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Forschung von allerhöchster Qualität: DFG vergibt Leibniz-Preise 2015

10.12.2014 - (idw) Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Acht Wissenschaftler erhalten wichtigsten deutschen Förderpreis und je 2,5 Millionen Euro Preisgeld / Verleihung am 3. März 2015 / Appell für mehr Vorschläge herausragender Wissenschaftlerinnen Die neuen Träger des wichtigsten Forschungsförderpreises in Deutschland stehen fest: Der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erkannte heute in Bonn acht Wissenschaftlern den Leibniz-Preis 2015 zu. Sie waren zuvor vom zuständigen Nominierungsausschuss aus 136 Vorschlägen ausgewählt worden. Von den acht neuen Preisträgern kommen jeweils drei aus den Naturwissenschaften und den Geistes- und Sozialwissenschaften und zwei aus den Lebenswissenschaften. Alle acht erhalten je ein Preisgeld von 2,5 Millionen Euro.

Mit dem so der offizielle Name Förderpreis im Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm der DFG für das Jahr 2015 werden ausgezeichnet:

Prof. Dr. Henry N. Chapman, Biologische Physik/Röntgenphysik, Deutsches Elektronen-Synchrotron (DESY), Hamburg, und Universität Hamburg
Prof. Dr. Hendrik Dietz, Biochemie/Biophysik, Technische Universität München
Prof. Dr. Stefan Grimme, Theoretische Chemie, Universität Bonn
Prof. Dr. Christian Hertweck, Biologische Chemie, Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie Hans-Knöll-Institut (HKI), Jena, und Universität Jena
Prof. Dr. Friedrich Lenger, Neuere und Neueste Geschichte, Universität Gießen
Prof. Dr. Hartmut Leppin, Alte Geschichte, Universität Frankfurt/Main
Prof. Dr. Steffen Martus, Neuere deutsche Literatur, Humboldt-Universität zu Berlin
Prof. Dr. Tobias Moser, Auditorische Sensorik/Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Universität Göttingen

Vor der Entscheidung über die neuen Preisträger ging DFG-Präsident Professor Dr. Peter Strohschneider im Hauptausschuss der DFG ausführlich auf die diesjährige Auswahlrunde ein, in der für die bis zu zehn möglichen Preise nur acht Kandidaten und überdies keine Wissenschaftlerinnen nominiert wurden. Der Leibniz-Preis wird seit jeher auf Vorschläge aus der Wissenschaft und nach dem alleinigen Kriterium allerhöchster Qualität vergeben, betonte Strohschneider. Auch in diesem Jahr gab es eine ganze Reihe guter Vorschläge. Stärker als in den Vorjahren hob sich jedoch eine geringe Anzahl von Vorschlägen sehr sichtbar von den übrigen ab, und nur sie erfüllten auch die höchsten Qualitätsansprüche. Dies hat nach intensiven Diskussionen dazu geführt, dass erstmals in der Geschichte des Leibniz-Preises die Zahl der möglichen Preise nicht ausgeschöpft wurde.

Dass unter den nun Ausgezeichneten keine Wissenschaftlerin sei, sei im Hinblick auf die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wissenschaft und die Diversität der Forschung unbefriedigend. Allen voran die DFG selbst hätte es begrüßt, wenn in diesem Jahr erneut unter den Ausgezeichneten auch Wissenschaftlerinnen wären, sagte Strohschneider und verwies darauf, dass noch im vergangenen Jahr vier Wissenschaftlerinnen den Leibniz-Preis erhalten hatten.

Der DFG-Präsident verband seine Ausführungen daher mit einem dringenden Appell an die vorschlagsberechtigten Einrichtungen der Wissenschaft, mehr herausragende Forscherinnen zu nominieren. Wir sind auf die Vorschläge aus der Wissenschaft angewiesen, die wir nur sehr indirekt beeinflussen können. Wir wollen jedoch alles uns Mögliche tun, damit es künftig mehr Nominierungen von herausragenden Wissenschaftlerinnen gibt. So werden wir schon ab der kommenden Preisrunde bei der Einreichung mehrerer Vorschläge durch eine Universität oder Wissenschaftsorganisation nur diejenigen annehmen, die in gleicher Anzahl Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen benennen, so Strohschneider.

Die Leibniz-Preisträger 2015 im Kurzporträt:

Prof. Dr. Henry N. Chapman (47), Biologische Physik/Röntgenphysik, Deutsches Elektronen-Synchrotron (DESY), Hamburg, und Universität Hamburg

Mit Henry N. Chapman erhält ein international hoch renommierter Forscher den Leibniz-Preis, der in der Röntgenphysik und biologischen Physik bahnbrechende Entwicklungsarbeit geleistet hat. Chapman forscht an freien Elektronenlasern (FEL), mit denen sich komplexe Moleküle mittels ultrakurzer und hoch brillanter Röntgenpulse untersuchen lassen. Dabei sind jedoch grundlegende Probleme zu überwinden, allen voran jenes, dass die verwendeten Proben durch die extrem hohe Intensität der Röntgenstrahlung innerhalb kürzester Zeit mitunter in 10 Femtosekunden, also 0,000 000 000 000 01 Sekunden zerstört werden. Henry Chapmann entwickelte eine Methode, mit der er in Zusammenarbeit mit anderen Forschern erstmals innerhalb solcher kaum vorstellbarer Zeitspannen Beugungsbilder von Bio-Molekülen aufnehmen konnte, ehe die Proben verdampften. Bei dieser sogenannten seriellen Femtosekundenkristallografie (SFX) wird ein feiner Wasserstrahl mit winzigen Molekülproteinen mit dem freien Elektronenlaser gekreuzt. Die als Abbildung vor Zerstörung (diffraction before destruction) beinahe sprichwörtlich in die Fachwelt eingegangene Methode eröffnete den hochauflösenden Abbildungsverfahren in den Lebenswissenschaften völlig neue Möglichkeiten. Zugleich bahnte sie einen Weg zur Bestimmung der Struktur von Makromolekülen wie dem HI-Virus, die nicht kristallisiert werden können. Auf diese Weise konnte Chapman beispielsweise die Struktur eines Parasitenproteins aufklären, das die tropische Schlafkrankheit verursacht was zugleich die Stärke des Physikers zeigte, wegweisende Methodenentwicklungen mit grundlegenden wissenschaftlichen Fragen zu verbinden.

In Großbritannien 1967 geboren, studierte und promovierte Henry Chapman im australischen Melbourne. Nach seiner Promotion folgten Postdoc-Jahre an der dortigen Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization sowie in den USA, wo er zuletzt eine Arbeitsgruppe am renommierten Lawrence Livermore National Laboratory leitete. 2007 kam Chapman an das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg und wurde Gründungsdirektor des Centers for Free-Electron Laser Science (CFEL), einer gemeinsamen Einrichtung der Universität Hamburg, der Max-Planck-Gesellschaft und des DESY. Der Leibniz-Preis 2015 soll Chapman nicht zuletzt in die Lage versetzen, die noch größeren technischen und wissenschaftlichen Möglichkeiten der am DESY geplanten XFEL-Elektronenlaser-Anlage zu nutzen, die 2017 in Betrieb gehen soll.

Prof. Dr. Hendrik Dietz (36), Biochemie/Biophysik, Technische Universität München

Hendrik Dietz gehört zu den weltweit führenden Wissenschaftlern in der DNA-Nanotechnologie, die aktuell eines der dynamischsten Forschungsgebiete in der biomolekularen Grundlagenforschung ist. Sein besonderes Interesse gilt dem DNA-Origami, bei dem sich DNA zur sequenzprogrammierten Herstellung von hochkomplexen funktionalen zwei- und dreidimensionalen Nanokomponenten verwenden lässt. Diese Technik wurde zwar von anderen Forschern erfunden, doch erst durch die Arbeiten von Dietz zu einem sehr breit einsetzbaren Werkzeug gemacht, mit dem inzwischen weltweit nanoskalige Instrumente und Werkzeuge entwickelt und biologische und biophysikalische Hypothesen getestet werden. Zusätzlich zu seinen grundlegenden Arbeiten auf diesem Gebiet leistete Dietz auch für deren Anwendung Pionierarbeit, indem er etwa bewegliche Greifer und Schieber aus DNA konstruierte. Von großer praktischer Bedeutung sind seine Arbeiten für die Herstellung künstlicher Nanoporen in Lipidmembranen, wobei ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschung auf der Entwicklung von DNA-basierenden Werkzeugen liegt, um Proteine mechanisch und räumlich zu orientieren und sie dann mittels einzelmolekülspektroskopischer Methoden zu analysieren. Mit einer völlig neuartigen Fabrikationsmethode konnte Dietz schließlich die Herstellung der komplexen DNA-Strukturen erheblich effizienter und schneller gestalten, was den Weg in eine industrielle Anwendung von künstlichen DNA-Objekten weist.


Mit 36 Jahren ist Hendrik Dietz der jüngste der Leibniz-Preisträger
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