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EZB beschließt Anleihenkauf: Experte der Universität Hohenheim erwartet keinen Konjunkturschub

23.01.2015 - (idw) Universität Hohenheim

Der Kauf von Staatsanleihen durch die EZB ist beschlossene Sache. Finanzexperte Prof. Dr. Hans-Peter Burghof bezweifelt den Nutzen des Programms. 60 Milliarden Euro monatlich will die Europäische Zentralbank (EZB) für ihr Kaufprogramm von Staatsanleihen bis September 2016 aufwenden. Die umstrittene Maßnahme bringt frisches Zentralbank-Geld in Umlauf. Damit will die EZB die Vergabe von Krediten fördern und so Investitionen und Konjunktur ankurbeln. Prof. Dr. Burghof, Finanzexperte an der Universität Hohenheim, ist skeptisch: Den Grund dafür, dass sich Unternehmen bei Investitionen zurückhalten, sieht er nicht in den Kreditkonditionen. Er hält das EZB-Programm für einen weiteren Schritt des Euro auf dem Weg zur Billig-Währung.

Bereits im Vorfeld hat die Entscheidung heftige Turbulenzen auf den Finanzmärkten ausgelöst: Am Donnerstag hat EZB-Chef Mario Draghi den Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank in Aussicht gestellt. Monatlich will die EZB nun 60 Milliarden Euro in Anleihen stecken. Das Programm soll bis September 2016 laufen.

Damit flutet die EZB die Märkte mit insgesamt 1,14 Billionen Euro. Das ist erheblich mehr als erwartet. Ziel der Maßnahme ist es die Vergabe von Krediten und damit Investitionen anzukurbeln. Doch Prof. Dr. Burghof, Inhaber des Lehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim, erwartet diesbezüglich keine große Wirkung des Programms.

Prof. Dr. Burghof: Kein Konjunkturschub durch Anleihenkauf

Die Kreditkonditionen waren in letzter Zeit bereits so günstig, dass Investitionen nicht daran scheiterten, stellt Prof. Dr. Burghof fest. Vielmehr seien die Rahmenbedingungen für Investitionen in den südeuropäischen Ländern unverändert problematisch: Fehlende marktwirtschaftliche Reformen, eine ineffiziente Bürokratie und unverändert auch zu viel Korruption führen dazu, dass Unternehmer keine Investitionen wagen. Leider ist auch Deutschland auf dem Weg, mit der Einführung des Mindestlohns oder der Rente mit 63, ähnliche Investitionshindernisse aufzubauen. Durch die EZB-Maßnahmen jedenfalls erwarte ich keinen Konjunkturschub.

Echte Deflation fraglich

Das EZB-Programm soll auch die Sorgen vor einem Preisverfall auf breiter Front beenden. Ob jedoch überhaupt eine echte Deflation vorliegt ist umstritten. Der Ölpreiseffekt ist erheblich. Außerdem wurden Preiskorrekturen in Südeuropa und Irland vorgenommen. Derartige Preissenkungen sind erwünscht, gibt Prof. Dr. Burghof zu bedenken.

Handlungsbedarf sah die EZB, da auch die Inflationserwartungen ihrer Modellrechnungen nach unten zeigten. Inwieweit die Modelle jedoch überhaupt zutreffen, sei laut Prof. Dr. Burghof schwer zu beurteilen.

Die EZB hat sich ein Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent gesetzt, weshalb sie nun gegensteuert. Preisstabilität bedeutet jedoch null Prozent, sagt der Experte.

Kaufprogramm schwächt Euro

Der Euro wird durch das EZB-Programm auf jeden Fall massiv belastet, warnt Prof. Dr. Burghof. Das ist ein Versuch wettbewerbsfähig zu sein, indem man den Preis manipuliert statt Qualität zu liefern. Der Experte sieht darin einen weiteren Schritt des Euro auf dem Weg zur Billig-Währung. Mit allen gravierenden Folgen, die ein schwindendes Vertrauen der Investoren in die Euro-Zone nach sich ziehen kann.

Kontakt für Medien:
Prof. Dr. Hans-Peter Burghof, Universität Hohenheim, Fg. BWL insbesondere Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen
Tel. 0711 459-22901, E-Mail: burghof@uni-hohenheim.de

Text: Elsner / Klebs
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