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Neue Perspektiven auf die europäische Aufklärung

28.01.2015 - (idw) Universität Augsburg

Ein DFG-Projekt zur Neuverortung der Autorin Marie Leprince de Beaumont in den intellektuellen und religiösen Debatten des 18. Jahrhunderts (1711 - 1780) zählte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu den am meisten gelesenen Autorinnen in Frankreich und in ganz Europa. Von der Forschung bislang wenig beachtet und eher der Gegenaufklärung zugerechnet, steht sie jetzt im Mittelpunkt eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts am Augsburger Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft. "Wir sind überzeugt", so die Lehrstuhlinhaberin und Projektleiterin Prof. Dr. Rotraud von Kulessa, "dass wir der Aufklärungsforschung durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Werk de Beaumonts neue Perspektiven eröffnen können."

Dieses Werk, in dem das Recht auf Bildung sowohl Geschlechter- als auch Standesgrenzen überschreitet, reflektiert den Glauben der Autorin an den Fortschritt und an die Perfektibilität des Menschen. Es fügt sich zum aufklärerischen Anspruch und Anliegen der Enzyklopädisten, die zeitgenössischen Wissensbestände breitesten Bevölkerungsschichten zu vermitteln. Zugleich kämpft de Beaumont für das Recht der Frauen auf Wissen und intellektuelle Gleichstellung. Sie problematisiert in ihrem Werk mehrfach die Frage der sozialen Hierarchien und stellt Forderungen, wie die nach Freiheit und Gleichheit. Damit erweist Marie Leprince de Beaumont sich als aufklärerische Protagonistin in den intellektuellen und religiösen Debatten ihrer Zeit.

Eine Vertreterin der Gegenaufklärung?

Gleichwohl wird sie als Vertreterin der katholischen Apologetik von der Forschung bislang der Gegenaufklärung zugerechnet. "Mit diesem Widerspruch", so von Kulessa, "wirft der Fall Marie Leprince de Beaumont in ganz besonderem Maß die Frage nach den Wertehierarchien der französischen und europäischen Aufklärung auf und darüber hinaus die Frage nach deren Auswirkungen auf die heutige französische und europäische Gesellschaft."

Bereits vor gut einem Jahr hatte von Kulessa, Expertinnen und Experten zu einem internationalen Kolloquium zum Thema "Marie Leprince de Beaumont - une éducatrice des Lumières" nach Augsburg eingeladen. Das DFG-Projekt sieht nun eine Reihe von Folgetagungen und von Dissertationsprojekten vor sowie die Herausgabe von Originaltexten und den Aufbau eines virtuellen Marie Leprince de Beaumont-Museums.

Das Konzept der Aufklärung in neuem Licht

"Wir wollen zur Rehabilitierung einer bis heute von der Forschung vernachlässigten, unserer Auffassung nach allerdings enorm wichtigen Autorin des 18. Jahrhunderts beitragen und damit dann auch eine Revision des literarischen Kanons der Epoche der Aufklärung anstoßen", erläutert von Kulessa. Ein transkultureller Zugang zu dieser Autorin und ihrem Werk sei geeignet, das Konzept der Aufklärung in Frankreich und Deutschland insgesamt zu überdenken und es in einem neuen Licht zu sehen.

Augsburg-Nancy-Kooperation

Projektpartnerin der Augsburger Ordinaria für Romanische Literaturwissenschaft ist Prof. Dr. Catriona Seth von der Université de Lorraine (Nancy). Mit Seth gemeinsam leitet von Kulessa seit gut zwei Jahren auch den Studiengang Europäische Kommunikationskulturen vom Zeitalter der Aufklärung bis in die Gegenwart - ein binationales Master- und Promotionsprogramm, das von der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) gefördert wird. Von Kulessa: "Wenn wir unser DFG-Projekt jetzt gemeinsam in Angriff nehmen, können wir also auf bereits etablierte Kooperationsstrukturen zurückgreifen, die wir nicht nur im Bereich der Forschung, sondern auch mit Blick auf die dezidiert forschungsnahe Lehre in unserem deutsch-französischen Studiengang weiter ausbauen werden."

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Kontakt:

Prof. Dr. Rotraud von Kulessa
rotraud.kulessa@phil.uni-augsburg.de

Prof. Dr. Catriona Seth
catriona.seth@univ-lorraine.fr
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