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Präsentation des WorldRiskIndex mit Schwerpunkt urbane Räume in New York

30.01.2015 - (idw) Universität Stuttgart

Urbanisierung: Treiber von Risiko oder Chance für Resilienz? Derzeit bereiten sich Regierungen und Organisationen der Vereinten Nationen auf die zentralen Weltkonferenzen im Jahr 2015 vor, darunter die Weltkonferenz für Katastrophenvorsorge im März 2015, die neuen Nachhaltigkeitsziele sowie die Klimakonferenz in Paris im Dezember. Vor diesem Hintergrund präsentierten die Autoren des WeltRisikoBerichts, darunter Prof. Jörn Birkmann von der Universität Stuttgart und Dr. Matthias Garschagen von der Universität der Vereinten Nationen, am 29. Januar 2015 in New York neue Erkenntnisse über globale Risiken und insbesondere Risiken in städtischen Räumen. Die Präsentations- und Diskussionsveranstaltung wurde von den Ständigen Vertretungen Deutschlands und Indonesiens in New York bei den Vereinten Nationen gemeinsam organisiert.

Der Welt-Risiko-Bericht 2014 und der Welt-Risiko-Index bieten einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag für die Vorbereitung von mehreren zentralen UN-Konferenzen, die im Jahr 2015 und 2016 stattfinden. Der Bericht unterstreicht die zentrale Rolle von Risiko-Reduktion für die Vermeidung von Katastrophen sowie für die Minderung negativer Konsequenzen. Die Ergebnisse und Empfehlungen sind von direktem Nutzen für die Weltkonferenz für Katastrophenvorsorge, die Weltkonferenz zur Post 2015 Agenda für nachhaltige Entwicklung, die Konferenz über eine neue Klimarahmenkonvention sowie die Konferenz für Wohnen und nachhaltige urbane Entwicklung (HABITAT III). Wir sind den Forschern und Autoren des Welt-Risiko-Berichts dankbar und freuen uns, diese Ergebnisse heute in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen in New York zu präsentieren und zu diskutieren, so Botschafter Harald Braun - Ständiger Vertreter Deutschlands bei den Vereinten Nationen - aus Anlass der Präsentation des Welt-Risiko-Berichts 2014.

Der in New York diskutierte Welt-Risiko-Bericht beinhaltet im Kern einen Welt-Risiko-Index, welcher das Risiko für verschiedene Länder ermittelt, Opfer einer Katastrophe zu werden, die durch Naturgefahren und den Klimawandel sowie durch Vulnerabilität von Menschen und ihrer Infrastruktur bedingt sind. Die Ergebnisse zeigen, dass die Menschen besonders hohen Risiken ausgesetzt sind, die gegenüber hydrologischen, meteorologischen, geologischen und klimatischen Gefahren wie Hochwasser, Dürren, Stürmen und Erdbeben sowie Meeresspiegelanstieg exponiert sind und zudem eine hohe Vulnerabilität und eine geringe Bewältigungskapazität gegenüber diesen Gefahren aufweisen.

Basierend auf einem modularen Ansatz ermittelt der WeltRisikoIndex Risiken anhand von vier Komponenten: der Gefahrenexposition, der Anfälligkeit, der Bewältigungskapazität und der langfristigen Anpassungskapazität von Gesellschaften. Ob Gefahren und extreme Naturereignisse zu einem Risiko für die Menschen werden, hängt nicht alleine von ihrer Intensität ab. Entscheidend ist auch, wie verletzlich beziehungsweise vulnerabel die Gesellschaft ist, auf die sie treffen und wie gut diese sich an aktuelle beziehungsweise künftige Gefahrenlagen anpassen kann, erklärt Prof. Jörn Birkmann, Direktor des Instituts für Raumordnung und Entwicklungsplanung Stuttgart (IREUS) der Universität Stuttgart. Deshalb fokussiert der Welt-Risiko-Index neben der Gefährdung eines Landes durch Naturgefahren (Exposition) auch die Vulnerabilität, also die Verletzlichkeit einer Gesellschaft.

Die in der neuen Ausgabe des Welt-Risiko-Berichts erstmals durchgeführte Risikoanalyse für urbane Räume folgt dem Ziel, globale Gefährdungs-, Vulnerabilitäts- und Risikomuster für städtische Räume in Industrie- und Entwicklungsländern abzubilden, um die Dringlichkeit von Risikominderungs-strategien aufzuzeigen. Als besonders hoch erwies sich dabei das urbane Risiko in der Karibik, in Zentralamerika sowie in den Pazifikstaaten Südamerikas. Auch Teile Südosteuropas und Südostasiens sowie Japan haben ein hohes Risikopotenzial. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Urbanisierung nicht per se ein Treiber von Risiken ist. Vielmehr kann Urbanisierung auch neue Möglichkeiten eröffnen, Risiken in Städten zu mindern. Die hohe Dichte von Städten beispielsweise bietet die Möglichkeit, Schutzinfrastrukturen mit einer hohen Effizienz zu errichten sowie auch bestimmte Katastrophenreaktionskapazitäten aufzubauen, sagt Dr. Matthias Garschagen von der Universität der Vereinten Nationen Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit, ein Co-Autor des Berichts. Inwieweit man diese Möglichkeiten der Urbanisierung auch nutzt und ob urbanes Wachstum primär ein Treiber von Risiken ist, entscheidet sich unter anderem anhand der Qualität von Risiko-Governance-Ansätzen in den entsprechenden Ländern und Städten.

Risiko Städtewachstum
Die Indexergebnisse zeigen, dass Länder mit den höchsten urbanen Risikowerten häufig Länder sind, in denen das Städtewachstum besonders rapide verläuft und staatliche sowie nicht-staatliche Akteure nur geringe Kapazitäten haben, auf das schnelle Wachstum zu reagieren und Anpassungskapazitäten zu steigern beziehungsweise Vulnerabilität zu reduzieren. Vergleicht man die nationalen Risikoindexwerte mit den urbanen Risikoindexwerten pro Land, so zeigt sich, dass die Risikoverteilung deutlich unterschiedlich ist. Demnach sind bei den urbanen Risiken nicht nur Entwicklungsländer betroffen, sondern auch Industrienationen wie die USA und Australien. Dies liegt unter anderem daran, dass zahlreiche Städte in diesen Ländern in Gebieten gebaut sind, die gegenüber Extremereignissen, Naturgefahren und dem Klimawandel sehr exponiert sind, wie zum Beispiel in Küstenzonen.

Der Bericht der vom Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen und dem Bündnis Entwicklung Hilft herausgegeben wird, bietet auch konkrete Empfehlungen für Risiko-Reduktionsstrategien. Der WeltRisikoIndex ist ein wichtiges Instrument für uns, um wissenschaftliche Erkenntnisse auch zu politischen Entscheidungsträgern zu kommunizieren und um Empfehlungen für internationale Verhandlungen zu formulieren, so Prof. Jakob Rhyner, Vize-Rektor der UN-Universität in Bonn. Auch Peter Mucke, Leiter von Bündnis Entwicklung Hilft, unterstreicht: NGOs in der Praxis und im Feld können den Bericht als wichtiges Werkzeug benutzen um für die Verknüpfung von Katastrophenhilfe einerseits mit langfristigen Entwicklungsstrategien andererseits zu werben, insbesondere in Ländern des globalen Südens.
Die Ergebnisse des Berichts zeigen die Notwendigkeit auf, dass Strategien zur Katastrophenvorsorge und Anstrengungen für die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen in den Risikohotspots mit Priorität angegangen werden müssen. Zudem unterstreichen die Ergebnisse, dass es erhebliche Synergien zwischen Aktivitäten und Strategien zur Risiko-Reduktion, zur nachhaltigen Entwicklung und zur Klimaanpassung gibt, die stärker genutzt werden müssen. Darüber hinaus, sind die spezifischen Faktoren und Treiber von Risiken anzugehen, die durch den WeltRisikoIndex veranschaulicht werden. Während in einigen Ländern die Exposition von urbanen Räumen besonders hoch ist und neue Schutzstrategien erfordert, sind in anderen Ländern die rapiden Urbanisierungsprozesse ein zentraler Treiber von Risiken. Hier sind formelle und informelle Planungsansätze zu stärken, die insbesondere urbane Entwicklungen besser beeinflussen können und auch die Vulnerabilität von Menschen gegenüber Extremereignissen und Naturgefahren mindern.


Die Ergebnisse des Risiko-Index auf nationaler Ebene und auf der Ebene urbaner Räume macht deutlich, dass die bisherigen Förderinstrumente für Risikoreduktion, nachhaltige Entwicklung und die Klimawandelanpassung integrativer und vernetzter ausgestaltet werden müssen. Dabei könne es nicht nur darum gehen, durch die Fördermittel Beobachtungs- und Monitoringinstrumente für Gefahren und Umweltwandel zu finanzieren. Ebenso wichtig sei die Förderung von Mechanismen, die auch Qualitäten im Bereich von Risk-Governance und inklusiver Politiken fördern,
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