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Nach dem Schlaganfall: Informationsmangel erhöht Depressionsrisiko

09.01.2015 - (idw) Universität Luxemburg - Université du Luxembourg

Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben und zu Hause leben, haben im Allgemeinen ein erhöhtes Risiko, an Depression zu erkranken. Forschern zufolge ist es vor allem der Mangel an Informationen, der den Patienten Sorgen bereitet und zur Depression beiträgt. Das ist das Ergebnis einer Studie von Gesundheitssoziologen der Universität Luxemburg. Die Depression kann bestehende Probleme wie eingeschränkte Bewegung und verminderte geistige Fähigkeiten, unter denen Schlaganfallpatienten häufig leiden, weiter verschlimmern und die Genesungschancen beeinträchtigen. Depression ist dafür bekannt, physische, mentale und soziale Fähigkeiten einzuschränken und das Risiko von Behinderungen und frühzeitigem Tod zu erhöhen, erläutert Michèle Baumann, Professorin für Gesundheitssoziologie an der Universität Luxemburg. Das Risiko sei besonders hoch für Schlaganfall-Patienten ohne familiäre oder soziale Unterstützung.

Wie das vom Nationalen Forschungsfonds Luxemburg finanzierte Forschungsprojekt zeigte, zählt der Mangel an Informationen zu den Hauptsorgen der Betroffenen. Die Patienten machen sich Sorgen über mögliche Veränderungen ihres Gesundheitszustandes und über die Auswirkungen auf ihr Leben in den nächsten Monaten und Jahren. Viele fragen sich, ob sie den Informationen, die sie aus verschiedenen Quellen erhalten, trauen können. Auch fehlende Koordination zwischen Pflegediensten wurde als Quelle von Sorgen angeführt, und viele Patienten waren sich angesichts verschiedener möglicher Szenarien nicht sicher, welche Hilfe ihnen in Zukunft zur Verfügung stehen könnte.

Geringverdiener und Menschen mit niedrigem Bildungsniveau sind laut der Studie von Depression am meisten gefährdet. Wer allerdings weiter berufstätigt bleiben konnte, war tendenziell geistig fitter. Zu den depressiven Symptomen, die in der Studie berücksichtigt wurden, zählen emotionale Störungen, Schlafprobleme, Kommunikationsschwierigkeiten, Schmerzen und Müdigkeit.

Die Daten stammen von 94 Patienten im Alter von etwa 65 Jahren aus dem Großherzogtum Luxemburg, die zwei Jahre nach einem Schlaganfall zu Hause lebten. Die Forscher besuchten sie in ihrem Zuhause, um sie über ihre körperliche und geistige Gesundheit zu befragen, sowie über soziale Nöte und Pflegebedürfnisse. Die routinierte Messung der Lebensqualität, der Patientengenesung sowie von Informations- und Pflegebedürfnissen hilft, Situationen zu identifizieren, die Hilfe benötigen, fügt Michèle Baumann hinzu. Die Studie könnte so dem Gesundheitspersonal helfen, wirkungsvollere Hilfsprogramme zu gestalten.

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Der vollständige wissenschaftliche Artikel Associations between quality of life and socioeconomic factors, functional impairments and dissatisfaction with received information and home-care services among survivors living at home two years after stroke onset, wie in BMC Neurology 2014 veröffentlicht, kann hier eingesehen werden: http://orbilu.uni.lu/handle/10993/16492 Weitere Informationen:http://orbilu.uni.lu/handle/10993/16492
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