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Wärmstes Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen Zeit zu handeln

28.01.2015 - (idw) Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur

2014 zeigt eine weitere traurige Klimabilanz mit 0.68°C über dem langjährigen Durchschnitt ist 2014 weltweit gesehen das wärmste Jahr seit Messbeginn, dies zeigen die kürzlich veröffentlichten Zahlen der «National Oceanic and Atmospheric Administration» (NOAA). 50 Expertinnen und Experten haben sich im Januar an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur getroffen, um die Messung, Kennzeichnung und Kommunikation von Nachhaltigkeit im alpinen Tourismus zu diskutieren. Der Winter 2014/15 startete mit sehr warmen und trockenen Verhältnissen, viele Schneesportdestinationen in den Alpen und in Nordamerika waren mit einem ungewöhnlich späten Saisonstart konfrontiert. Dies führte zu beträchtlichen wirtschaftlichen Einbussen während der Weihnachtszeit, welche für viele Schneesportdestinationen eigentlich die geschäftigste Zeit des Jahres ist. Rund 75 Prozent der Treibhausgasemissionen im Alpentourismus entstehen durch Mobilität der Gäste. Etwa 20 Prozent entstehen durch Gebäude wie Hotels und Restaurants und etwa 5 Prozent durch die Betreibung der Skilifte, Pistenarbeiten und die Beschneiung. Neue nachhaltige Geschäftsmodelle müssen gemeinsam mit allen Akteurinnen und Akteuren einer Destination entwickelt und umgesetzt werden.

Mehr Zusammenarbeit notwendig
Das erste Internationale Symposium zu Messung, Kennzeichnung und Kommunikation von Nachhaltigkeit im Alpentourismus wurde vom 15. bis 17. Januar 2015 in Chur (Schweiz) durchgeführt. Rund 50 regionale und internationale Expertinnen und Experten aus allen Bereichen der touristischen Wertschöpfungskette haben sich an der HTW Chur getroffen. Im Vorfeld des Symposiums wurde eine Umfrage mit den eingeladenen Tourismus-Experten und -Expertinnen durchgeführt. Die Resultate zeigten, dass 96 Prozent der 78 Umfrage-Teilnehmenden stärkere Zusammenarbeit, bessere Kommunikation, konkretere Bewertungsmassstäbe und bessere politische Unterstützung fordern, um die Nachhaltigkeit des Alpentourismus zu verstärken. Etwa 50 Prozent haben bereits eine Nachhaltigkeitsstrategie in ihrem Unternehmen umgesetzt. Mehr als 30 Prozent messen die ökologischen Auswirkungen; etwa 25 Prozent messen die sozialen Auswirkungen wogegen mehr als 90 Prozent diese gemessenen ökologischen und sozialen Auswirkungen nach aussen kommunizieren. Audits wie ISO 14001 oder EMAS sind die am häufigsten verwendeten Instrumente, gefolgt von Carbon Footprinting.

«Wir sind verantwortlich»
In seiner Eröffnungsrede erklärte Jürg Kessler, Rektor der HTW Chur, den Nachhaltigkeitsansatz der Hochschule: «Wir sind dafür verantwortlich, dass genügend Ressourcen für die kommenden Generationen zur Verfügung stehen, damit diese dankbar für unsere Entscheidungen sind. Wir müssen nicht kurzfristige Gewinne erzielen, sondern eine langfristig erfolgreiche Geschäftsentwicklung anstreben, damit die zukünftigen Generationen stolz auf uns sind. Lassen Sie uns Architekten und Architektinnen für eine bessere Welt sein!»

Nicolas Evrard, Bürgermeister von Servoz/Charmonix-Valley (Frankreich) und Direktor der Europäischen Vereinigung der Bürgermeister in Berggemeinden, sprach im Anschluss über Nachhaltigkeit und Transparenz. «Es ist nicht möglich in den Bergen zu leben, ohne Anpassungen an den Klimawandel, an die Berge, an alle Herausforderungen, an unsere Konkurrenz. Unsere Strategie ist eine transparente Kommunikation mithilfe des «Flocon Vert» Labels.» Nicolas Evrard hat sich nach seiner Rede mit dem Stadtpräsident von Chur, Urs Marti, getroffen. Beide betonten ihre politische Unterstützung für Nachhaltigkeit im Alpentourismus.

Vergleich der vorhandenen Labels unmöglich
Dr. Tobias Luthe, Professor für Nachhaltigkeitswissenschaft und Leiter Forschung und Dienstleistung am Institut für Tourismus und Freizeit ITF der HTW Chur, präsentierte einen Überblick über die rund 150 bestehende Labels für Nachhaltigkeit im Tourismus, wovon 15 direkt auf den Alpentourismus fokussieren. Ein direkter Vergleich dieser Instrumente ist sehr schwierig, was an den unterschiedlichen Indikatoren, der Messung von verschiedenen Parametern und den ungleichen Systemgrenzen liegt. Deshalb wurde ein funktioneller, qualitativer Vergleich präsentiert.

Luthe präsentierte Nachhaltigkeit als Gleichgewicht des «Triple Bottom Line»-Konzeptes, der ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte. Ökosysteme müssen als primäre Ressourcen besonders geschützt werden. Technologie ist ein Schlüssel, um soziale und ökonomische Bedürfnisse befriedigen zu können, und dabei die ökologischen Grenzen einzuhalten. Kulturelle Unterschiede müssen verstärkt berücksichtigt werden beim Versuch, ein solches Gleichgewicht zu finden. Insgesamt ist der wichtigste Bereich der Nachhaltigkeit die Partizipation der Menschen, vom öffentlichen Diskurs über einzelne Massnahmen bis hin zur politischen Unterstützung.

Grünes Label als Wettbewerbsvorteil
Tom Breckwoldt, Country Manager Deutschland, Österreich und Schweiz von Trip Advisor, präsentierte das Green Leader Programm, welches mit 8000 Objekten das grösste grüne Hotelprogramm mit über 40'000 grünen Bewertungen ist. In den USA erreichten die Green Leader Program-Hotels eine 20 Prozent höhere Bewertung als Hotels ohne dieses Label. Dies beweist, dass Kundinnen und Kunden sich wirklich für Nachhaltigkeit interessieren und dass ein Label ein Wettbewerbsvorteil für ein Unternehmen sein kann.

Radikale Änderung eines Geschäftsmodelles
Ein Höhepunkt dieses Symposiums war die Exkursion in die Destination Flims Laax. Dort gewährte die Symposium-Partnerin Weisse Arena Gruppe (WAG) Einblicke in ihr «Green Style»-Konzept, ein Nachhaltigkeitsprogramm, welches in den Alpendestinationen in seiner Ganzheitlichkeit zurzeit führend ist. Reto Gurtner, CEO der WAG, erwähnte beispielsweis das Wasserkraft-Heizsystem des Rocks Resorts. «Globalisierung und Vernetzung verändern die traditionellen Geschäftsmodelle radikal. Ich ziehe es vor, zwei Schritte vorauszugehen anstatt zu warten und zu sehen was passiert.» Gurtners Ziel ist es, ein energieautarkes Resort mit null Emissionen zu werden.

Neue globale Allianz für Nachhaltigkeit im Alpentourismus
Im Rahmen dieses Symposiums wurde die «Sustainable Mountain Tourism Alliance» (SMTA) gegründet, eine Mitglieder basierte Vereinigung mit den Hauptzielen Personen, Gruppen und Organisationen, die im Bereich Nachhaltigkeit im alpinen Tourismus engagiert sind, zu einem neuen Netzwerk zu verbinden. Ein gemeinsamer Standard soll erreicht werden, wie Nachhaltigkeit gemessen, gekennzeichnet und kommuniziert werden kann. Die Vorstandsmitglieder der SMTA sind Steward Sheppard, Laurent Burget, Klaas van Hoek, Aukje van Gerven und Tobias Luthe. Das 2. SMTA Symposium wird im Januar 2016 in der Schweiz oder in Frankreich stattfinden.

SMTA-Ziele
Die Workshops und Diskussionen des Symposiums haben eine Reihe von gemeinsamen Zielen ergeben:
- Austausch bewährter Vorgehen im Bereich Nachhaltigkeit im Alpentourismus
- Verbesserung der Kommunikation über gemeinsame Plattformen und Bewusstseinsförderung
- Die Problematik der hohen Emissionen des Transport-Sektors und deren Messung in den Destinationskontext setzen
- Stärkerer Einbezug von Gästen, Einwohnerinnen und Einwohnern sowie Gemeinden
- Das Thema Nachhaltigkeit soll Spass machen

- Erarbeitung und Umsetzung eines ökologischeren alpinen Tourismusproduktes
- Fokus nicht nur auf Umweltfaktoren, sondern auch auf soziale und kulturelle Aspekte
- Kundenerwartungen bezüglich Labels besser verstehen

Die detaillierten Ergebnisse des Symposiums werden in einem White Paper von der HTW Chur in den nächsten Wochen veröffentlicht.

Weitere Auskünfte:
Luthe Tobias , Prof., Dr. phil., Dipl. Forstw., M.A. Sust.Educ.
Tel. +41 (0)81 286 39 81
Fax +41 (0)81 286 39 49
tobias.luthe@htwchur.ch

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