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Kontrollierte Studie belegt die Wirksamkeit einer zielgerichteten Therapie bei AML

18.12.2014 - (idw) Kompetenznetz Leukämien

In einer Plazebo-kontrollierten Studie der Studienallianz Leukämie (SAL) konnte erstmals die Wirksamkeit eines zielgerichteten Wirkstoffs bei jüngeren Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) belegt werden. Die Ergebnisse der Arbeit, die bei der 56. Jahrestagung der Amerikanischen Fachgesellschaft für Hämatologie (ASH) in San Francisco als beste klinische Studie ausgewählt wurde, wurden in der ASH Plenumssitzung präsentiert. Eine von der im Kompetenznetz vertretenen Studienallianz Leukämie (SAL-Studiengruppe) initiierte Studie belegt die Wirksamkeit des Enzym-blockierenden Wirkstoffs Sorafenib bei jüngeren Patienten mit einer Akuten Myeloischen Leukämie (AML) erstmalig in einer vergleichenden Studie. An diesem Forschungsprojekt nahmen insgesamt 267 Patienten teil, die in 25 Kliniken behandelt wurden. Den in Tabletten enthaltenen Wirkstoff erhielt die Hälfte der Probanden zusätzlich zur Standard-Chemotherapie, die alle in die Studie eingeschlossenen Patienten bekamen. Die Ergebnisse der auf drei Jahre angelegten Beobachtungszeit sind eindeutig: Die Überlebensrate ohne ein Neuauftreten von AML war bei denjenigen, die den zusätzlichen Wirkstoff Sorafenib einnahmen, um mehr als 18 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe, die im Rahmen der Studie lediglich ein Placebo statt dem Enzym-Hemmer erhielten. Dieses Ergebnis wurden in der Plenary Session auf der 56. Jahrestagung der American Society of Hematology in San Francisco vorgetragen.

Der hohe wissenschaftliche Stellenwert des Forschungsergebnisses wird auch dadurch deutlich, dass der vom Projektkoordinator Privatdozent (PD) Dr. Christoph Röllig gehaltene Vortrag unter 4.000 Beiträgen für die Plenumssitzung als beste klinische Studie ausgewählt wurde. Da während des Vortrags keine weiteren Veranstaltungen angesetzt waren, war den Dresdner Wissenschaftlern die Aufmerksamkeit eines Großteils der über 20.000 Kongressbesucher sicher.

Erkenntnisse über verschiedene, die Krankheit verursachenden Mutationen, haben die klinischen Forscher dazu bewogen, die Wirksamkeit des TKI Sorafenib für diese Form des Blutkrebses zu untersuchen. Dieser Wirkstoff blockiert mehrere Enzyme, die das Wachstum von Leukämiezellen stimulieren. Um die Sicherheit und Wirksamkeit von Sorafenib zu untersuchen, initiierte der international renommierte Hämatologe und Direktor der Medizinischen Klinik I des Dresdner Uniklinikums, Prof. Dr. Gerhard Ehninger, eine Studie im Rahmen der Studienallianz Leukämie. Daran beteiligten sich Ärzte aus 25 deutschen Kliniken, die dafür 267 AML-Patienten im Alter zwischen 18 und 60 Jahren rekrutierten. In Ergänzung zur üblichen Standardtherapie erhielten 134 von ihnen Sorafenib und 133 Placebo. Nach einer Beobachtungszeit von drei Jahren hatten die zusätzlich mit Sorafenib behandelten Patienten ein mittleres ereignisfreies Überleben von 20,5 Monaten und ein rückfallfreies Überleben von 56 Prozent. Im Vergleich hierzu wurde bei den Patienten mit Standardtherapie plus Placebo ein mittleres ereignisfreies von 9,2 Monaten und ein rückfallfreies Überleben von 38 Prozent registriert. Die Behandlungskombination wurde im Allgemeinen gut vertragen; wenngleich die zusätzlich mit Sorafenib behandelten Patienten eine höhere Rate von Fieber und Hautrötungen aufwiesen, stellte PD Dr. Christoph Röllig fest, der die Studie koordinierte und die Ergebnisse auswertete.

Diese Wirksamkeit mit mehr als 18 Prozent 56 versus 38 Prozent des besseren rückfallfreiem Überlebens belegt zum ersten Mal in einer randomisierten Studie den Vorteil einer zusätzlichen Behandlung mit einem Tyroskinkinase-Hemmer in dieser Form der Leukämie, sagt Prof. Dr. Gerhard Ehninger. Weitere genetische Analysen sollen nun klären, welche Patienten besonders von der Sorafenib-Behandlung profitiert haben.

Beteiligte Kliniken
Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern, Städtisches Klinikum Nord Nürnberg, St. Marien-Hospital Hamm, Universitätsklinikum Münster, Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart, Universitätsklinikum Erlangen, Klinikum Bamberg, Klinikum Chemnitz, Universitätsklinikum Heidelberg, Diakonie-Krankenhaus Schwäbisch Hall, Universitätsklinikum Würzburg, Universitätsklinikum Dresden, HSK Wiesbaden, St. Bernward Krankenhaus Hildesheim, Klinikum der Universität Regensburg, Universitätsklinikum Marburg, Diakonie-Krankenhaus Bremen, Klinikum Bayreuth, Charite Campus CBF Berlin, Städtische Kliniken Bielefeld, St. Johannes Hospital Duisburg, Diakoniekrankenhaus Rotenburg (Wümme), Universitätsklinikum Essen, Universitätsklinikum Frankfurt am Main, Universitätsklinikum Rostock

Pressekontakt und Ansprechpartner für Fachvertreter:
Dr. rer. nat. Sina Hehn, Informationszentrum im Kompetenznetz "Akute und chronische Leukämien", Universitätsklinikum Frankfurt, Tel: +49 (0)69 6301-6429, E-Mail: info@kompetenznetz-leukaemie.de

Das Kompetenznetz Akute und chronische Leukämien wurde 1999 als eines der ersten Kompetenznetze in der Medizin gegründet. Ziel ist der Aufbau eines weltweit führenden kooperativen Leukämie-Netzwerks zur Verbesserung der bevölkerungsbezogenen Versorgung und der gesundheitsbezogenen Forschung bei akuten und chronischen Leukämien. Seit seiner Gründung strukturiert das Netzwerk wesentliche Aktivitäten in der Leukämietherapie und -forschung in Deutschland und unterstützt den Transfer wissenschaftlichen Fortschritts von der Grundlagenforschung bis in die Patientenversorgung. Weitere Informationen:http://www.bloodjournal.org/content/124/21/6 - ASH Abstract

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