Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDienstag, 24. Oktober 2017 

Frankenschock aus eigener Kraft meistern

12.02.2015 - (idw) Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur

Ein Monat ist seit der Aufhebung des Franken-Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank vergangen. Mit direkter Unterstützung aus der Politik ist nicht zu rechnen, entsprechend sind die Schweizer Unternehmen gefordert. Am 4. Forum Mittelstandsforschung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur wurden konkrete Möglichkeiten für Unternehmen diskutiert. Die massive Aufwertung des Schweizer Franken hat vor allem die exportorientierten kleinen und mittleren Unternehmen hart getroffen. «Derzeit deutet alles darauf hin, dass die KMU die schwierige Lage aus eigener Kraft meistern müssen», resümiert Christian Hauser, Professor für Internationales Management an der HTW Chur und Tagungspräsident des Forums Mittelstandsforschung. Aus der Sicht des Experten gibt es verschiedene konkrete Massnahmen, die die Unternehmen ergreifen können, um auf die währungsbedingten Herausforderungen zu reagieren.

Erfolg mit zukunftsgerichteten Massnahmen
In den vergangenen Wochen sahen sich erste Unternehmen gezwungen, mit Lohnkürzungen und Arbeitszeiterhöhung auf die neue Währungssituation zu reagieren. Diese Massnahmen sind jedoch mit Risiken verbunden, da sie die Belegschaft demotivieren können. Sind derartige Schritte dennoch unausweichlich, ist es wichtig, dass die Geschäftsleitung mit gutem Beispiel vorangeht und einen mindestens genauso grossen Verzicht in Kauf nimmt. Langfristig erfolgsversprechender scheint es, zukunftsgerichtete Massnahmen zu ergreifen. So bieten eine technologieverwandte Diversifikation in alternative Marktsegmente und eine Anpassung der bestehenden Internationalisierungsstrategie Möglichkeiten, Märkte mit höheren Margen sowie geographische Regionen, welche weniger von der Aufwertung des Schweizer Franken betroffen sind, zu erschliessen.

Gleichzeitig muss geprüft werden, in welchen Bereichen weitere Optimierungen möglich sind. Etwa bei der Beschaffung oder beim Serviceangebot. Die KMU können versuchen, die Beschaffung aus dem Ausland zu verbessern, indem z.B. nationale Generalimporteure umgangen und alternative Beschaffungswege in der Eurozone gesucht werden. Auch mit dem Ausbau des Serviceangebotes kann der preislichen Wettbewerbsverschlechterung begegnet werden. Konkret kann dies beispielsweise durch die Verlängerung der Garantiezeit für eigene Produkte sowie die Aufnahme der unentgeltlichen Installation der Geräte in das Leistungsangebot oder eines kostenfreien After-Sales-Services umgesetzt werden.

Hohe Flexibilität und Langfristorientierung
In seinem Keynote-Vortrag am Forum Mittelstandsforschung liess Carl Elsener, CEO von Victorinox, das Jahr 2001 Revue passieren. Nach 9/11 büsste das Familienunternehmen auf einen Schlag 30 Prozent seines Umsatzes ein. Dennoch gelang es die Krise zu meistern, ohne Mitarbeitende entlassen zu müssen. Das Unternehmen besann sich auf seine Stärken wie hohe Flexibilität und Langfristorientierung und agierte entsprechend. Es reduzierte seine Reserven indem es auf Margen verzichtete, baute Überzeiten ab und produzierte auf Lager in der Überzeugung, dass sich der Markt erholen werde. Zudem verstärkte das Unternehmen seine Innovationsaktivitäten und intensivierte seine Werbemassnahmen sowie die Marktbearbeitung.

Die Umschichtung und Intensivierung von Innovations- und Marketingaktivitäten kann Unternehmen auch in der heutigen Situation zum Erfolg verhelfen. Neben der aktiven Nutzung der Swissness als Verkaufsargument können z.B. Digitalisierungsvorhaben zu Lasten von kostenintensiven Messeteilnahmen vorgezogen werden.

Konjunkturprogramme kein Thema
Aus den Ausführungen von Eric Scheidegger, Stellvertretender Direktor des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO, wurde deutlich, dass der Bund momentan keine konjunkturpolitischen Massnahmen plane, um die Unternehmen auf einzelbetrieblicher Ebene zu unterstützen. Auch der Chefökonom von Economiesuisse, Rudolf Minsch, betonte, dass es derzeit keines Konjunkturprogrammes bedürfe. Das wirtschaftliche Umfeld sei international aktuell deutlich besser als 2011, als die Schweizerische Nationalbank den Franken-Euro-Mindestkurs einführte.

Das Forum Mittelstandsforschung wird von der HTW Chur gemeinsam mit der Universität Siegen und der Wirtschaftsuniversität Wien durchgeführt und fand dieses Jahr vom 8. bis 10. Februar erstmals in der Schweiz statt.


Weitere Auskünfte:
Hauser Christian, Prof. Dr.
Tel. +41 (0)81 286 39 24
Fax +41 (0)81 286 39 29
christian.hauser@htwchur.ch


Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur
Die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur mit ihren rund 1600 Studierenden ist eine regional verankerte Hochschule mit nationaler und internationaler Ausstrahlung. Sie bietet Bachelor-, Master- und Weiterbildungsstudiengänge in den Disziplinen «Ingenieurbau/Architektur», «Informationswissenschaft», «Management», «Multimedia Production», «Technik» sowie «Tourismus» an. Die HTW Chur betreibt in allen Disziplinen angewandte Forschung und Entwicklung, führt Beratungen durch und bietet Dienstleistungen an. Die gesamte Hochschule ist ISO 9001:2008 zertifiziert. Die HTW Chur ist seit dem Jahr 2000 Teil der FHO Fachhochschule Ostschweiz. Als erste öffentliche Schweizer Hochschule ist die HTW Chur 2009 der Initiative der Vereinten Nationen für verantwortungsvolle Ausbildung im Management, den UN Principles for Responsible Management Education, beigetreten. Doch die Geschichte der Hochschule begann bereits 1963 mit der Gründung des Abendtechnikums Chur. Weitere Informationen:http://www.forum-mittelstandsforschung.de - Webseite Forum Mittelstandsforschung

uniprotokolle > Nachrichten > Frankenschock aus eigener Kraft meistern
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/292662/">Frankenschock aus eigener Kraft meistern </a>