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Abschlussveranstaltung der wissenschaftlichen Begleitung mobiler gerontopsychiatrischer Beratung

09.02.2015 - (idw) Technische Universität Dortmund

Die Versorgung von Menschen mit Demenz im häuslichen Umfeld ist in vielerlei Hinsicht eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Pflegende suchen sich aus den unterschiedlichsten Gründen und trotz hoher Belastungen selten Rat und Hilfe. Gleichwohl zeigen wissenschaftliche Untersuchungen wie auch die Praxis, dass Beratung als Schlüssel für die Inanspruchnahme von Entlastungsangeboten gilt. Hier setzt die mobile Demenzberatung des Rhein-Erft-Kreises Für Sie ins Quartier an. Seit 2013 existiert Für Sie ins Quartier als mobile Anlaufstelle für Ratsuchende, damit diese ihre persönliche Situation mit qualifizierten Beraterinnen und Berater besprechen und sich über das Thema Demenz informieren können. Ein speziell ausgestattetes Beratungsfahrzeug fährt in regelmäßigen Abständen verschiedene Standorte im Rhein-Erft-Kreis an. Der mobilen Beratung kommt dabei eine wichtige Lotsenfunktion zu, um den Betroffenen den Zugang zu vorhandenen Versorgungs- und Unterstützungsangeboten zu erleichtern. Zudem soll die Präsenz des Beratungsfahrzeugs zur Enttabuisierung des Themas Demenz in der Öffentlichkeit beitragen.

Um die Erfahrungen mit einem solchen innovativen Angebot systematisch aufzuarbeiten, wird Für Sie ins Quartier von der TU Dortmund, Lehrgebiet Soziale Gerontologie mit dem Schwerpunkt Lebenslaufforschung, und der Forschungsgesellschaft für Gerontologie e.V. im Rahmen der Zukunftswerkstatt Demenz des Bundesministeriums für Gesundheit wissenschaftlich begleitet. Unter Verwendung sozialwissenschaftlicher Methoden wurde eine Fülle von Daten und Informationen gesammelt, die sich auf die Inanspruchnahme der mobilen Beratung ebenso beziehen wie auf die Auswirkungen dieser Beratung auf die Lebensqualität von pflegenden Angehörigen und Menschen mit Demenz.

Die Ergebnisse dieser Erhebungen wurden nun im Rahmen einer Abschlussveranstaltung am 2. Februar der Fachöffentlichkeit im Kreishaus des Rhein-Erft-Kreises vorgestellt. Nach der Eröffnung durch Landrat Michael Kreuzberg stellte Anton-Josef Cremer (Sozialdezernent des Rhein-Erft-Kreises) den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die vielfältigen Aktivitäten des Demenznetzwerks im Rhein-Erft-Kreis vor. In seinem Impulsvortrag ging Prof. Gerhard Naegele (Direktor des Instituts für Gerontologie an der TU Dortmund) im Anschluss auf die wichtige Rolle der Kommunen in der pflegerischen Versorgung ein und lobte den Rhein-Erft-Kreis für dessen zahlreiche Aktivitäten in diesem Bereich.

Mobile Beratung wird international in verschiedenen Themenfeldern eingesetzt und spricht vor allem diejenigen an, denen die Inanspruchnahme von institutionellen Beratungsangeboten schwerfällt, berichtete Prof. Monika Reichert dem Plenum. Sie stellte Ergebnisse der Literaturanalyse und der Expertengespräche vor und zeigte auf, dass für die Etablierung einer mobilen Demenzberatung umfangreiche Vorarbeiten geleistet werden müssen. Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen des Projekts, Verena Reuter und Sarah Hampel, gingen in ihrem Vortrag u.a. auf die Frage ein, mit welchen Anliegen Ratsuchende die mobile Beratung aufsuchen, welche Standorte geeignet sind, welche Hemmschwellen einer Inanspruchnahme möglicherweise entgegenstehen und wie sich die Beratung auf das subjektive Empfinden und den Pflegealltag der Ratsuchenden auswirkt. Die meisten Ratsuchenden nehmen die mobile Beratung in Anspruch, weil sie im eigenen familiären Umfeld mit dem Thema Demenz konfrontiert sind. Überraschend viele suchen jedoch auch die Beratung mit dem Verdacht auf eine eigene dementielle Erkrankung auf. Die mobile Beratung stellt eine wichtige Anlaufstelle für die Ratsuchenden dar und trägt für die Nutzerinnen und Nutzer wesentlich zu ihrer Entlastung bei.

Bis Ende 2014 wurden mittlerweile 506 Beratungen im Fahrzeug dokumentiert. Ein besonderes Merkmal des Projekts ist die Zusammenarbeit von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen im Beraterteam, die von allen Beteiligten als gewinnbringend eingestuft wurde. Nicht nur ländliche Regionen, sondern auch Landkreise, in denen es wenig Informationen für pflegende Angehörige gibt, oder Randbezirke von größeren Städten können nach Einschätzung der wissenschaftlichen Begleitung von einer mobilen Demenzberatung profitieren.


Ansprechpartnerin:
Prof. Monika Reichert
Technische Universität Dortmund
Fakultät 12 - Erziehungswissenschaft und Soziologie
Lehrstuhl für Soziale Gerontologie mit dem Schwerpunkt Lebenslaufforschung
E-Mail: mreichert@fk12.tu-dortmund.de Weitere Informationen:http://www.mobidem.tu-dortmund.dehttp://www.fuer-sie-ins-quartier.de
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