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Das Maß an geteilten Werten entscheidet über die Zukunft der Europäischen Union

03.12.2014 - (idw) Philipps-Universität Marburg

Veranstaltung des Finanzministeriums und der Universität Marburg über Werte in der EU Ich glaube, die Krise, die wir derzeit in Europa erleben, ist zuallererst eine Krise des Vertrauens. Nicht die Idee Europa wird in Frage gestellt, sondern vielmehr die praktische Umsetzung dieser Idee, sagte Dr. Thomas Schäfer heute bei einer Veranstaltung an der Philipps-Universität in Marburg. Das Hessische Finanzministerium und die Universität luden gemeinsam in die Alte Aula der Hochschule ein, um über die Zukunft der Europäischen Union und die Werte, die den europäischen Einigungsprozess begleiten, zu diskutieren.

Europäische Politik muss transparent, glaubwürdig und berechenbar sein, um von den Menschen akzeptiert zu werden. Darüber hinaus müssen wir uns intensiv mit der Frage auseinandersetzen, welchen Grundkonsens an Werten die verschiedenen Nationalitäten in Europa zukünftig miteinander teilen. Das sage ich gerade vor dem Hintergrund eines stetigen Wertewandels. Nur ein belastbares Mindestmaß an gemeinsamen Werten schafft Akzeptanz und Identifikation mit der EU. Und das wiederum ist Voraussetzung für eine gelebte Solidarität unter den Völkern, so Dr. Thomas Schäfer.

Mehr öffentlicher Dialog, aber auch mehr Wertschätzung gegenüber dem bisher Erreichten sei nötig, darüber waren sich alle Gesprächspartner einig. Die Europäische Union wurde auf den Trümmern des Zweiten Weltkrieges gegründet und steht für ein einzigartiges Friedensprojekt, das diesem Kontinent und vor allen Dingen Deutschland nicht nur Wohlstand, sondern auch Freiheit und die Achtung demokratischer Grundsätze gebracht hat. Die Universitäten in Europa haben als Brückenbauer hierzu wesentliche Beiträge geleistet, so Professorin Dr. Katharina Krause, Präsidentin der Philipps-Universität Marburg.

Neben Dr. Thomas Schäfer und Professorin Dr. Katharina Krause, diskutierten Bischof Professor Dr. Martin Hein (Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck) sowie Dr. Manfred Scheuer (Abteilungsleiter bei der Deutschen Bundesbank). Die wirtschaftlichen Vorteile der EU liegen klar auf der Hand. Mit dem Euro als gemeinsamer Währung wurde die Integration am weitesten vorangetrieben. Ihr dauerhafter Erfolg setzt aber auch eine gemeinsame und gelebte Stabilitätskultur voraus, so das Fazit des Vortrags von Dr. Manfred Scheuer. Die Europäische Union stehe auch für die Liberalisierung des Personen- und Kapitalverkehrs sowie für den Abbau von Hemmnissen im grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehr. Hierdurch ergäben sich im Alltag klare Vorteile für Unternehmen und Bürger, kommentierte Dr. Manfred Scheuer.

Bischof Professor Dr. Martin Hein betonte besonders den sozialen Aspekt: Politik hat die Aufgabe für einen sozialen Ausgleich zu sorgen. Das gilt auch für Brüssel. Die Angst vor einem entfesselten Kapitalismus und die noch nicht beantworteten Fragen der aktuellen Flüchtlingsproblematik sind zwei Beispiele, die anschaulich zeigen, dass die Konfliktlagen in Europa sich nur durch eine wertorientierte Politik lösen lassen, die den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt der politischen Entscheidungen stellt.

Das Projekt Europa und seine Umsetzung sei heute deutlich in allen gesellschaftlichen Bereichen zu spüren, so auch im Wissenschaftsbereich, betonte die Präsidentin der Universität Marburg: In einem Spannungsfeld zwischen der Idee von Europa und der praktischen politischen und ökonomischen Umsetzung bewegt sich auch die Philipps-Universität, deren Lehrende und Studierende aus aller Welt kommen, nicht nur aus dem Europäischen Hochschulraum. Die Diskussion über Europa und ihre Werte ist an diesem Ort besonders gut aufgehoben: Bei den jungen Menschen. Sie müssen entscheiden, in welchem Europa sie zukünftig leben möchten. Die Notwendigkeit eines intensiven öffentlichen Diskurses griff auch Hessens Finanzminister auf: Wenn wir darüber sprechen, was genau Europa ausmacht oder zukünftig ausmachen soll, dann geht es immer auch um die Werte, die ein jeder von uns in diese große Gemeinschaft miteinbringt. Deshalb freue ich mich sehr, dass es uns gelungen ist, diese Veranstaltung auf die Beine zu stellen; denn wir brauchen dringend mehr öffentlichen Dialog darüber, wie wir Europa in Zukunft bauen wollen, so Dr. Thomas Schäfer abschließend.

(Moritz Josten, Hessisches Ministerium der Finanzen)

Weitere Informationen:
Hessisches Ministerium der Finanzen
Pressesprecher: Ralph-Nicolas Pietzonka
E-Mail: presse@hmdf.hessen.de
Telefon: (0611) 32- 2457
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