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Abschied nach 26 Jahren im Amt der Frauenbeauftragten

16.01.2015 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Festkolloquium im Gästehaus der Justus-Liebig-Universität Gießen aus Anlass des Dienstendes der langjährigen JLU-Frauenbeauftragten Marion Oberschelp Wie kann Haus- und Sorgearbeit strukturell verlässlich organisiert werden, ohne dass Frauen deshalb auf die Teilhabe am Erwerbsleben verzichten müssen? Welche Rolle spielen personen- und haushaltsnahe Dienstleistungen? Wie kann das Zusammenspiel von Betroffenen, Zivilgesellschaft und Organisationen verbessert werden, um die gegenwärtige Krise in der Sorgearbeit (Care-Krise) zu überwinden? Eine geschlechtergerechte Gesellschaft braucht innovative Antworten auf solche Fragen. Das Thema Ganze Arbeit stand daher am 16. Januar 2015 im Mittelpunkt eines Festkolloquiums im Gästehaus der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) zu Ehren der JLU-Frauenbeauftragten Marion Oberschelp, die Ende Januar nach 26 Jahren aus dem aktiven Dienst ausscheiden wird.

Ihren beiden Nachfolgerinnen, Prof. Dr. Sabine Wenisch und Nadyne Stritzke, die sich ab 1. Februar 2015 die Stelle der JLU-Frauenbeauftragten teilen werden, wünschte Oberschelp viel Glück und einen breiten Rückhalt in der gesamten Universität.

Marion Oberschelp hat sich in ihrer Amtszeit in unterschiedlichen Bezügen für ein ganzheitliches Verständnis von Arbeit im Wissenschaftsbetrieb eingesetzt. Frauenförderung sowie institutionell gesicherte und zugleich gelebte Chancengleichheit an der Universität waren zentrale Themen, für die sie sich in ihrer Laufbahn an der JLU stark gemacht hat. JLU-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee lobte in seinem Grußwort das langjährige Engagement der Frauenbeauftragten: Institutionalisierte Frauenförderung ist ein ganz wesentliches Element, um die Zukunft der Universität erfolgreich zu gestalten. Marion Oberschelp hat in diesem Bereich bereits vor Jahrzehnten Pionierarbeit geleistet und wesentlich dazu beigetragen, dass die JLU bezüglich der Gleichstellung heute bundesweit mit an der Spitze steht. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hatte die JLU bereits im Sommer 2013 in die Spitzengruppe aller Hochschulen eingruppiert und ihr bescheinigt, die Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards besonders erfolgreich umzusetzen.

Ganze Arbeit zwischen Beruf und Familie hat Marion Oberschelp auch selbst geleistet und im Interesse einer institutionalisierten Frauenförderung an der Universität Gießen Widerstände unterschiedlichster Art überwunden und viel erreicht, ergänzte die Leiterin des Kompetenzzentrums Professionalisierung und Qualitätssicherung haushaltsnaher Dienstleistungen und Organisatorin des Festkolloquiums, Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe vom Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung der JLU. Dafür wolle man Marion Oberschelp danken, nicht zuletzt mit der Übergabe der Publikation Caring, Cooking, Cleaning Gleichstellungs- und beschäftigungspolitische Perspektiven haushaltsnaher Dienstleistungen. Es handelt sich dabei um die Beiträge einer zweisemestrigen Ringvorlesung unter Federführung von Prof. Meier-Gräwe, die als Kooperationsprojekt mit Marion Oberschelp als JLU-Frauenbeauftragte durchgeführt und finanziell unterstützt wurde.

Weitere Grußworte kamen von Dr. Anja Wolde, Sprecherin der Landeskonferenz der hessischen Hochschulfrauenbeauftragten, und Prof. Dr. Birgit Lorenz, Fachbereich 11 Medizin. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Reinhilde Stöppler, Studiendekanin am Fachbereich 03 Sozial- und Kulturwissenschaften der JLU.

Marion Oberschelp, geboren 1949 in Wetzlar, hatte zunächst Ausbildungen zur Fotografin und Buchhändlerin absolviert, ehe sie 1974 ihre Tätigkeit an der Universität aufnahm, zunächst als Bibliotheksangestellte in der Pathologie. Wichtig war ihr als Mutter eines heute längst erwachsenen Sohnes und inzwischen engagierte Großmutter immer die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Als der damalige JLU-Präsident Prof. Dr. Heinz Bauer am 15. Februar 1989 Marion Oberschelp und ihre Kollegin Gerda Weigel-Greilich der Öffentlichkeit als Frauenreferentinnen vorstellte, markierte dies den Anfang der Gleichstellungspolitik an der JLU. Frauenförderung an einer Universität war etwas völlig Neues, so dass beide Pionierarbeit leisteten: Arbeitsstrukturen, Inhalte und Ziele neuer Maßnahmen mussten mit Unterstützung des Präsidenten und den damaligen Hochschulgremien erst definiert und strukturell verankert werden.

Erst im Dezember 1993 wurde mit der Verabschiedung des Hessischen Gleichberechtigungsgesetzes Frauenförderung an Hochschulen gesetzlich geregelt. Frauenförderpläne, Quoten und Zielvereinbarungen sollten dazu beitragen, das Ungleichgewicht von Männern und Frauen vor allem in den höheren wissenschaftlichen Positionen zu beseitigen. Erst jetzt entstand das Berufsbild der Frauenbeauftragten mit ihren Rechten und Pflichten vor allem auf dem Gebiet der Personalmaßnahmen, wie es heute selbstverständlich ist. 2007 übernahm Marion Oberschelp das Amt der JLU-Frauenbeauftragten in alleiniger Verantwortung. Von Anfang an lagen ihr neben der Erhöhung des Frauenanteils in Wissenschafts- und Führungspositionen vor allem drei Bereiche der Gleichstellungsarbeit am Herzen: die Verbesserung der Situation der Mitarbeiterinnen im administrativ-technischen Bereich, die Förderung der Frauen- und Geschlechterforschung sowie eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit.

Auch die überregionale Anerkennung war Marion Oberschelp für ihre Arbeit gewiss: In den frühen 1990er Jahren war sie Sprecherin der Hessischen Landeskonferenz der Hochschulfrauenbeauftragten.

Kontakt:
Marion Oberschelp
Frauenbeauftragte der Justus-Liebig-Universität Gießen
Goethestraße 58, 35390 Gießen
Telefon: 0641 99-12050/-3; Fax: 0641 99-12059
E-Mail: Marion.Oberschelp@admin.uni-giessen.de

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Die 1607 gegründete Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ist eine traditionsreiche Forschungsuniversität, die rund 28.000 Studierende anzieht. Neben einem breiten Lehrangebot von den klassischen Naturwissenschaften über Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften bis hin zu Sprach- und Kulturwissenschaf¬ten bietet sie ein lebenswissenschaftliches Fächerspektrum, das nicht nur in Hessen einmalig ist: Human- und Veteri-närmedizin, Agrar-, Umwelt- und Ernährungswissenschaften sowie Lebensmittelchemie. Unter den großen Persönlich-keiten, die an der JLU geforscht und gelehrt haben, befindet sich eine Reihe von Nobelpreisträgern, unter anderem Wilhelm Conrad Röntgen (Nobelpreis für Physik 1901) und Wangari Maathai (Friedensnobelpreis 2004). Seit 2006 wird die JLU sowohl in der ersten als auch in der zweiten Förderlinie der Exzellenzinitiative gefördert (Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System ECCPS; International Graduate Centre for the Study of Culture GCSC). Weitere Informationen:http://www.uni-giessen.de/cms/org/beauftragte/frb

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