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Selbstbedienung von allen Seiten bedroht europäische Spitzenforschung

28.11.2014 - (idw) Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

Scharf hat HRK-Präsident Prof. Dr. Horst Hippler heute in Berlin vor den Konsequenzen für die Hochschulen gewarnt, die der Fond für Investitionen in Infrastruktur des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker mit sich bringt:

Investitionen dürfen nicht auf Kosten der exzellenten Spitzenforschung finanziert werden. Gerade erst erfolgte ein Angriff von Europas nationalen Sparpolitikern auf das EU-Forschungsrahmenprogramm mit Kürzungsforderungen von einer Milliarde Euro. Nun haben auch noch Europas Investitionspolitiker die Mittel zur erkenntnisgeleiteten Forschung als Selbstbedienungsladen entdeckt. Sie wollen ebenfalls knapp eine Milliarde Euro, also weitere zehn Prozent, aus dem Forschungsbudget 2015 abziehen. Beide Entwicklungen zusammen genommen bedeuten, dass im nächsten Jahr ein Fünftel weniger EU-Mittel für exzellente Spitzenforschung zur Verfügung stehen könnte als angekündigt.

Eigentlich hätte die Verkündung des europäischen Kommissionspräsidenten Juncker über ein 315 Milliarden Euro großes Investitionspakete für strategische Investitionen in Infrastrukturen ein Grund zur Freude sein können, denn Europa braucht diese Investitionen dringend, auch in den Hochschulen. Doch mit 2,7 Milliarden Euro in den nächsten drei Jahren sollen ausgerechnet die Mittel des EU-Forschungsrahmenprogramms zur Finanzierung herangezogen werden. Stolze 25 Prozent der für den Fond aufgebrachten EU-Mittel zur Ausfallversicherung der privaten Einlagegelder sollen aus Mitteln kommen, die dann der Grundlagenforschung entzogen sind. Andere Teile des EU-Haushalts, wie das Landwirtschaftsbudget oder Strukturfondsgelder bleiben hingegen wieder einmal unangetastet.

Wir dürfen in Europa in der jetzigen Situation nicht nur ein Strohfeuer der Verwertung von vorhandenem Wissen entfachen. Europa braucht auch in Zukunft den Rohstoff neue Erkenntnisse für erfolgreiche und innovative Unternehmen. Wenn nun Sparpolitiker und Investitionspolitiker sich in seltener Eintracht an den Forschungsmitteln bedienen, so gefährden sie die Substanz und Leistungsfähigkeit der erkenntnisgeleiteten Forschung.

Ich kann vor den Konsequenzen dieser Entwicklung nur warnen. Die Schmerzgrenze der europäischen Spitzenwissenschaft ist erreicht, wenn nicht sogar überschritten. Die Kommission sollte nicht für ihr Investitionspaket in Kauf nehmen, dass ein fatales Signal gesendet wird: Die besten Forscher Europas sind in anderen Weltregionen besser aufgehoben als hier. So gefährdet sie für kurzfristige Erfolge unsere nachhaltige Innovationsstärke. Angewandte Forschung und Technologietransfer werden langfristig nur Erfolg haben, wenn auch in Zukunft grundlegend neue Erkenntnisse generiert werden.

Schon jetzt sind die Erfolgsquoten etwa für Forschungsaufenthalte im Ausland für Nachwuchswissenschaftler im Rahmen eines Marie-Curie-Stipendiums der EU auf fünfzehn Prozent gefallen. Dabei werden bei Aufenthalten etwa in China, Südamerika oder den USA wichtige Beziehungen und Netzwerke geknüpft, die der deutschen und europäischen Wirtschaft ungemein nutzen. Auch dem Europäischen Forschungsrat, dem europäischen Fördergremium für die Spitzenforscher, drohen schmerzhafte Einbußen. Weitere Informationen:http://www.hrk.de
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