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Studienalltag in der Migrationsgesellschaft

03.12.2014 - (idw) Technische Hochschule Mittelhessen

Welche Erfahrungen machen Studierende, die für ein ganzes Studium aus dem Ausland kommen, und Studierende mit Migrationshintergrund an der TH Mittelhessen? So lautet eine der zentralen Fragen, mit denen sich das Projekt Hochschule in der Migrationsgesellschaft Interkulturelle Öffnung der THM befasst. Im Rahmen einer empirischen Erhebung haben Projektleiterin Michaela Zalucki, Rebecca Bahr, Irene Bleicher-Rejditsch und Andrea Härtel jetzt zu ermitteln versucht, ob es spezifische Schwierigkeiten im Studienleben gibt. Dabei interessierte vor allem, inwieweit Erfahrungen mit Diskriminierung und Rassismus im Alltag eine Rolle spielen. Die quantitative Teilstudie war als Onlinebefragung angelegt, die sich an alle Studentinnen und Studenten der Hochschule richtete. Daran nahmen 1362 Personen teil, etwa zehn Prozent aller Immatrikulierten der THM.
Die qualitative Teilstudie bestand aus zehn ausführlichen Interviews, in denen Studierende, die einer in Deutschland lebenden Familie mit Migrationsgeschichte angehören oder aus dem Ausland stammen, über ihre Erfahrungen berichteten.

Ein überwiegend positives Resultat erbrachte die quantitative Studie mit Blick auf die generelle Bewertung des Studienlebens an der THM. Der Aussage, Alles in allem: Ich studiere gerne an der THM, stimmten 82,4 Prozent der Befragten zu.
Rund 24 Prozent der 1362 Teilnehmer gaben an, eine Diskriminierung an der Hochschule oder in deren Umfeld selbst erlebt oder beobachtet zu haben. Dabei sahen 56,6 Prozent dieser Teilgruppe einen Bezug zur natio-ethno-kulturellen Herkunft, Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit. Situativ ordneten sie diese Vorfälle mehrheitlich Lehrveranstaltungen zu. Vor allem Mitstudierende (63,5 Prozent) und Lehrende (45,3 Prozent) wurden als diskriminierende Personen genannt.

Die Interviews im Rahmen der qualitativen Studie zeigten auf, dass internationale Studierende auf verschiedenen Ebenen Benachteiligungen erleben und Diskriminierungen ausgesetzt sind. Die Befragten berichteten unter anderem von Ausgrenzungen und rassistisch motivierten Bloßstellungen. Die Unterstellung mangelnder Leistungsfähigkeit erschwere die Aufnahme in studentische Lern- und Arbeitsgruppen. Deutlich wurde auch, dass Studierende, die aus einem Staat stammen, der nicht zur EU gehört, unter einem zusätzlichen Druck stehen. Denn aufgrund der geltenden Rechtslage müssen sie mindestens alle zwei Jahre ihre Aufenthaltserlaubnis verlängern und dafür bei der Ausländerbehörde verschiedene Nachweise vorlegen. Dadurch können auch akademische Leistungsnachweise direkte Auswirkungen auf die Lebenssituation haben; eine Praxis, die das Projektteam als strukturelle Form der Diskriminierung bewertet und von vielen Studierenden als permanente Belastung erlebt wird. .

Insgesamt belegt die Studie, dass bei Studierenden mit Migrationshintergrund und internationalen Studierenden nicht vermehrt Probleme im fachlichen Bereich auftreten. Allerdings berichten ausländische Studierende öfter von Schwierigkeiten auf der Ebene der Fachsprache. Generell - so bilanziert das Projektteam komme es darauf an, in Zukunft eher ein Augenmerk auf die sozio-ökonomische Herkunft des Studierenden zu legen, als über die alleinige Messung des Migrationshintergrundes zu verzerrenden Aussagen über Bildungserfolge oder -misserfolge zu gelangen.


Auf der Grundlage der gewonnenen Resultate unterbreiten die Autorinnen ausführliche Handlungsempfehlungen. Dazu gehört die Einrichtung einer Antidiskriminierungsstelle an der TH Mittelhessen. Darüber hinaus sollten Fortbildungsangebote mit diskriminierungs- und rassismuskritischer Ausrichtung für Angehörige aller Hochschulgruppen etabliert werden. Die Untersuchung enthält auch einen Appell an die politisch Verantwortlichen: Die Verbesserung der aufenthaltsrechtlichen Bedingungen für internationale Studierende halten wir für unabdingbar. Weitere Informationen:http://www.thm.de/promi
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