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Neue Systembiologie-Entwicklung - EMI-CD: Europäische Initiative zur Bekämpfung komplexer Erkrankung

14.02.2004 - (idw) Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Anfang des Jahres ist das neue von der Europäischen Union im Rahmen des sechsten Rahmenprogrammes geförderte Forschungsprojekt "EMI-CD" gestartet. Das Projekt unter der Leitung von Wissenschaftlern aus der Abteilung Lehrach am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin beschäftigt sich mit der computergestützten Modellierung von Prozessen, die bei der Entstehung von komplexen Erkrankungen (wie z.B. Typ-II-Diabetes oder Krebs) eine Rolle spielen. Die Forscher verwenden hierbei experimentell gewonnene Daten, um daraus am Computer die molekularbiologischen Abläufe nachzubilden, deren Störungen zur Entstehung von Krankheiten führen.

Das in internationaler Kooperation durchgeführte Projekt wird von Wissenschaftlern führender Forschungseinrichtungen und Bioinformatikfirmen bearbeitet. Beteiligt an dem Projekt sind die folgende Institute und Firmen:
* Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, Berlin, Deutschland
* Tel-Aviv Universität, Israel
* European Bioinformatics Institute, Hinxton, Großbritannien
* LION Bioscience Ltd., Cambridge, Großbritannien
* MicroDiscovery GmbH, Berlin, Deutschland.

Das Verständnis der biologischen Prozesse, die bei komplexen Erkrankungen eine Rolle spielen, stellt einen wesentlichen Schritt bei der Entwicklung von neuen Medikamenten, Diagnoseverfahren und Therapien dar. Die computergestützte Nachbildung dieser Prozesse "in silico", das Modellieren dieser Prozesse im Computer, verkürzt den Entwicklungsprozess und ermöglicht die zielgerichtete Entwicklung neuer Verfahren. Das Modellieren von Krankheitsabläufen ist ein Forschungsansatz, der experimentelle Daten aus verschiedenen Quellen integriert und miteinander verknüpft. Die europäische Modellierungsinitiative arbeitet insbesondere an Lösungen zur Datenintegration. So werden Daten aus der funktionellen Genomforschung über die Aktivität eines Gens (Genexpressionsdaten) oder Daten, die die Bildung von Proteinen widerspiegeln (Proteinexpressionsdaten), sowie weitere Daten, die sich aus der Nukleinsäuresequenz, der Physiologie und Umweltfaktoren ableiten lassen, in diesem systembiologischen Ansatz miteinander verknüpft. Ziel ist es, auf der Grundlage von "in silico" Vorhersagen, Hypothesen und Modelle für wichtige Krankheitsprozesse zu schaffen.

Schon heute kann dieses Projekt als richtungsweisend für die künftige funktionelle Genomforschung angesehen werden. In Zukunft werden sich immer mehr Wissenschaftler mit der computergestützten Interpretation experimenteller Daten beschäftigen, um mit der gleichen Aussagekraft Experimente anstatt im Labor mit Hilfe der Computersimulation durchführen zu können. Die Bioinformatik stellt dabei eine Schlüsseltechnologie der modernen medizinischen und pharmakogenetischen Forschung dar.

Projektleiter: Dr. Ralf Herwig, herwig@molgen.mpg.de
Kontakt: Dr. Claudia Falter
phone +49-30-8413-1411/1221
fax +49-30-8413-1380
email falter@molgen.mpg.de
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