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Homi K. Bhabha wird Honorary Member des ZfL Berlin

19.01.2015 - (idw) Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e.V. (GWZ)

Mit Beginn des Jahres 2015 wird Homi K. Bhabha Honorary Member des Zentrums für Literatur und Kulturforschung (ZfL). Aus diesem Anlass lädt das ZfL am 4. Februar 2015 um 19 Uhr in der Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin, zum Inaugural-Vortrag von Homi K. Bhabha ein: On Culture and Security. Homi K. Bhabha ist einer der herausragenden zeitgenössischen Kultur- und Literaturtheoretiker, dessen Arbeiten in vielen Fächern rezipiert und diskutiert werden. Nach einem Studium der englischen Literatur in Bombay und Oxford lehrte er in Großbritannien (Warwick, Sussex, London) und den USA (Chicago, Harvard). Seit 2001 ist er Anne F. Rothenberg Professor am Department of English der Harvard University, wo er seit 2005 das Mahindra Humanities Center leitet. Als herausragender Vertreter des Postkolonialismus bekannt geworden, ist er heute eine der wichtigsten Stimmen in den Geisteswissenschaften, wenn es um die unverzichtbare Bedeutung historisch-hermeneutischen Denkens für eine globale Kultur geht.

Bekannt geworden ist Bhabha mit seiner Nutzung des Poststrukturalismus für die Lektüre kolonialer Texte, wobei Kolonialismus für ihn nicht der Vergangenheit angehört, sondern gegenwärtig weiterhin virulent ist. Die von ihm geprägten Konzepte wie Hybridität (inhärente Gemischtheit jeder Identitätsform), Mimikry (Identität als wandelbare Bewusstseinsform), Third Space (räumlich konzipierte Zone kultureller Differenz) und Ambivalenz (Indetermination angeblicher Fakten aufgrund von Kontextgebundenheit) sind zu Schlüsselbegriffen der postcolonial studies geworden. Ausgehend von einer Verwerfung der Idee originärer, unvermischter Einheiten, entwirft sein Konzept der Hybridität Kulturformen multikultureller Konstellationen. Seine Anregungen sind nicht wegzudenken aus der Theorieentwicklung zu Themen wie Raum, kulturelle Differenz und Übersetzung. Dabei prägen seine Thesen und Konzepte nicht nur die internationale Literatur-, Kunst-, Kultur- und Sozialwissenschaft; sie haben auch öffentliche Debatten zur Integrationspolitik und Interkulturalität initiiert und beeinflusst.

Bhabhas Arbeiten reichen auch in die Kunst- und Bildwissenschaft hinein, so etwa in Location of Culture (1994), einem Buch, für das eine Installation von Renée Green eine zentrale Rolle spielt, um die Topographie des "Schwellenraums" zu profilieren. Es sind vor allem die zeitgenössische Malerei, Installations- und Performancekunst, die ihn beschäftigen, u.a. in einem Buch über den indischen Künstler Anish Kapoor (2011).

In den Publikationen der letzten Jahre ist eine gewisse Neuausrichtung zu verzeichnen: vom spezifischen Bereich der postcolonial studies zu einer Positionsbestimmung von Gegenwart und Zukunft der humanities, die er als das Feld von human learning bestimmt. Die humanities lassen sich bei aller Vielfalt ihrer disziplinären Zugänge über eine letztlich gemeinsame Art des Welt-Bezugs definieren: "They are in the world, but not entirely of it". Die Besonderheit geisteswissenschaftlichen Wissens liegt demnach in der Aufmerksamkeit für Prozesse der Vermittlung, Rahmung, Darstellung und Übertragung sozialer Realitäten. Die Leistung etwa der Literatur- und Kunstwissenschaft sieht er darin, dass sie mithilfe ihrer Expertise für die figurative und technische Machart von Texten und Bildern in der Lage sind, Aussagen über das politische Bewusstsein (und Unbewusste), über religiöse Kultur, sozial wirksame Affekte und Wahrnehmungsweisen zu machen. Zugleich weist er darauf hin, dass geisteswissenschaftliches Wissen immer einen Abstand zur alltäglichen Erfahrung markiert und betrachtet diese Distanz zur Empirie als Schwellenposition, die die verschiedenen Fächer verbindet: zwischen wirklicher Welt und künstlichen, imaginierten, symbolischen Welten. Es ist diese Zwischenstellung, aus der Bhabha auf so ingeniöse wie überzeugende Weise Interdisziplinarität ableitet als die den Geisteswissenschaften angemessene Existenzform im Bereich zwischen ansonsten separierten Kompetenzen und Zuständigkeiten.


Mehr zu den Honorary Members des ZfL finden Sie hier:
http://www.zfl-berlin.org/honorary-members.html Weitere Informationen:http://www.zfl-berlin.org
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