Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMittwoch, 18. Oktober 2017 

Die Gewinner des DGPPN-Antistigma-Preises 2014

26.11.2014 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)

Menschen mit psychischen Erkrankungen haben in Deutschland nach wie vor mit Vorurteilen zu kämpfen. Am 29. November 2014 werden deshalb drei Projekte mit dem DGPPN-Antistigma-Preis 2014 ausgezeichnet, die sich für eine nachhaltige gesellschaftliche Integration psychisch erkrankter Menschen einsetzen. Die Preisvergabe findet im Rahmen der öffentlichen Veranstaltung Diagnose psychisch krank Anzeichen und Symptome erkennen auf dem DGPPN Kongress 2014 im
CityCube Berlin statt. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Der DGPPN-Antistigma-Preis wird von der DGPPN gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Seelische Gesundheit und der Stiftung für Seelische Gesundheit verliehen und dies bereits zum 12. Mal. Mit 10.000 Euro ist der Preis doppelt so hoch dotiert wie im Vorjahr. Die Jury wählte die drei Gewinner aus 31 Bewerbungen aus Forschung, Wirtschaft, Kultur und psychosozialen Bereichen aus. Ausschlaggebend bei der Entscheidung waren Einzigartigkeit, Kreativität, Innovation und Nachhaltigkeit der Projekte.

Hauptpreisträger ist in diesem Jahr Radio Sonnengrau, eine Radiosendung, die sich monatlich mit den Themen Depression, Burnout und psychische Gesundheit beschäftigt. Sie erhält 4000 Euro. Weitere Preisträger sind der Verein Beclean e.V., der sich seit über 25 Jahren aktiv für die Verbesserung in psychiatrischen Kliniken in Rumänien einsetzt, sowie die Lehr- und Trainingsgastronomie Denkma(h)l! der Malteser Werke gGmbH, die Jugendliche mit psychischen Erkrankungen in den ersten Arbeitsmarkt integrieren will. Beide Vereine erhalten jeweils 3000 Euro, die sie für den Ausbau und die erfolgreiche Fortsetzung ihrer Projekte einsetzen.

Seit April 2014 sendet Radio Sonnengrau jeden ersten Samstag im Monat von 19.00 bis 21.00 Uhr aus dem Studio des offenen Kanals Lübeck. Die Sendung ist ein Mix aus Musik, Talk und Information. Moderiert wird sie von der selbst depressionserfahrenen Initiatorin Tanja Salkowski. Sie stellt ihren Talkgästen angenehme und unangenehme Fragen, geht in die Tiefe und legt Fakten auf den Tisch. Ziel ist es, über psychische Erkrankungen aufzuklären, diese regelmäßig zum Gesprächsthema zu machen und dadurch mit Vorurteilen aufzuräumen vor allem gegenüber der weit verbreiteten Erkrankung Depression. Neben Tanja Salkowski moderiert Dirk Schippel, Betriebspsychologe und Inhaber einer eigenen psychotherapeutischen Praxis, die Sendung. Zuhörer können per E-Mail oder Telefon Fragen an den Experten richten und die Sendung über Facebook interaktiv mitgestalten. Alle Mitarbeiter des kleinen Radio-Unternehmens arbeiten ehrenamtlich.

Der Verein Beclean e.V. setzt sich seit über 25 Jahren für die Entstigmatisierung psychisch Erkrankter in Rumänien ein. Menschen mit psychischen Erkrankungen werden in Rumänien als vars (Kraut) bezeichnet. In der Regel werden sie in großen Einrichtungen in entlegenen Dörfern kollektiv untergebracht und sind dort Verelendung und Vereinsamung ausgesetzt. Über eine vielschichtige Öffentlichkeitsarbeit mit Film-, Theater- und Konzertprojekten versucht Beclean e.V., öffentliche und politische Aufmerksamkeit zu erreichen, und stellt damit einen positiven Kontakt zwischen der Bevölkerung und den Patienten der Kliniken her. Eine Hochschulpartnerschaft zwischen der Fakultät für Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege der Hochschule Ravensburg-Weingarten und der Fakultät für Soziale Arbeit der Universität Cluj soll deutsche und rumänische SozialarbeiterInnen für die Arbeit in der Psychiatrie gewinnen. Bis vor wenigen Jahren arbeiteten in rumänischen Psychiatrien lediglich Ärzte. Studierende beider Hochschulen lernen durch gemeinsame Exkursionen die Bedeutung von politischer Kultur, Lebensbedingungen und Gesellschaft für ihr Berufsfeld kennen und erarbeiten angemessene Strukturen für das Handlungsfeld Psychiatrie in Rumänien.

Die Lehr- und Trainingsgastronomie Denkma(hl)! der Malteser Werke gGmbH wurde 2007 in Hamm gegründet. Sie betreibt ein gehobenes Restaurant mit junger kreativer regionaler Küche. Jung und kreativ im doppelten Sinne: Denn nicht nur die Speisekarte bietet innovative Köstlichkeiten, auch das Personal ist jung und dynamisch. Es sind Jugendliche mit psychischen Erkrankungen, die im Betrieb die Möglichkeit erhalten, ihre individuellen Fähigkeiten zu zeigen. Dabei werden sie von gastronomischen sowie therapeutisch-pädagogischen Fachkräften begleitet. Fünfzehn Stellen im Küchen- und Servicebereich bieten den Jugendlichen je nach psychischer Belastung einen strukturierten Tagesablauf, Arbeitstraining, Berufsvorbereitung oder sogar eine komplette Ausbildung. Ziel ist es, einen neutralen Begegnungsraum für erkrankte Jugendliche und nicht erkrankte Gäste zu schaffen und die Jugendlichen an andere Betriebe des ersten Arbeitsmarktes zu vermitteln. Dazu unterhält die Lehrgastronomie ein großes Netzwerk an Kooperationsbetrieben.

Professor Wolfgang Gaebel, Vorstandsmitglied der DGPPN und Vorsitzender des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit, fasst die Entscheidung der Jury zusammen: Die drei Preisträger tragen mit ihrem Engagement maßgeblich dazu bei, dass Vorurteile und Berührungsängste gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen in der Bevölkerung abgebaut werden. In diesem Jahr auf sehr unterschiedliche Weise: Radio Sonnengrau geht innovative Wege und setzt auf vernetzte und fundierte Kommunikation. Eine regelmäßige Radiosendung, die psychische Erkrankungen in den Mittelpunkt stellt, das gab es bisher noch nicht. Der Verein Beclean e.V. engagiert sich auf besonders nachhaltige Art für die Verbesserung der schwierigen Situation in Rumänien, indem er lokale Politiker, Kliniken und Hochschulen miteinbezieht. Und die Gastronomie Denkma(h)l! bietet jungen Menschen mit psychischen Erkrankungen eine Perspektive im ersten Arbeitsmarkt. Ein wichtiger Faktor, wenn es um die Wiederherstellung der seelischen Gesundheit geht.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) ist die größte und älteste wissenschaftliche Vereinigung von Ärzten und Wissenschaftlern, die in Deutschland auf den Gebieten Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde arbeiten. Grundlage der Arbeit ist die Vision einer Gesellschaft, in der Menschen mit psychischen Erkrankungen unbehelligt von Vorurteilen leben können und in der sie die ihnen entsprechende Zuwendung und die notwendigen Hilfen erhalten. Für alle Menschen soll jederzeit und an jedem Ort die optimale, wissenschaftlich fundierte und individualisierte medizinische, psychologische und soziale Hilfe verfügbar sein.

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist eine bundesweite Initiative, gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit. Zu den über 80 Mitgliedsorganisationen zählen die Selbsthilfeverbände der Betroffenen und Angehörigen von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie Verbände aus den Bereichen Psychiatrie, Gesundheitsförderung und Politik. Initiiert wurde das Bündnis 2006 von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) gemeinsam mit Open the doors als Partner des internationalen Antistigma-Programms. Weitere Informationen:http://www.dgppn.de Anhang

Die Gewinner des DGPPN-Antistigma-Preises 2014
uniprotokolle > Nachrichten > Die Gewinner des DGPPN-Antistigma-Preises 2014
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/289006/">Die Gewinner des DGPPN-Antistigma-Preises 2014 </a>