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Der Mensch als Mitarbeiter Gottes

22.01.2015 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Erziehungswissenschaftlerin der Universität Jena veröffentlicht Buch über Rudolph Zacharias Becker Spätestens seit dem Erfolg der Romane von Dan Brown sind die Illuminaten allgegenwärtig und zwar vor allem als meuchelnde Mönche oder zipfelbemützte Weltherrschaftsaspiranten. Doch Allmachtsfantasien spielten im Denken und Wirken der Geheimbündler wohl eher eine geringe bis gar keine Rolle. Vielmehr wollten sie jeden Menschen unabhängig vom gesellschaftlichen Stand dazu bringen, dass er sich als eigenständiges und selbstbewusstes Wesen begreift, ganz im Sinne der Aufklärung. Dafür bedienten sie sich während ihres kurzen Bestehens von 1776 bis 1785 und darüber hinaus wohl eher der Schreibfeder als irgendwelcher Waffen.

Zu einem der wichtigsten Pädagogen, der sich diesen Ideen verschrieben hatte, ist jetzt ein neues Buch erschienen. Dr. Christine Freytag von der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat im Rahmen ihrer Dissertation die Arbeit des Freimaurers und Mitglied des Illuminatenordens Rudolph Zacharias Becker (1752 bis 1822) unter die Lupe genommen. Der Thüringer Becker geboren in Erfurt, Studium in Jena, gelebt und gewirkt vor allem in Gotha ist vor allem als Volksaufklärer bekanntgeworden, der sich mit heute wohl als elementar begriffenen Fragen auseinandersetzte. Er wollte wissen, wer der Mensch sei, wie er funktioniert und vor allem wozu er lebt was also der Sinn und Zweck seines Lebens sei und wie es gegenwärtig ausgerichtet werden kann, erklärt die Erziehungswissenschaftlerin Freytag. Aufklärung und Vervollkommnung des Menschen seien dabei die zwei wichtigsten Ziele gewesen.

Freytag setzte sich während ihrer Arbeit vor allem mit Beckers Bildungsbegriff auseinander und analysierte dafür die zwischen 1779 und 1794 erschienenen Schriften. Eine der bekanntesten ist das sogenannte Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute, in dem der Pädagoge den Bauern verschiedene Ratschläge zur Verbesserung der eigenen Lebenssituation gibt, angefangen vom Brotbacken bis hin zur medizinischen Versorgung. Verpackt ist das ganze in eine fiktive Rahmenhandlung, die einem möglichen bevormundenden Charakter vorbeugen soll. Neben den ganz pragmatischen Hilfestellungen wollte Rudolph Zacharias Becker mit seinem Wirken vor allem Aberglauben und Unvernunft bekämpfen. Beides sah der Protestant als Hindernis auf dem Weg des Menschen zu seiner eigentlichen Bestimmung: Der Erdenbürger wird von ihm als ein Mitarbeiter Gottes zur Vermehrung des Guten im Weltall angesehen, sagt die Jenaer Erziehungswissenschaftlerin. Dies wird er aber nur, wenn er sich durch Erziehung, Bildung, Moral und Vernunft selbst vervollkommnet. Bereits 1779 hatte er eine sogenannte Preisfrage so beantwortet, die sein Verständnis von Aufklärung darlegt. Er mischt sich damit ein in die Debatten des 18. Jahrhunderts, was Aufklärung überhaupt sei und wozu sie diene. Damit setzt sich Becker eindeutig gegen die Vormundstellung der katholischen Kirche und für den Gebrauch der eigenen Vernunft ein.

Als Volksaufklärer und Pionier der Sozialpädagogik beließ es Becker nicht dabei, seine Schriften anzufertigen. Er war Zeit seines Lebens auch damit beschäftigt, seine und verwandte Ideen zu publizieren und als Buchhändler sogar direkt unter die Leser zu bringen.

Mit dem Buch erscheint nun ein neuer umfassender Überblick über Beckers Bildungstheorie, die grundlegende Fragen des Menschen, etwa nach dem Sinn des Lebens und der Funktionsweise des Menschen, einbezieht. Mit der Beantwortung solcher Fragen und seinen Schriften wurde der bis heute wenig bekannte Becker zur Schlüsselfigur der deutschen Aufklärung. Christine Freytag arbeitet die Person Becker sowie das Wirken und Denken des Illuminaten erstmals grundlegend auf und betrachtet seine Ideen insbesondere aus pädagogischer Perspektive.


Bibliographische Angaben:
Christine Freytag: Mensch, werde und mache alles immer besser. Überlegungen zur Aufklärung und Vervollkommnung des Menschen am Beispiel von Rudolph Zacharias Becker in der Zeit von 1779 bis 1794. Garamond Verlag, Jena 2014, 426 Seiten, Preis: 44,90 Euro, ISBN 978-3-944830-05-6

Kontakt:
Dr. Christine Freytag
Institut für Bildung und Kultur der Universität Jena
Am Planetarium 4, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945318
E-Mail: christine.freytag[at]uni-jena.de
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