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Passform-Probleme analysieren und beheben

10.12.2014 - (idw) Hohenstein Institute

Digitaler Katalog unterstützt Hersteller bei der Qualitätssicherung Eine gute Passform ist nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis das
wichtigste Kriterium beim Kauf von Kleidung - dies gaben 63,6% der Befragten bei
der Marktstudie Outfit 6* an. Vor diesem Hintergrund entwickeln Experten der
Hohenstein Institute in Bönnigheim derzeit ein digitales, 3D-basiertes Verfahren zur
Analyse der Passform von Damen-Oberbekleidung (DOB) im Rahmen eines AiF
Forschungsprojektes (AiF-Nr. 17763N). Dieses bietet Bekleidungsherstellern einen
Überblick über typische Passform-Probleme bei Damen-Oberbekleidung und zeigt
auf, wie sich diese durch Anpassung des Schnittes oder Verwendung alternativer
Materialien beheben lassen.

Denn gerade die vom Kunden so hoch bewertete Passform ist es, die Importeuren
und Herstellern zunehmend Probleme bereitet. Mit dem digitalen Passform-Katalog
geben die Hohenstein Experten den Unternehmen nun ein Hilfsmittel an die Hand,
mit dem diese typische Passform-Probleme analysieren können. In Verbindung
mit den ebenfalls im digitalen Katalog enthaltenen Vorschlägen zur Anpassung der
Schnittführung und/oder Veränderung der Materialien lassen sich so viele Fehler
bereits in einer frühen Phase der Produktentwicklung beheben und erhebliche Kosten
einsparen.

Für Projektleiterin Simone Morlock sind die standardisierten Passform-Analysen
aber nur ein Baustein auf dem Weg zur optimalen Passform: Im digitalen Katalog
befinden sich die am häufigsten auftretenden Probleme bei der Passform und
die zugehörigen Lösungsvorschläge. Damit lassen sich Mindestanforderungen
hinsichtlich der Passformqualität sicherstellen. Um aber eine wirklich gute Passform
zu erreichen, sind die professionelle Anpassung der Schnitte und der Gradierung
sowie individuelle Passform-Prüfungen mit Hilfe von Testpersonen in verschiedenen
Konfektionsgrößen unverzichtbar. All dies setzt aber Fachwissen und große Erfahrung
voraus, denn die Passform-Analyse ist ein äußerst komplexer Prozess, bei dem
Modell, Material, Verwendungszweck und die Zielgruppe berücksichtigt werden
müssen. Dieses Schnitt-Know-how fragen Unternehmen aus der ganzen Welt
verstärkt bei den Hohenstein Instituten ab, um eigene Probleme bei der Passform-
Sicherung zu kompensieren. Deren Ursachen sind für Simone Morlock vielfältig:
In vielen Unternehmen der Bekleidungsbranche hierzulande, die oftmals klein und
mittelständisch strukturiert sind, beobachten wir einen Generationenwechsel. Es
fällt den Herstellern schwer ihre erfahrenen Schnitt-Directricen und spezialisierten
Bekleidungstechniker aus der Qualitätssicherung zu ersetzen. Gründe dafür sind
die zunehmende Auslagerung von Unternehmensbereichen in den letzten Jahren
und dass die Ausbildung von qualifizierten Schnitt- und Passformnachwuchskräften
in den Hintergrund getreten ist. Auch die Ausbildungsinhalte an den Fachschulen
haben sich mittlerweile verändert: Weniger Schnitt, sondern mehr Management
und Betriebswirtschaft. Hinzu kommt, dass es kaum einschlägige Literatur und
Verfahren gibt, welche die modernen 3D-Technologien berücksichtigen. Im Hinblick
auf außereuropäische Produktionsstandorte sieht Simone Morlock aber noch weitaus
größere Probleme: Vielfach ist der Ausbildungsstand der Mitarbeiter relativ schlecht
und damit sind Passform-Problemen quasi vorprogrammiert.

Mit den aktuellen Forschungsarbeiten zur standardisierten Passform-Analyse und
qualitätsgesicherten Produktentwicklung in der Bekleidungsindustrie (AiF-Nr. 17154
N) schaffen die Experten der Hohenstein Institute für Hersteller, Handelsunternehmen
wichtige Grundlagen zur Unterstützung der eigenen betriebsinternen Passformund
Qualitätssicherung. Als Reaktion auf die steigende Nachfrage nach
Schnittkompetenz in der Branche bieten die Hohenstein Experten zudem verschiedene
Dienstleistungen im Bereich Passform und Schnitt an. Informationen dazu gibt es unter
www.hohenstein.de/passform.

*Statista GmbH, "Sehr wichtige Kriterien beim Kauf von Kleidung. Erhebung durch
Marplan, Ipsos GmbH, Sinus Sociovision GmbH, ISBA Informatik Service-GmbH.
Name der Erhebung: Outfit 6. Erhebungszeitraum Oktober 2006 bis Januar 2007",
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/178040/umfrage/sehr-wichtige-krite...-
kauf-von-kleidung/, Zugegriffen am 16.11.2011.
Das Forschungsprojekt Passform-Diagnose im Überblick
Von den Forschern wurde zunächst ein Beurteilungsschema entwickelt, mit dem
Einflussgrößen auf die Passform-Qualität objektiv dargestellt werden können.
Dabei wurden sowohl Aspekte abgedeckt, die sich von den Körpermaßen bzw.
Körperformen des Trägers wie auch der Eigenschaften der verarbeiteten Materialien
ableiten.

Danach wurde ein neues innovatives Verfahren zur 3D-Scanning-Passform-
Analyse entwickelt. Dazu wurde eine Projektstudie zur 3D-Passform-Peurteilung
durchgeführt. Probandinnen wurden mit und ohne Oberbekleidung in unterschiedlichen
Konfektionsgrößen und Produktformen wie Hosen, Röcken und Blusen gescannt.
Anhand des visuellen Eindruckes auf den 3D-Scans beurteilten die Experten der
Hohenstein Institute die Passform der Kleidungsstücke und identifizierten so typische
Passform-Fehler in der DOB. Parallel dazu wurde die Passform der Kleidungsstücke
durch erfahrene Bekleidungstechnikerinnen an den Probandinnen und parallel
dazu an Büsten beurteilt. Zusätzlich wurde die persönliche Einschätzung der
Testpersonen bezüglich Passform und Tragekomforts mittels eines standardisierten
Fragebogens erfasst. Durch den Vergleich der physischen und virtuellen Passform-
Anproben sowie der subjektiven Eindrücken der Probandinnen entwickelte das Team
von Simone Morlock eine reproduzierbare 3D-basierten Methode zur Passform-
Diagnose. Die Vorteile der 3D-Technologie liegen vor allem in der exakten PassformSeite
Analyse. Details wie z.B. der Faltenwurf werden am Scan detailliert abgebildet und
PassformUnterschiede können besser größen- und zielgruppenbezogen analysiert
werden.

Die Passform des körpernah getragenen Etuikleids aus Wollgewebe kann mit dem
neuen Verfahren ebenso beurteilt werden, wie das Poloshirt aus Maschenware für den
Einsatz im Outdoorbereich.
Darauf aufbauend wurden von Spezialisten mit langjähriger Industrieerfahrung
schnitttechnische Lösungsmöglichkeiten entwickelt, mit denen sich Passform-
Probleme effizient beheben lassen. Diese werden im Katalog visuell dargestellt, um die
erforderlichen Modifikationen beim Schnitt der Kleidungsstücke leichter kommunizieren
zu können.

Last but not least ordnete das Forschungsteam von Simone Morlock die
schnitttechnischen Lösungsmöglichkeiten den analysierten Passformfehlern
exemplarisch abgebildet in Form von 3D-Scans - zu und bereitet so das
Diagnoseverfahren in Form eines digitalen Passform-Kataloges vor. Im
Ergebnis differenziert dieser nun zwischen verschiedenen Produkten, Modellen und
Materialgruppen, Zielgruppen und dem Verwendungszweck.
Der digitale Passform-Katalog bietet viele praktikable und wichtige Lösungsansätze

zur Passform-Analyse und zur Behebung von Passform-Fehlern, um die Unternehmen
bei der Schnitterstellung, Passform- und Qualitätssicherung mit Grundlagen Knowhow
zu unterstützen. Die eigenen Passform-Probleme können die Hersteller so mit den
Beispielen im Katalog vergleichen und die Fehler mit Hilfe der Vorschläge beheben.

Weitere Informationen und Kontakt:
Simone Morlock
s.morlock@hohenstein.de
www.hohenstein.de Weitere Informationen:http://www.hohenstein.de/de/inline/pressrelease_86272
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