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Trauer um Hubert Markl

09.01.2015 - (idw) Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Früherer DFG-Präsident im Alter von 76 Jahren verstorben Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) trauert um ihren Altpräsidenten Professor Dr. Hubert Markl. Der Verhaltensbiologe und Zoologe, der von 1986 bis 1991 an der Spitze der DFG stand, verstarb am 8. Januar 2015 im Alter von 76 Jahren.

Hubert Markl hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft und mit ihr die Wissenschaft in Deutschland klug und mit großem Geschick durch sehr wechselvolle Zeiten geführt. Seine Präsidentschaft verbindet sich vor allem mit dem Zusammenwachsen von Forschung und Forschungsförderung in den alten und neuen Bundesländern. Doch zugleich verlor er die internationalen Dimensionen und Kooperationen der Wissenschaft nie aus den Augen. Und mit demselben Weitblick hat er bei aller Begeisterung für den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt stets die Grenzen und Folgen wissenschaftlicher Möglichkeiten mitgedacht, sagte der heutige DFG-Präsident Professor Dr. Peter Strohschneider zur Würdigung Markls. Die DFG erinnert sich mit großer Dankbarkeit an Hubert Markl und wird ihm ein ehrendes Angedenken bewahren.

Markl war der sechste und bislang jüngste Präsident der DFG nach deren Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg 1951. Als Wissenschaftler hatte er sich mit seinen Arbeiten zum Sozialverhalten und zur Sinnesphysiologie der Tiere zuvor bereits in frühen Jahren internationales Renommee erworben. Am 13. September 1938 in Regensburg geboren, studierte Markl Biologie, Chemie und Geografie an der LMU München, wo er 1962 im Fach Zoologie promoviert wurde. Nach Forschungsaufenthalten an der Harvard- und Rockefeller-Universität habilitierte er sich 1967 an der Universität Frankfurt/Main in Zoologie über das Kommunikationsverhalten sozialer Insekten. Von 1968 bis 1973 war Markl Professor und Direktor des Zoologischen Instituts der TU Darmstadt, seit 1974 dann Professor für Biologie an der Universität Konstanz.

In der DFG war Markl ab 1974 bereits als Mitglied des Senats, später auch des Hauptausschusses und von 1977 bis 1983 als Vizepräsident tätig, bevor er im Juli 1985 mit nur 46 Jahren zum Nachfolger des Geologen Professor Dr. Eugen Seibold gewählt wurde. Seine erste Amtszeit von 1986 bis 1988 stand zunächst im Zeichen sinkender Fördermittel, die zusammen mit einem deutlichen Anstieg der Förderanträge erstmals zu niedrigeren Bewilligungsquoten führten. Vor diesem Hintergrund betrachtete es Markl als vorrangiges Ziel seiner Arbeit, die Rolle und Bedeutung der DFG als wichtigsten Garanten der Grundlagenforschung in allen Bereichen der Wissenschaft zu erhalten, wie er bereits zu seinem Amtsantritt unterstrich. Freiheit und Vielfalt und strengste Qualitätsmaßstäbe waren für ihn dabei die zentralen Voraussetzungen für den Erfolg von Forschung und Forschungsförderung.

Markls zweite Amtszeit von 1989 bis 1991 wurde dann entscheidend durch den Prozess der deutschen Einigung bestimmt, in dem die DFG bereits im April 1990 die Bereitschaft zur Ausdehnung der Zuständigkeit der DFG auf Gesamtdeutschland erklärte und unmittelbar mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 allen Forscherinnen und Forschern in den alten und neuen Bundesländern dieselben Fördermöglichkeiten bot. Zugleich trieb Markl die europäische Integration in der Wissenschaftsförderung und die Öffnung gegenüber den Staaten Mittel- und Osteuropas voran und verstärkte die weltweiten Kooperationen mit Wissenschaftlern und Wissenschaftsorganisationen, unter anderem mit Indien, China und Südkorea sowie mit Argentinien und Mexiko.

Nicht zuletzt baute die DFG in Markls Präsidentschaft die Palette ihrer Förderangebote durch eine Reihe neuer Förderinstrumente systematisch aus: Nachdem er 1986 von seinem Vorgänger Eugen Seibold das noch von diesem initiierte Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm für die Förderung besonders herausragender Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher übernommen hatte und gleich bei der ersten Verleihung der darin vergebenen Leibniz-Preise das Wort von der märchenhaften Freiheit prägte, die diese Auszeichnung mit sich bringe , setzte Markl 1987 mit dem Gerhard Hess-Programm einen Akzent für die Förderung besonders qualifizierter junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beim Aufbau eigener Arbeitsgruppen. Die besondere Bedeutung des wissenschaftlichen Nachwuchses für Markl und für die DFG in seiner Präsidentschaft zeigte sich auch 1990 in der Einführung der Graduiertenkollegs, in denen bis heute weit mehr als 20 000 Doktorandinnen und Doktoranden im Rahmen eines strukturierten Forschungs- und Qualifizierungsprogramms promovieren konnten.

Nach zwei Amtszeiten verzichtete Hubert Markl 1991 auf eine weitere Wiederwahl und kehrte auf eigenen Wunsch an die Universität Konstanz zurück. Bei seiner Verabschiedung würdigten Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft Markl als Glücksfall für die Wissenschaft und als begnadeten Forscher und Lehrer, scharfsinnigen Denker und Rhetor und zugleich unprätentiöse und bescheidene Persönlichkeit. Nach zweijähriger Forschungsarbeit an der Universität Konstanz war Markl von 1993 bis 1995 dann erster Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Von 1996 bis 2002 stand er an der Spitze der Max-Planck-Gesellschaft. In den letzten Jahren lebte Hubert Markl zurückgezogen in Konstanz.


Weiterführende Informationen

Medienkontakt:
Marco Finetti, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG, Tel. +49 228 885-2230, Marco.Finetti@dfg.de
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