Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMittwoch, 13. Dezember 2017 

Forschung für mehr Klimaschutz bei Gebäuden

11.12.2014 - (idw) Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie

Damit im Gebäudebereich die Energieeinspar- und Klimaschutzziele erreicht werden können, sind in den EU-Mitgliedsstaaten ambitioniertere Maßnahmen notwendig. Sowohl bei der Sanierung von Gebäuden, beim Einsatz erneuerbarer Energien für die Raumwärme und -kühlung anstelle von Kohle und Erdöl als auch bei der Verbesserung der Effizienz bei der Raumkühlung besteht in allen EU-Ländern Verbesserungsbedarf. Setzen sich die Länder anspruchsvolle Ziele und fördern sie Hausbesitzer und Vermieter mit innovativen Instrumenten, können die Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor der EU um bis zu 50 bis 75 Prozent bis zum Jahr 2030 sinken.

Das europäische Forschungskonsortium ENTRANZE, in dem für Deutschland das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI sowie das Öko-Institut beteiligt waren, beschreibt, wie mit ambitionierten Klimaschutzmaßnahmen allein der Einsatz von Erdgas bis 2030 um rund 36 bis 45 Prozent im Vergleich zu 2008 zurückgehen kann.

EU: hohe Potenziale für Klimaschutz im Gebäudebereich

In der EU entfallen rund 60 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf Raumheizung, Warmwasser, Klimaanlagen und Beleuchtung. 20 bis 30 Prozent könnten eingespart werden, setzten die EU-Mitgliedsstaaten innovative Lösungen im Gebäudebereich um. Die Wissenschaftlerinnen und Wissen-schaftler schlagen beispielsweise vor, Ölheizungen allmählich zu ersetzen, energiesparende Beleuchtung verstärkt einzusetzen und vor allem ältere Gebäude energiesparend zu sanieren.

Judit Kockat, Wissenschaftlerin am Fraunhofer ISI, betont: Große Chancen gibt es bei der Altbausanierung, da in vielen europäischen Ländern derzeit viel Raumwärme über schlecht isolierte Türen, Fenster und Mauern verloren geht. Die ENTRANZE-Ergebnisse zeigen, dass Deutschland, Frankreich und Italien für etwa 46 Prozent des Energiebedarfs für Raumwärme und Warmwasser in der Europäischen Union verantwortlich sind. Je nachdem, welchen politischen Weg wir einschlagen und wie sich die Energiepreise entwickeln, kann dieser Energiebedarf für die 28 EU-Staaten bis 2030 um 20 bis 30 Prozent reduziert werden.

Ein Push für Niedrigenergiegebäude in Deutschland

Die Energieeinsparverordnung (EnEV), zinsgünstige Kredite, Zuschüsse und Tilgungsboni für die Sanierung von Bestandsgebäuden sowie für Neubauten, Investitionsbeihilfen für Bestandsgebäude und Nutzungspflicht von erneuerbaren Wärmetechnologien für Neubauten in Deutschland gibt es bereits gute gesetzliche Regelungen für die energetische Sanierung von Gebäuden. Dennoch braucht es weitere politische Maßnahmen, um effizienten Klimaschutz bei Gebäuden zu erreichen.

Jetzt ist es vor allem wichtig, die Energieeinsparverordnung konsequent durchzusetzen dazu gehört auch die bessere Information von Hauseigentümern über die energetische Sanierung und entsprechende Förderungen ebenso wie schärfere Bauvorschriften, fasst Tanja Kenkmann, Projektleiterin am Öko-Institut, zusammen. Zudem zeigen unsere Analysen, dass mit erneuerbaren Energien für die Wärmeerzeugung in Kombination mit einer Sanierung die meiste Energie eingespart werden kann. Werden Heizanlagen ausgetauscht, sollten Eigentümer auf eine klimafreundliche Heizanlage umsteigen.

Stiefkind Klimaanlage mehr Effizienz nötig

Im Gegensatz zu den beträchtlichen Einsparungen, die beim Energiebedarf für Raumheizung und Beleuchtung möglich sind, steigt der Energiebedarf für Klimaanlagen in allen Szenarien deutlich an. Mehr als doppelt so viel Energie würde absehbar bis 2030 für die Raumkühlung benötigt, so die Forscherinnen und Forscher. Ein Grund: steigende Ansprüche der Europäer und Europäerinnen an Komfort. Der Anstieg des Energieverbrauchs könnte reduziert werden, wenn strikte Effizienzmaßnahmen wie eine Beschattung der Fenster, aber auch die Weiterentwicklung hocheffizienter Kälteanlagen umgesetzt würden.

Studie ENTRANZE. Policies to enforce the transition to nearly zero energy buildings in the EU-27 unter Beteiligung von Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI und Öko-Institut
http://www.oeko.de/oekodoc/2203/2014-749-en.pdf

Alle Studienergebnisse und Informationen zum Projekt ENTRANZE
Interaktive Toolbox zu Daten und Kosten der Wärmewende in der EU
http://www.entranze.eu/

Policy Paper für politische Entscheider und Entscheiderinnen Laying down the pathways to nearly Zero-Energy Buildings. A toolkit for policy makers
http://www.entranze.eu/files/downloads/D6_11/entranze_report_final.pdf

Ansprechpartner/in am Öko-Institut:

Tanja Kenkmann / Dr. Veit Bürger
Wissenschaftliche Mitarbeiter im Institutsbereich
Energie & Klimaschutz
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Telefon: +49 761 45295-259
E-Mail: t.kenkmann(at)oeko.de

Ansprechpartner und -partnerinnen am Fraunhofer ISI:

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Clemens Rohde, Judit Kockat, Jan Steinbach
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI

Leitung Presse und Kommunikation:
Anne-Catherine Jung (MA)
Tel.: +49 721 6809-100
presse(at)isi.fraunhofer.de
www.isi.fraunhofer.de

Gesamtprojektleitung:
TU Wien, Energy Economics Group (EEG): Lukas Kranzl

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.


Neues vom Öko-Institut auf Twitter: http://twi<http://twitter.com/oekoinstitut>
Interesse an eco@work, dem kostenlosen E-Paper des Öko-Instituts?
Abo unter http://www.oeko.de/newsletter_ein.php
uniprotokolle > Nachrichten > Forschung für mehr Klimaschutz bei Gebäuden
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/289926/">Forschung für mehr Klimaschutz bei Gebäuden </a>