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Juniorprofessor untersucht Rolle von Katastrophen-Helfern in den Medien

27.01.2015 - (idw) Universität Leipzig

Dr. Patrick Merziger befasst sich wissenschaftlich unter anderem mit Katastrophen, genauer gesagt mit der Rolle der Medien in bestimmten, für den Menschen bedrohlichen Situationen. Im Mittelpunkt steht die Geschichte der humanitären Hilfe, aber auch aktuelle Katastrophen wie Ebola analysiert der 41-Jährige, der als Juniorprofessor für Kommunikationsgeschichte an die Universität Leipzig berufen wurde. Mittlerweile ebbt die Ebola-Epidemie in Westafrika allmählich ab. Diese erfreuliche Nachricht ließ die Berichterstattung über dieses Thema in den vergangenen Tagen noch einmal aufleben. "Allerdings war die Zahl der Infizierten in Afrika Anfang Januar noch genauso hoch wie im September/Oktober vergangenen Jahres, als alle Medien darüber berichteten. Trotzdem flaute das Interesse der Medien schnell ab ", sagt Merziger.

Ursachen dafür gibt es seiner Ansicht nach mehrere. Zum einen seien da die viel zu hoch gegriffenen Prognosen der Weltgesundheitsorganisation WHO zur Zahl der Ebola-Infektionen, die nicht eingetreten seien, berichtet Merziger, der Geschichte und Literaturwissenschaft in Berlin, Bochum und Madrid studiert hat. "Die Medien haben für ihre Berichterstattung ein bestimmtes Interesse an Zuspitzungen. Die sind nicht langfristig", erklärt der Experte weiter. Zudem sorgten auch politische, militärische und wirtschaftliche Interessen dafür, dass die Welt zunehmend als Ort der Katastrophen wahrgenommen werde. So hat der Kommunikationshistoriker in seine Forschungen auch die Öffentlichkeitsarbeit diverser Hilfsorganisationen und staatlicher Institutionen einbezogen. "Sie haben meist eine gewisse Tendenz zu kurzfristiger, effektiver Hilfe. Das ist medial und damit für die Wähler oder Spender besser zu vermitteln als komplexe, langfristige Hilfe", sagt er.

Der Juniorprofessor, der seit April 2014 am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität tätig ist, analysiert die Akten der Hilfsorganisationen seit 1951. Daher weiß er, dass deren Aktionen oft schief gehen, die Unterstützung nicht am Bestimmungsort ankommt oder die Betroffenen sie nicht als Hilfe, sondern eher als Bedrohung auffassen. Dies, so sagt er, sei auch heute noch bei den Aktionen in den Ebola-Gebieten der Fall. Merziger informiert sich via Internet über die Berichterstattung der örtlichen afrikanischen Medien zu dem Thema und liest auf Blogs der Hilfsorganisationen Live-Berichte aus den Einsatzgebieten. "Manchmal wird die Hilfe vor Ort als Fortsetzung der Kolonialisierung oder als schwarze Magie westlicher Mediziner wahrgenommen", erklärt der Wissenschaftler. Als Beispiel nennt er eine Karikatur in einer liberianischen Zeitung, die Ärzte mit Gewehren zeigte, die auf eine symbolische Ebola-Darstellung schossen. Die Mediziner seien bei den Einheimischen als Aggressoren gesehen worden.

"Hilfsaktionen sind oft nur auf den ersten Blick unproblematisch, weil man Gutes tut, die Menschen vor Ort das aber oft anders wahrnehmen", erläutert er. Die mediale Seite der Arbeit von Hilfsorganisationen untersucht Merziger auch mit seinen Studierenden. Trotz aller Schattenseiten, die dabei zutage treten, möchte er ihnen aber auch eine Botschaft vermitteln: In den Hilfsorganisationen arbeiten "unglaublich engagierte Menschen". Allerdings, schränkt er ein, müsse man sich der Grenzen der Arbeit dieser Organisationen bewusst sein.

Weitere Informationen:

Juniorprof. Dr. Patrick Merziger
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft
Telefon: +49 341 9735715
E-Mail: patrick.merziger@uni-leipzig.de
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