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Das Bild Herders entstauben

16.12.2014 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Herder-Experte von der Universität Jena gibt Buch über den Weimarer Aufklärer heraus Johann Gottfried Herder (1744-1803) war einer der größten Denker und bedeutendsten Menschen, die je in Deutschland gelebt haben. So lautet der erste Satz in Michael Maurers Buch Johann Gottfried Herder. Leben und Werk, das jüngst erschienen ist.

Maurer, der die Professur für Kulturgeschichte an der Universität Jena innehat, möchte Herder ins rechte Licht rücken. Viel zu lange sei der Aufklärer par excellence von verschiedenen Gruppen vereinnahmt worden, was seinem Ruf besonders in der Öffentlichkeit enormen Schaden zugefügt habe. Herder wird als Nationalist gesehen, gar als ein Vorläufer des Materialismus und des Pantheismus, sagt Maurer. Selbst Vertriebenenverbände sähen den aus Mohrungen in Ostpreußen stammenden gelehrten Theologen als einen der Ihren an.

Dabei sei es wohl der Vielfalt seiner Themen geschuldet, dass Herder in den unterschiedlichsten Kreisen als Vordenker wahrgenommen wird. So veröffentlichte Herder Texte zur Theologie, Philosophie, Literaturhistorie, zur Pädagogik und Kunstgeschichte. Wir können Herder als Universalgelehrten bezeichnen, der auf vielen Feldern ein brillanter Denker war, sagt Prof. Maurer. Doch genau darin liege die Krux: Als Universalist ist er heute kaum noch greifbar.

Mit seinem neuen Buch zeichnet Prof. Maurer das Bild Herders als das eines modernen Denkers, der gerade zur europäischen Kultur enormes geleistet hat. Als Philosoph war er ein Denker der Einheit, so Maurer. Zudem habe der Vielleser Herder einen weiten Horizont besessen. Dafür spreche die Tatsache, dass sich Herder obwohl gläubiger Christ und kirchlicher Würdenträger aus Respekt für andere Kulturen gegen die Missionierung ausgesprochen habe.

Die Wissenschaft zu Johann Gottfried Herder habe sich in den vergangenen Jahren stark bewegt, sagt Prof. Michael Maurer. Längst trage die Arbeit der International Herder-Society Früchte. Diese deutsch-amerikanische Vereinigung von Herder-Experten wurde 1986 in Kalifornien ins Leben gerufen; Prof. Maurer stand ihr bereits als Präsident vor.
Mit Fug und Recht könne gesagt werden, dass die Experten längst ein differenziertes Bild Herders haben, so Michael Maurer. Den Ruf des Gelehrten in der Öffentlichkeit möge nun das gerade erschienene neue Buch revidieren helfen, wünscht sich der Autor.

Bibliographische Angaben:
Michael Maurer: Johann Gottfried Herder. Leben und Werk, Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2014, 196 Seiten, 19,90 Euro, ISBN: 978-3-412-22344-1

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Maurer
Bereich Volkskunde/Kulturgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Zwätzengasse 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944395
E-Mail: Michael.Maurer[at]uni-jena.de Weitere Informationen:http://www.uni-jena.de
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