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Zuwanderung ist nur der erste Schritt

21.01.2015 - (idw) Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Die Bundesregierung berät heute den neuesten Migrationsbericht ein Entwurf liegt der Presse bereits vor. Demnach kamen im Jahr 2013 mit 1,2 Millionen so viele Menschen nach Deutschland wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die Fortzüge abgezogen, ergab sich unterm Strich ein Zuwanderungsgewinn von 430.000 Menschen ebenfalls ein Höchststand seit 1995. Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, eine Denkfabrik für Fragen des demografischen Wandels, verfolgt diese Entwicklung seit Jahren. Laut Ergebnissen des Instituts hilft vor allem der Zugewinn aus den europäischen Nachbarländern, den demografiebedingten Fachkräftemangel zumindest kurzfristig abzufedern. EU-Zuwanderer sind demnach meist hochqualifiziert und seltener arbeitslos als andere Migrantengruppen. Alleine diese Faktoren erleichtern es ihnen, in Deutschland Fuß zu fassen. Doch damit alleine ist es nicht getan, so der Instituts-Direktor Reiner Klingholz. Wir müssen damit rechnen, dass viele zugewanderte Europäer wieder in ihre Heimatländer zurückkehren, sobald sich die wirtschaftliche Lage dort verbessert. Demgegenüber mangele es für qualifizierte Migranten aus anderen Weltregionen bislang an Anreizen, nach Deutschland zu kommen. Länder wie Kanada oder Australien mit ihren viel gelobten Punktsystemen seien da weiter.

Was Zuwanderung betrifft, gibt es dort auch ein besseres gesellschaftliches Klima als hierzulande. Von einer wirklichen Willkommenskultur ist Deutschland noch ein Stück weit entfernt. Das zeigen nicht zuletzt die Pegida-Demonstrationen, sagt Klingholz. Sorge bereitet dem Berliner Wissenschaftler auch die bis heute bestehende Chancenungleichheit vieler Herkunftsgruppen, etwa aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens oder dem Nahen Osten. Wir können von Migration nur dann profitieren, wenn wir alle mitnehmen. Zuwandernde Eltern müssen sich nachqualifizieren können und ihre Kinder mehr von den hiesigen Bildungsangeboten profitieren können.

Dies wird vor dem Hintergrund der wachsenden Zahl von Asylbewerbern umso wichtiger. Angesichts der teils katastrophalen Lage in ihren Herkunftsländern ist damit zu rechnen, dass die Flüchtlingszahlen weiter steigen und die Bundesrepublik vielen Neuankömmlingen über einen langen Zeitraum Schutz gewähren wird. Diese Menschen dürfen wir bei der Integrationsdebatte nicht vergessen. Eine umfassende Migrationspolitik muss dafür sorgen, dass Flüchtlinge hierzulande ihre Fähigkeiten entfalten können. Und das könne für alle Beteiligten nur von Vorteil sein sowohl volkswirtschaftlich als auch für ein gutes gesellschaftliches Miteinander.

Das Berlin-Institut für Bevölkerung erstellt regelmäßig Publikationen zum Thema Migration und Integration. Zuletzt erschienen:

Krise an Europas Südgrenze. Welche Faktoren steuern heute und morgen die Migration über das Mittelmeer?
Online verfügbar unter http://www.berlin-institut.org/publikationen/discussion-papers/krise-an-europas-...

Neue Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland.
Online verfügbar unter http://www.berlin-institut.org/publikationen/studien/neue-potenziale.html

Nach Punkten vorn. Was Deutschland von der Zuwanderungs- und Integrationspolitik Kanadas lernen kann.
Online in deutscher Sprache verfügbar unter http://www.berlin-institut.org/publikationen/studien/nach-punkten-vorn.html
Eine aktualisierte englische Version aus dem Jahr 2014 findet sich unter http://www.berlin-institut.org/en/publications/studies/leading-on-points.html

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung
Schillerstr. 59
10627 Berlin
Ansprechpartner: Franziska Woellert (woellert@berlin-institut.org, Tel.: 030 -31 01 74 50) und Stephan Sievert (sievert@berlin-institut.org, Tel.: 030 31 10 26 98)

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ist ein unabhängiger Thinktank, der sich mit Fragen regionaler und globaler demografischer Veränderungen beschäftigt. Das Institut wurde 2000 als gemeinnützige Stiftung gegründet und hat die Aufgabe, das Bewusstsein für den demografischen Wandel zu schärfen, nachhaltige Entwicklung zu fördern, neue Ideen in die Politik einzubringen und Konzepte zur Lösung demografischer und entwicklungspolitischer Probleme zu erarbeiten.

Das Berlin-Institut erstellt Studien, Diskussions- und Hintergrundpapiere, bereitet wissenschaftliche Informationen für den politischen Entscheidungsprozess auf und betreibt ein Online-Handbuch zum Thema Bevölkerung.

Weitere Informationen, wie auch die Möglichkeit, den kostenlosen regelmäßigen Newsletter Demos zu abonnieren, finden Sie unter http://www.berlin-institut.org. Weitere Informationen:http://www.berlin-institut.org/publikationen/discussion-papers/krise-an-europas-...http://www.berlin-institut.org/publikationen/studien/neue-potenziale.htmlhttp://www.berlin-institut.org/publikationen/studien/nach-punkten-vorn.htmlhttp://www.berlin-institut.org/en/publications/studies/leading-on-points.html

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