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UFZ zur COP20 / Wissenschaftler schlagen eine klimaangepasste Reform der Wasserpreise in Lima vor

03.12.2014 - (idw) Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Lima/ Leipzig. Die Gastgeberstadt der Weltklimakonferenz COP-20 leidet unter akuter Wasserknappheit. Die Behörden der peruanischen Hauptstadt Lima suchen deshalb nach Lösungen, wie der Wasserverbrauch reduziert und neue Wasserquellen erschlossen werden können, um sich an den Klimawandel anzupassen. Eine Erhöhung der Preise wäre daher naheliegend. Umweltökonomen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) haben zusammen mit Partnern des LiWa-Projektes untersucht, wie eine solche Wasserpreisreform sozial gerecht gestaltet werden könnte. Vom 1. bis 12. Dezember 2014 tagen in Lima die Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen zur COP-20. Welche Erwartungen gibt es an diese UN-Klimakonferenz und wie stehen die Chancen auf ein großes Abkommen? Lesen Sie dazu das Interview mit UFZ-Klimaökonom Prof. Reimund Schwarze unter http://www.ufz.de/index.php?de=33406 oder folgen Sie ihm über Twitter: https://twitter.com/UFZ_de

Lima ist eines der großen urbanen Wachstumszentren weltweit mit besonders schwierigen Rahmenbedingungen: Nach offiziellen Angaben leben mindestens acht Millionen Menschen im Großraum. Der starke Zuzug ärmerer Bevölkerungsschichten verstärkt den Druck auf jene Stadtteile, die nur unzureichend über Elektrizität und Wasserver- und -entsorgung verfügen. Dazu kommen das extrem trockene Klima mit Niederschlägen von lediglich neun Millimetern pro Jahr und Prognosen, die mit einem weiteren Rückgang des Schmelzwassers aus den Gletschern der Anden rechnen. Das deutsche Forschungsprojekt LiWa ("Nachhaltiges Management von Wasser und Abwasser in urbanen Wachstumszentren unter Bewältigung des Klimawandels Konzepte für Lima Metropolitana) hat daher in den vergangenen Jahren den Einfluss des Klimawandels auf den Wasserkreislauf sowie die Förderung von Energieeffizienz in den Wasser- und Abwassersystemen in Lima untersucht, um nachhaltige Lösungen zu finden.

Die Forschung am UFZ konzentrierte sich dabei auf Optionen für eine Wasserpreisreform. Eine solche Reform soll einen Beitrag dazu leisten, die Wasserqualitäts- und Wasserquantitätsprobleme in Lima zu reduzieren. Untersucht wurde insbesondere, inwieweit unterschiedliche Ansätze die Kosten decken und gleichzeitig verteilungspolitische Ziele erreichen können. Zudem wird der Frage nachgegangen, welche Änderungen des institutionellen Rahmens gegebenenfalls notwendig sind, um eine Wasserpreisreform tatsächlich umzusetzen. Die Ergebnisse der Studie wurden nun im Fachblatt Water Resources and Economics veröffentlicht.

Unsere Analyse hat gezeigt, dass unter anderem der Wohlstand und die Größe der Haushalte einbezogen werden sollten, um eine Wasserpreisreform sozialverträglich zu gestalten, erklärt Dr. Paul Lehmann vom UFZ. Momentan gilt für Wasserverbraucher in Lima ein Stufentarif: Haushalte mit hohem Wasserkonsum zahlen mehr pro Kubikmeter als Geringverbraucher. Haushalte, die weniger als 25 Kubikmeter pro Monat verbrauchen, bekommen einen subventionierten Preis, der von Haushalten gestützt wird, die mehr verbrauchen. Da aber die Mehrheit der Wasserverbraucher auf diese Weise subventioniert wird und es an Einnahmen zur Modernisierung der Infrastruktur mangelt, diskutiert die Regulierungsbehörde in Peru Ansätze zur Reform der Wasserpreise. Zudem belastet dieser Tarif paradoxerweise oft arme Wasserverbraucher stärker, da diese tendenziell in größeren Haushalten leben und Gemeinschaftsanschlüsse nutzen. Grundsätzlich empfehlen die UFZ-Forscher daher einen Übergang zu einem einkommensabhängigen Tarif. Mithilfe eines solchen Tarifs könnten die notwendigen Wasserpreiserhöhungen sozialverträglicher gestaltet werden. Letztlich hängt der Nutzen einer solchen Reform jedoch stark davon ab, wie gut das Einkommen der Wasserverbraucher ermittelt werden kann. Gerade in Entwicklungsländern wie Peru stellt das die Behörden oft vor Herausforderungen, betont Lehmann. Die Ideen der deutschen Forscher entstanden in Zusammenarbeit mit der peruanischen Regulierungsbehörde für den Wassersektor. Ob sie umgesetzt werden können, wird sich in den nächsten Jahren erweisen.

Anpassungsmaßnahmen wie die in Lima geplante Reform der Wasserversorgung gehören zu den Low-Regret-Ansätzen, die der IPCC-Sonderbericht SREX empfiehlt. Damit sind Maßnahmen gemeint, die die Verletzlichkeit gegenüber Extremereignissen verringern und bereits unter den derzeitigen Klimabedingungen nutzen. Dazu zählen z.B. Frühwarnsysteme, klimafreundliche Infrastrukturen oder eine nachhaltige Land- und Wassernutzung. Tilo Arnhold

Publikationen:
Barde, J.A., Lehmann, P. (2014): Distributional Effects of Water Tariff Reforms An Empirical Study for Lima, Peru. Water Resources and Economics. Volume 6, July 2014, Pages 3057
http://dx.doi.org/10.1016/j.wre.2014.05.003

Lehmann, P., Brenck, M., Gebhardt, O., Schaller, S., Süßbauer, E. (2013). Barriers and Opportunities for Urban Adaptation Planning: Analytical Framework and Evidence from Cities in Latin America and Germany. Mitigation and Adaptation Strategies for Global Change, http://dx.doi.org/10.1007/s11027-013-9480-0 & UFZ Discussion Paper 19/2012, http://www.ufz.de/export/data/global/45989_19%202012%20Lehmann%20et%20al_%20Urba...

Weitere Informationen:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Dr. Paul Lehmann
http://www.ufz.de/index.php?de=4599
über
Susanne Hufe, Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: +49-(0)341-235-1630, -1635
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Links:
"Nachhaltiges Management von Wasser und Abwasser in urbanen Wachstumszentren unter Bewältigung des Klimawandels - Konzepte für Lima Metropolitana (Peru) - (LiWa)"
http://www.ufz.de/index.php?de=17142
http://www.lima-water.de/de/index.html

Wasser in Städten integriert managen (UFZ-Newsletter, April 2011)
https://www.ufz.de/export/data/1/47483_Wasser-in-Staedten_UFZ_Newsletter_apr11_W...

Klimawandel, Wasser und Extremereignisse (Hintergrundinfos des UFZ zum 5. Sachstandsbericht des IPCC, April 2014):
http://www.ufz.de/index.php?de=32518

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1.100 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert. http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 34.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894). http://www.helmholtz.de/ Weitere Informationen:http://www.ufz.de/index.php?de=33410

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