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Das Nachleben der antiken Götter im Mittelalter

08.01.2015 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Kunsthistoriker untersuchen den Kontext der Rückbesinnung auf die Antike
Die DFG fördert das RUB-Projekt mit 249.000 Euro

Warum wurden im christlich geprägten Mittelalter, in dem der Glaube an einen einzigen Gott herrschte, die Götter der Antike dargestellt? Wissenschaftler am kunstgeschichtlichen Institut der RUB widmen sich dieser Frage und möchten die Rahmenbedingungen der Rückkehr der Antike im Mittelalter untersuchen. Dabei werfen sie die Diskussion über das Nachleben der Antike im Mittelalter neu auf. Das Projekt Bildliche Mythenrezeption im Mittelalter und der Epochendiskurs moderner Kunsthistoriographie wird mit rund 249.000 Euro von der DFG finanziert und läuft für drei Jahre. Projektleiter ist Ulrich Rehm, Professor für Kunstgeschichte des Mittelalters an der RUB.

Neuer Ansatz mit neuer Herangehensweise

Ziel des Projekts ist es, die Rahmenbedingungen zu untersuchen, unter denen die bildlichen Rückbezüge auf die antike Mythologie stattgefunden haben. Das bedeutet: Die bildlichen Götterdarstellungen werden in einem breiteren kulturellen Kontext betrachtet. Ein Beispiel: Das Wahrzeichen der Stadt Venedig ist der Markuslöwe ein christliches Symbol. Gerade aber an der San Marco-Kirche am Markusplatz ist ein Relief zu sehen, das den antiken Helden Herkules zeigt, der ein Löwenfell trägt.

Die Frage nach dem Kontext

Von Beginn an ist das Fach Kunstgeschichte mit der Vorstellung verknüpft, in der klassischen Antike habe sich ein universelles Schönheitsideal entfaltet, das seither ein Eigenleben führt. Es wird zu allen Zeiten und in allen Kulturen immer wieder neu verwirklicht. Steht eine Kultur der Antike offen gegenüber, hat sie ähnliche Schönheitsideale. Verhält sich eine Kultur eher ablehnend gegenüber der Antike, tritt das Schönheitsideal nur in abgewandelter Form auf. Genau hierin lag lange Zeit die Unterscheidung zwischen Mittalter und früher Neuzeit: Während im Mittelalter die Schönheit der Antike aus Angst oder Ignoranz weitgehend verdrängt worden sei, soll sie erst mit der Renaissance wieder zur vollen Geltung gekommen sein. Wesentlicher Indikator dafür waren die Götterdarstellungen. Die Kunsthistoriker um Prof. Rehm und Miriam Marotzki an der RUB stellen nicht nur diese kunsthistoriographische Unterscheidung in Frage, sondern wollen vielmehr die Rahmenbedingungen der bildlichen Rückbezüge auf die antike Mythologie erforschen; sie fragen nach den Ursachen.

Zwei Perspektiven des Projekts

Das Projekt soll mit zwei Perspektiven durchgeführt werden: Zum einen werden theoretische Erklärungsmodelle für die Unterscheidung zwischen Mittelalter und früher Neuzeit untersucht und historisch betrachtet. Zum anderen wird konkret an Untersuchungsgegenständen gearbeitet. Hierbei analysieren die Forscher, warum und unter welchen Bedingungen beispielsweise eine bildliche Götterdarstellung im Mittelalter gewählt wurde. Das heißt, die Bedeutung der Götterdarstellungen wird neu in den Blick genommen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Ulrich Rehm, Fakultät für Geschichtswissenschaft, Kunstgeschichtliches Institut, Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-27930, E-Mail: Ulrich.Rehm@rub.de

Redaktion: Reyhaneh Azizi
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