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Bald Bestattungen in der Rostocker Uni-Kirche?

12.02.2015 - (idw) Universität Rostock

Theologieprofessor erarbeitet Friedhofsordnung für das Gotteshaus

In der Rostocker Unikirche sollen bald Ehrenbegräbnisse für Mitarbeiter der Universität in besonderen Funktionen möglich werden. Theologie-Professor Thomas Klie, der im Ehrenamt als Universitätsprediger agiert, erarbeitet dafür derzeit eine Friedhofsordnung. Diese Art der Bestattung hat den Hauch von Exklusivität und soll nicht zum Nulltarif zu haben sein, sagt Prof. Klie. Die Universität erwarte eine erkennbare Spende zum Erhalt der universitären Kunstschätze. Bereits im Mittelalter wurde in der Klosterkirche, also der heutigen Unikirche, bestattet. Sie ist ein Kleinod, steht nahe dem Unihauptgebäude, im Herzen der Hansestadt Rostock. Die einzige Universitätskirche Ostdeutschlands ist 850 Jahre alt. Anders als in einem Gotteshaus von Kirchgemeinden gibt hier Universitätsprediger Thomas Klie, Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät der Alma Mater, den Ton an. Das aber macht er ehrenamtlich. So ist es im Güstrower Staatskirchenvertrag besiegelt.
Prof. Klie ist somit für die Bespielung der Kirche zuständig. Er achtet immer wieder darauf, dass sich Veranstaltungen mit der Würde des sakralen Raumes und den Interessen der Universität vereinbaren.

Dass dieses Haus auch Klosterkirche war und noch heute ist, in der fromme Frauen einmal die Messe gesungen haben, würdigt Prof. Klie jeden Donnerstag, 6.30 Uhr, in alter klösterlicher Tradition mit einem gregorianischen Frühgebet. Und jeden Mittwoch, 21:30 Uhr, findet ein Nachtgebet statt. Eine Facette der Kirche, die bewusst die klösterliche Tradition aufnimmt und die für diese Veranstaltungen ihr Publikum hat.

In dem viel genutzten Kirchenraum werden Studenten oder ihre Kinder getauft, lassen sich Uni-Mitarbeiter trauen, hier überreichen Magnifizenzen und Spektabilitäten universitäre Urkunden, gibt es Seminare der Theologischen Fakultät, Gastvorträge, Ehrungen und Konzerte. Wenn man so will in einer Kulturkirche akademischen Rechts, sagt Professor Klie.
Doch was hat eine säkulare, staatliche Universität und mit ihr eine wissenschaftliche Theologie, die sich eben nicht in Kirchen, sondern in ganz normalen Forschungsräumen abspielt, von einer Universitätskirche, die sie seit 1899 ist.

Professor Klie hat darauf sofort eine Antwort: Die lange gängige These, in modernen Gesellschaften werde Religion bedeutungslos, habe sich als wenig belastbar erwiesen. Eher Wunschdenken als soziale Realität, betont der Theologe. Die größten Arbeitgeber in MV sind nicht die Werften oder die Windbauer, sondern es ist die Diakonie. Die größte Schule im vermeintlich konfessionslosen Rostock ist ein Christliches Gymnasium. Religion, religiöse Orientierungen und religiöse Institutionen seien laut Klie eine Ressource, auf die das demokratische Leben in der Bundesrepublik in vielfältiger Weise zurückgreife. Religiöse Fragen würden nach wie vor Lebenswelten prägen.
Auch nach dem Tod? Ja, sagt Prof. Klie. Er plant Ehrenbegräbnisse für Mitarbeiter der Universität in besonderen Funktionen in der Kirche als Kolumbarium und erarbeitet dafür gerade eine Friedhofsordnung. Diese Art der Bestattung hat den Hauch von Exklusivität und soll nicht zum Nulltarif zu haben sein, sagt Prof. Klie. Die Universität erwarte eine erkennbare Spende zum Erhalt der universitären Kunstschätze.
Bereits im Mittelalter wurde in der Klosterkirche, also der heutigen Unikirche bestattet. Es gibt viele Nonnengräber. Und hier ist 1489 auch der Gelehrte Heinrich Schone, Professor der Theologie und mehrmaliger Rektor der Uni Rostock begraben.

Gräber sind Speicher der Kultur, sagt Prof. Klie. Auch weite Teile der Altertumsforschung ist Grabforschung. In einer Zeit, die immer schnelllebiger werde, würden Formen des kulturellen Gedächtnisses eine zentrale Bedeutung bekommen, ist Prof. Klie überzeugt. Text: Wolfgang Thiel


Universität Rostock
Theologische Fakultät
Prof. Dr. Thomas Klie
Tel: 0381 498 8435
Mail: thomas.klie@uni-rostock.de
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