektorin des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt und Dr. Roberto Napierski vom Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien. Auch hier sind Gäste herzlich willkommen.

Das Programm der Tagung im Internet:
http://www.theologie.uni-jena.de/refovorort
http://www.thueringen.de/imperia/md/content/staatsarchive/digiref/reformation_vo...


Kontakt:
Prof. Dr. Christopher Spehr
Theologische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fürstengraben 6, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 941130
E-Mail: Christopher.Spehr[at]uni-jena.de

Archivdirektorin Dagmar Blaha
Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar
Marstallstraße 2, 99423 Weimar
Tel.: 03643 / 87198311
E-Mail: dagmar.blaha[at]staatsarchive.thueringen.de Weitere Informationen:http://www.uni-jena.de
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