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Hosenfeld/Szpilman-Preis für polnischen Strafrechtler

28.01.2015 - (idw) Leuphana Universität Lüneburg

Der Hosenfeld/Szpilman-Gedenkpreis der Leuphana Universität Lüneburg geht in diesem Jahr an Dr. Witold Kulesza. Der polnische Professor für Strafrecht erhält die Auszeichnung in Anerkennung seines Lebenswerks. Kulesza habe sich seit mehr als 40 Jahren unermüdlich mit den Verbrechen totalitärer Systeme und deren geschichtlicher Aufarbeitung auseinandergesetzt, so die Jury. Der Preis erinnert an den Lehrer und Wehrmachtsoffizier Wilm Hosenfeld und den Pianisten und Komponisten Wladyslaw Szpilman. Hosenfeld hatte Szpilman 1944 im Warschauer Ghetto kennengelernt. Er rettete ihn vor dem Vernichtungslager Treblinka und damit vor dem sicheren Tod. Der polnisch-französische Regisseur Roman Polanski verfilmte diese authentische Geschichte in dem Holocaust-Drama Der Pianist. Der Preis wird alle zwei Jahre am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus vergeben. Er ist in diesem Jahr mit 7.500 Euro dotiert.

Erstmalig wird mit dem Hosenfeld/Szpilman-Gedenkpreis ein Lebenswerk ausgezeichnet. Nicht nur in seinem wissenschaftlichen Werk, sondern auch als Leiter nationaler polnischer Einrichtungen zur Aufarbeitung der Vergangenheit ist Kulesza als Mahner gegen das Vergessen und die Ignoranz gegenüber Justizverbrechen eingetreten. Dabei hat er sich besonders für den deutsch-polnischen Austausch eingesetzt. Unter anderem hat er die Geschichte Wilm Hosenfelds in Polen bekanntgemacht. Während seiner Zeit als polnischer Generalstaatsanwalt entschuldigte sich Kulesza bei der Familie Hosenfeld dafür, dass der polnische Staat den Retter Szpilmans nicht aus sowjetischer Gefangenschaft befreit hat. Sein Engagement führte dazu, dass Wilm Hosenfeld posthum als Gerechter unter den Völkern geehrt wurde.

Die Preisverleihung wird unterstützt durch die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft.

Zur Person:
Witold Kulesza (Jahrgang 1950) ist Professor für Strafrecht an der Universität ód. Seit nunmehr 42 Jahren arbeitet er an der Fakultät für Recht und Verwaltung, seit 1992 leitet er die Abteilung für materielles Strafrecht. Seit seinem Studienabschluss im Jahr 1973 arbeitete Prof. Kulesza mit der Bezirkskommission zur Verfolgung von Verbrechen gegen die Polnische Nation zusammen, deren Vorsitzender er in den Jahren 1994-1998 war. Von 1998-2006 leitete er die Hauptkommission der Untersuchungsabteilung des Instituts für Nationales Gedenken (poln. Instytut Pamici Narodowej, IPN). In diesem Rahmen leistete er einen wesentlichen Beitrag zur gemeinsamen Aufarbeitung der deutsch-polnischen Geschichte. Für sein großes Engagement wurde er 2001 mit dem Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 2004 erhielt er außerdem das Offizierskreuz der Ungarischen Republik, 2010 ehrte ihn die Republik Polen mit dem Kavalierskreuz der Republik Polen.

Prof. Kulesza hat mehr als 80 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht. Die meisten beschäftigen sich mit Fragen der strafrechtlichen Grenzen, der Freiheit von Menschen sowie mit Verbrechen in totalitären Systemen. Persönlich und als Jurist beschäftigt er sich insbesondere mit Menschenrechten und deren Durchsetzung. Sein neuestes, 2013 in Polen erschienenes Buch Crimen laesae iustitiae setzt sich mit 6.000 Justizmorden in der stalinistischen Ära auseinander. Das Buch wird in Polen bislang weitgehend ignoriert, weil es noch immer politische Tendenzen gibt, über diese Verbrechen zu schweigen.

Hintergrund:
Der Hosenfeld/Szpilman-Gedenkpreis wurde im Jahr 2005 erstmals verliehen.
Mit der Vergabe des Preises soll des Lehrers und Wehrmachtsoffiziers Wilm Hosenfeld und des Pianisten und Komponisten Wladyslaw Szpilman gleichermaßen gedacht werden. Weil die Ehrung der Retter zugleich eine Ehrung der Geretteten bedeuten muss, ist das thematische Spektrum der auszuzeichnenden Projekte sowohl am ethischen Widerstandshandeln zur Zeit des Nationalsozialismus als auch an den beruflichen Tätigkeiten von Wilm Hosenfeld und Wladyslaw Szpilman orientiert.

Eingereicht werden konnten musikwissenschaftliche Untersuchungen, Forschungsarbeiten aus den Kultur- und Geisteswissenschaften und Untersuchungen aus pädagogischer Perspektive. Weitere Informationen:http://www.leuphana.de/gedenkpreis
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