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Erstes Schnitzler-Handbuch veröffentlicht

08.12.2014 - (idw) Bergische Universität Wuppertal

Wie in einem Brennspiegel reflektieren die Werke des Wiener Autors Arthur Schnitzler (1862-1931) einen tiefgreifenden Wandel auf nahezu allen Gebieten der bürgerlichen Kultur, in dessen Folge die alte Welt des 19. Jahrhunderts abgelöst wird von einer neuen Welt mit anderem, offenerem Horizont. Von knappen Einführungen abgesehen, fehlte bislang eine wirklich umfassende Darstellung von Schnitzlers Werk und seiner Wirkung. Das von den Literaturwissenschaftlern Dr. Christoph Jürgensen, Prof. Dr. Wolfgang Lukas und Prof. Dr. Michael Scheffel der Bergischen Universität Wuppertal jetzt herausgegebene Handbuch unternimmt erstmals den Versuch, das ebenso umfangreiche wie vielseitige Gesamtwerk Schnitzlers zu erschließen.

In der aktuellen Publikation resümieren rund 60 Autorinnen und Autoren aus dem In- und Ausland in rund 120 Artikeln die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse und bieten neue Einsichten in viel interpretierte, aber auch in kaum beachtete Texte sowie in die bedeutendsten der aus dem Nachlass publizierten Werke. Darüber hinaus geben sie Anregungen zur weiteren literaturwissenschaftlichen wie auch kultur- und medienwissenschaftlichen Beschäftigung mit Leben und Werk Schnitzlers. Eine biographische Chronik, eine Skizze der verzweigten Editionsgeschichte, ein Überblick über Schnitzlers Nachlass sowie eine Auswahlbibliographie runden das Handbuch ab.

Schnitzlers Texte behandeln die Subjekt-, Sprach- und Erkenntniskrise in der Epoche der Klassischen Moderne ebenso wie die Fragen der Geschlechterrollen und -konstruktionen; sie enthüllen, welche Tabus sich u.a. mit einer überkommenen Sexualmoral verbinden, erkunden die Keime des sich bald dramatisch verschärfenden Antisemitismus und erörtern vor allem in Briefen und Tagebüchern die Voraussetzungen und Konsequenzen des Ersten Weltkriegs, den Schnitzler als einer der wenigen Autoren seiner Generation von Beginn an als Katastrophe begriff.

Arthur Schnitzler und seine Werke stehen im Mittelpunkt eines der größten geisteswissenschaftlichen Forschungsprojekte an der Bergischen Universität seit ihrer Gründung 1972. 2011 hatte die Wuppertaler Hochschule erstmals ein Langzeitprojekt aus dem renommierten Akademienprogramm der deutschen Wissenschaftsakademien erhalten. Im Zusammenhang mit dem auf 18 Jahre angelegten Projekt Arthur Schnitzler: Digitale historisch- kritische Edition (Werke 1905 bis 1931) hat die Bergische Universität Wuppertal 2012 eine Forschungsstelle eingerichtet.

Jürgensen, Christoph/Lukas, Wolfgang/Scheffel, Michael (Hrsg.): Schnitzler-Handbuch. Leben Werk Wirkung. J.B. Metzler 2014; ca. 400 Seiten; 69,95 . Weitere Informationen:http://www.arthur-schnitzler.dehttp://www.metzlerverlag.de
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