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Beginn der ersten AIDS-Impfstoffstudie in Deutschland in Partnerschaft mit IAVI

18.02.2004 - (idw) Robert Koch-Institut

IAVI PRESSEMITTEILUNG

BERLIN, 16. Februar 2004-Eingebunden in eine internationale Partnerschaft beginnen Wissenschaftler in Deutschland die erste klinische Studie zu einem Impfstoffkandidaten zum Schutz vor HIV/AIDS. Ein Präventivimpfstoff wird weithin als beste Hoffnung angesehen, die kontinuierliche Ausbreitung der Epidemie einzudämmen.

Die Studie wird an zwei Standorten durchgeführt: am Universitätsklinikum Bonn und am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg. Die beiden Universitäten sind eine Partnerschaft mit der gemeinnützigen Internationalen AIDS-Impfstoffinitiative (International AIDS Vaccine Initiative (IAVI)), dem Biotechnologie-Unternehmen Targeted Genetics Corp. (an der amerikanischen Börse NASDAQ gelistet unter: TGEN) und dem Kinderforschungsinstitut Columbus Children's Research Institute (CCRI) eingegangen.

Die aufsichtsrechtliche Genehmigung für den Beginn der Studie wurde vom Kommittee für Somatische Gentherapie (KSG) erteilt.

Dr. Jan van Lunzen, Doktor der Medizin, hat die wissenschaftliche Leitung der Studie übernommen. Dr. van Lunzen sagt: "Durch Präventivimpfstoffe wurden die Pocken besiegt, die Kinderlähmung nahezu ausgerottet und Dutzende andere tödliche Krankheiten bekämpft. Mit dieser neuen Studie in Deutschland führen wir die Welt einen Schritt näher an einen Impfstoff heran, der AIDS besiegen wird."

Der in der Studie zu testende Impfstoffkandidat trägt den Namen tgAAC09. Er wurde von Targeted Genetics und CCRI entwickelt. tgAAC09 versucht, Reaktionen des Immunsystems hervorzurufen, um eine Infektion mit HIV und die Ausbildung von AIDS zu verhindern.

IAVI hat die finanzielle Unterstützung für die Forschung und Entwicklung von tgAAC09 übernommen. Dr. Seth Berkley, Doktor der Medizin, Präsident und Vorstandsvorsitzender von IAVI: "Wir freuen uns darüber, dass die führenden Wissenschaftler Deutschlands sich den globalen Bemühungen angeschlossen haben, einen Präventivimpfstoff gegen AIDS zu entwickeln. Ihr Engagement ist wesentlich in unserem Bestreben, die Entwicklung eines Impfstoffes zu beschleunigen."

Die Deutsche AIDS-Stiftung (DAS) begrüßte den Beginn des Versuchs. "Wir können den Kampf gegen AIDS nur dann gewinnen, wenn wir an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen. Während Deutschland auch weiterhin daran arbeiten wird, AIDS mit den bestehenden Mitteln einzudämmen, so müssen wir doch gleichzeitig auch nach neuen Wegen suchen, und dabei nimmt ein Präventivimpfstoff eine führende Rolle ein," so sagt Ulrich Heide, geschäftsführender Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung.

Professor Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts, Berlin, sagt: "AIDS ist die größte medizinische Katastrophe der Neuzeit. Der Start der ersten Phase-1-Studie in Deutschland zeigt, dass hiesige Wissenschaftler weltwelt konkurrenzfähig sind. Ein Erfolg wäre schon, wenn wir einen Impfstoff hätten, der die Anzahl der Viren nach einer Infektion drastisch reduziert."

Die Studie wird nahezu gleichzeitig in Belgien durchgeführt. Sie wird in Deutschland und Belgien zusammengerechnet bis zu 50 Freiwillige umfassen. In der Studie soll die Sicherheit des Impfstoffes tgAAC09 nachgewiesen und untersucht werden, ob die entsprechende Immunantwort hervorgerufen wird. Wenn dies der Fall ist, werden weitere und umfangreichere Versuche mit tgAAC09 erfolgen.

Täglich infizieren sich 14.000 Menschen mit HIV, 95% davon in den Entwicklungsländern. Nach Schätzungen von IAVI befinden sich ungefähr 25 Präventivimpfstoffkandidaten auf sechs Kontinenten in der Phase der klinischen Erprobung. Fünf dieser Impfstoffkandidaten wurden mit Unterstützung von IAVI aus der Konzeptphase in die Versuchsphase überführt.

Ansprechpartner:
· Michael Nord, IAVI, Amsterdam, +31 6 487 54631 oder +31 20 521 0033, mnord@iavi.org
· Courtney Self, Targeted Genetics, Seattle, +1 206 521 7392, selfc@targen.com

Informationen über IAVI
IAVI ist eine weltweit tätige gemeinnützige Organisation, die sich die beschleunigte Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes zum Schutz vor einer HIV-Infektion und AIDS zum Ziel gesetzt hat. Die im Jahr 1996 gegründete und derzeit in 22 Ländern aktive Organisation finanziert wissenschaftliche Partnerschaften zur Erforschung und Entwicklung von AIDS-Impfstoffkandidaten. IAVI möchte sicherstellen, dass ein Impfstoff sobald entwickelt unverzüglich allen Menschen zugänglich gemacht wird. Die Hauptsponsoren der IAVI sind die Bill & Melinda Gates-Stiftung; die Rockefeller-, Sloan- und Starr-Stiftungen, die Weltbank, BD (Becton, Dickinson & Co.), der europäische Union sowie die Regierungen von Kanada, Dänemark, Irland, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten.

Informationen über Targeted Genetics
Targeted Genetics Corp. (NASDAQ:TGEN; www.targetedgenetics.com) entwickelt gentechnische Produkte zum Schutz vor und zur Behandlung von Infektions- und Erbkrankheiten. Das Unternehmen arbeitet derzeit an zwei klinischen Produktentwicklungsprogrammen mit den Schwerpunkten Mukoviszidose und AIDS-Prophylaxe und erwartet im ersten Quartal 2004 den Beginn der klinischen Erprobung eines Produktes zur Behandlung von Arthritis. Darüber beschäftigt sich das Unternehmen mit vielversprechenden Entwicklungen im Kampf gegen Hämophilie und Krebs, einer großen Bandbreite von Gentechnologien sowie einer vielversprechenden Technologie in Bereich der Zelltherapie, die von dem Tochterunternehmen CellExSys entwickelt wird.

Informationen über CCRI
Das Kinderforschungsinstitut Columbus Children's Research Institute (CCRI; www.ccri.net) auf dem Gelände des Columbus-Kinderkrankenhauses erforscht durch umfassende Arbeiten, die von der Grundlagenforschung im Bereich der Molekularbiologie bis hin zur angewandten, patientenorientierten Forschung reichen, neuartige Ansätze im Kampf gegen Krankheiten des Menschen. Im Jahr 2002 führte das Institut mehr als 500 Forschungsprojekte durch. CCRI nimmt gemäss der Forschungspreise des Nationalen Gesundheitsinstitutes einen Platz unter den 10 führenden freien Kinderkrankenhäusern in den Vereinigten Staaten ein. CCRI hat sich der Verbesserung der gesundheitlichen Situation von Kindern und ihren Familien auf lokaler, nationaler und globaler Ebene verschrieben.

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