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Meilensteine der chirurgischen Ausbildung

05.12.2014 - (idw) Universitätsklinikum Frankfurt

Die 33-jährige Dr. Miriam Rüsseler hat bereits während ihres Studiums den Lehrplan der Chirurgie revolutioniert und ist heute Unterrichtsbeauftragte des Zentrums für Chirurgie sowie Leiterin eines mit knapp zwei Millionen Euro vom Bundesbildungsministerium geförderten Verbundprojekts. Für diese herausragenden Leistungen in der Lehrverbesserung wurde sie gestern mit dem Theodor-Stern-Stiftungspreis geehrt. Das Medizinstudium ist häufig noch nicht so praxisorientiert, wie es wünschenswert wäre. Daher entwickelte Dr. Rüsseler noch als Studentin im Praktischen Jahr ein Trainingsprogramm, das allen Studierenden die in der Chirurgie erforderlichen Fertigkeiten wie Blutentnahme oder Nahttechniken vor Beginn ihres ersten Patientenkontaktes vermittelt. Der Kurs gehört heute in Frankfurt zur Standardausbildung. Nach zahlreichen weiteren Verdiensten für die Lehrverbesserung am Klinikum sowie in nationalen und internationalen Kooperationsprojekten ist Dr. Rüsseler heute Unterrichtsbeauftragte des Frankfurter Zentrums für Chirurgie. Außerdem leitet sie ein mit 1,8 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Verbundprojekt zur Weiterentwicklung der chirurgischen Ausbildung in Deutschland. In Anerkennung dieser herausragenden Leistungen für die Verbesserung der Medizinerausbildung wurde Dr. Rüsseler am 4. Dezember der Theodor-Stern-Stiftungspreis im Rahmen des 13. Stiftungstreffens verliehen. Die Auszeichnung ist mit 5.000 Euro dotiert und wird einmal im Jahr für außergewöhnliche Leistungen auf den Gebieten der medizinischen Forschung, Lehre oder Krankenversorgung vergeben.

Trainingsprogramm für die Chirurgenausbildung etabliert

Dr. Rüsseler zeigte bereits im Rahmen ihres Studiums großes Engagement in der Lehre. Sie unterrichtete zunächst in den Physikumstutoriaten und anschließend im Praktikum Pädiatrie. Seit 2004 hat sie unter der Leitung von Prof. Felix Walcher den Querschnittsbereich Notfallmedizin für die Medizinerausbildung am Universitätsklinikum mit aufgebaut als Koordinatorin und Dozentin der Kurse. Im Rahmen ihrer Promotion entwickelte sie ein Prüfungsformat, mit dem die Leistungen der Prüflinge in realitätsnahen Notfallsituationen bewertet werden können. Dieser Test ist mittlerweile in verschiedensten Formen in internationale Lehrpläne und Kurse der Aus- und Weiterbildung integriert worden.

Noch als Studentin im Praktischen Jahr entwickelte sie das Training Praktischer Fertigkeiten in der Chirurgie (TPF). Ziel dieses Programms ist es, für die Studierenden einen geeigneten Übungskontext zu schaffen, in dem die in der Chirurgie notwendigen Fertigkeiten ohne Zeit- und Leistungsdruck vermittelt und trainiert werden können. Dazu gehören Aufgaben wie Blutentnahme, Wunden nähen oder steriles Abdecken eines Notfallpatienten. Dieses Training findet im Übungszentrum an verschiedenen Modellen, Simulatoren und im Rollenspiel statt. Im Gegensatz zur direkten Ausbildung am Patienten haben die Studierenden dabei die Möglichkeit, Fertigkeiten zu erproben und Fehler zu machen, die beim Patienten weitreichende Folgen hätten. Mit finanzieller Unterstützung durch den Fachbereich Medizin und das Zentrum für Chirurgie konnte dieses Training unter der Leitung von Dr. Rüsseler als sogenannte TPF-Woche etabliert werden. Sie ist seit 2008 fester Bestandteil des Blockpraktikums Chirurgie, das alle Studierenden durchlaufen. Seit seiner Einführung zählt dieser Ausbildungsteil konstant zu den von Studenten am besten bewerteten Kursen im Frankfurter Medizinstudium. Das Ausbildungskonzept hat vor Ort und deutschlandweit viele Nachahmer gefunden. Für dieses Engagement wurde Dr. Rüsseler bereits mit dem dritten Preis des Fachbereichs Medizin für exzellente Lehre 2008 ausgezeichnet.

Verantwortung in internationalen Verbänden und Gremien

Bereits im Studium wurde Dr. Rüsseler auch in nationalen und internationalen Fachgesellschaften aktiv. So hat sie tatkräftig an der Entwicklung des nationalen Lernzielkataloges der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) sowie des nationalen Lernzielkataloges Chirurgie der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) mitgewirkt. Außerdem war sie an der Schaffung und Durchführung verschiedener nationaler und internationaler Kurse wie etwa eines internationalen Ultraschallkurses für Chirurgen beteiligt. Seit 2011 ist sie im Vorsitz der Educational Section der European Society for Trauma and Emergency Surgery (ESTES) und wurde 2014 zur initiierenden Leitung des neu etablierten Educational Committee der Fachgesellschaft benannt. Sie vertritt die ESTES darüber hinaus seit 2012 bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf im Rahmen der Global Alliance for the Care of Injured.

Zentrale Leitungsfunktionen auf lokaler und nationaler Ebene

2014 wurde Dr. Rüsseler zur Unterrichtsbeauftragten des Zentrums Chirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt ernannt. Mit ihrer Arbeitsgruppe erarbeitet und analysiert sie unter anderem unterschiedliche Lehr- und Prüfungsmethoden mit dem Ziel, die Ausbildung im Fach Chirurgie vor allem in der praktischen klinischen Kompetenz weiter zu verbessern.
Auch in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung von 2012 bis 2016 mit insgesamt 1,8 Millionen Euro geförderten Verbundprojekt Praktische klinische Kompetenz übt sie eine entscheidende Funktion aus. Sie war zunächst Verbundkoordinatorin, bis ihr in diesem Jahr die Gesamtleitung übertragen wurde. Das Projekt hat zum Ziel, die chirurgische Ausbildung in ganz Deutschland zu optimieren.

Beruflicher Werdegang

Miriam Rüsseler wurde 1981 in Hagen/Westfalen geboren. Nach dem Abitur in ihrer Heimatstadt nahm sie 2001 in Frankfurt das Studium der Humanmedizin auf. Seit 2007 war sie Assistenzärztin in der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt. Dr. Rüsseler promovierte 2008 zum Thema Entwicklung, Implementierung und Auswertung von komplexen Notfallszenarien im Rahmen einer Objective Structured Clinical Examination (OSCE) im Querschnittsbereich Notfallmedizin. Von 2010 bis 2012 absolvierte sie ein Zusatzstudium zum Master of Medical Education an der Universität Heidelberg. Seit November 2013 ist sie Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt.

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