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Was von der Wissenschaftsförderung am Ende bleibt | Ergebnisse der 7. iFQ-Jahrestagung

11.12.2014 - (idw) Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung

Am 1. und 2. Dezember 2014 fand die 7. Jahrestagung des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften statt. Unter dem Titel Sustainable Science? diskutierten die knapp 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer intensiv, ob die Wissenschaft in Deutschland und in anderen Ländern nach Kriterien der Nachhaltigkeit organisiert ist oder sein sollte. Das iFQ hatte sowohl renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus seinem internationalen Umfeld als auch namhafte Praktiker aus den Förderorganisationen und der Wissenschaftspolitik zu Vorträgen eingeladen. Sie stellten sich gemeinsam mit den diskussionsfreudigen Besucherinnen und Besuchern den weitreichenden Fragen, ob die Wissenschaft nicht nur nachhaltige Forschungsergebnisse und Technologien hervorbringt, sondern selbst unter Rahmenbedingungen stattfindet, die als nachhaltig bezeichnet werden können. Dabei wurde auch hinterfragt, ob es überhaupt sinnvoll ist, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich bei ihrer Arbeit in der Forschung und in der Lehre von Zielen der Ressourcenschonung, Langfristigkeit und Generationengerechtigkeit leiten lassen.

Den Auftakt der Veranstaltung machte Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung. Er führte unter anderem aus, wie Förderprogramme so gestaltet werden können, dass sie kreative Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ansprechen und offen für grundlegend neue Erkenntnisse sind. Daran schloss Professor Dr. Caspar Hirschi von der Universität St. Gallen mit der wissenschaftshistorisch inspirierten Feststellung an, dass in vielen gesellschaftlichen Bereichen zwar immer häufiger von Nachhaltigkeit gesprochen werde, die Praxis sich jedoch eher von den damit suggerierten Zielen entferne in der Wissenschaftsförderung beispielsweise durch die Zunahme von kurzfristig angelegten Finanzierungsformaten.

Auf die beiden Keynotes folgten drei thematisch unterschiedliche Sektionen. Die erste Sektion widmete sich der Balance von Originalität und Nützlichkeit und stellte unter anderem die Frage in den Mittelpunkt, ob Durchbrüche in der Forschung eher aus thematisch offenen und flexiblen Förderprogrammen hervorgehen oder aus Initiativen, die eine klare, an gesellschaftlichen Bedürfnissen orientierte Zielsetzung haben. Die zweite Sektion war überschrieben mit Entsorgung oder Nachnutzung und bezweifelte, ob der enorme Anstieg der Anzahl von wissenschaftlichen Veröffentlichungen noch Ausdruck eines tatsächlich vorhandenen Wissenswachstums ist. Es wurde hinterfragt, wie die Qualität von Publikationen gesichert und auch ihr langfristiger Wert oder ihre langfristige Wertlosigkeit erkannt werden kann. Die dritte Sektion beschäftigte sich unter dem Titel Investitionen oder Verschwendung mit Aspekten der Rentabilität von Wissenschaftseinrichtungen und stellte beispielsweise die wirtschaftlichen Effekte von Hochschulen in einer bestimmten Region zur Diskussion.

Professor Dr. Stefan Hornbostel, Leiter des iFQ, hielt am Ende der Tagung fest: Entscheidend für den Nachhaltigkeitsbegriff und seine Bewertung ist der Blick in die Zukunft. Die einen beziehen sich auf eine bereits heute weitgehend absehbare, stark determinierte Zukunft, mit der man auch auf lange Sicht verantwortungsvoll umgehen kann und muss. Die anderen halten die Zukunft für prinzipiell offen und sehen in der Nachhaltigkeitsorientierung vor allem einen Eingriff in die Möglichkeiten der Gegenwart. Für das Wissenschaftssystem lasse sich entsprechend fragen, ob sichere Karriereoptionen oder eher eine flexible Personalpolitik den gewünschten Nachwuchs von Morgen an die Hochschulen und Forschungsinstitute führt oder ob immer mehr und größere Drittmittelprogramme wie beispielsweise die Exzellenzinitiative oder eher unkonditionierte Grundfinanzierungen wirklich innovative Forschungsergebnisse hervorbringen. Hornbostel sagte zum Abschluss: Solche Entscheidungen lassen sich mit dem alles in allem sehr weichen Konzept der Nachhaltigkeit nicht allgemeingültig klären. Wir können aber mit der Frage nach einer sustainable science beleuchten, welcher Aufwand in die Ermöglichung des Wissenschaftssystems fließt und was letztlich aus diesem Aufwand an Wirkungen hervorgeht eine Perspektive, die in der gegenwärtigen Debatte um die künftige Finanzierung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen nach wie vor fehlt.


Hinweis: Sie können die Vorträge der iFQ-Jahrestagung nachhören. Unter http://www.forschungsinfo.de/Jahrestagung_2014/jt_2014_main.asp?audioXXXAudiocas... stehen die Beiträge für Sie als kostenlose Audio-Podcasts zur Verfügung. Weitere Informationen:http://www.forschungsinfo.de
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