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Wie Grundschüler mit digitalen Medien leichter Mathe lernen

24.02.2015 - (idw)

Silke Ladel erforscht, wie Tablet und Whiteboard Grundschülern helfen, Mathematik besser zu verstehen. Und sie untersucht, wie Lehrer digitale Medien sinnvoll und erfolgreich im Unterricht einsetzen können. Damit nimmt die Forschergruppe der Professorin für Mathematikdidaktik Primarstufe eine Vorreiterrolle in Deutschland ein: Nur wenige befassen sich hierzulande mit dem Einsatz digitaler Medien im Matheunterricht der Grundschule. Gemeinsam mit angehenden Lehrerinnen und Lehrern entwickelt Ladel derzeit Lehr- und Lernsoftware für Multitouch-Tische weiter, das sind Arbeitstische mit berührungsempfindlichem Bildschirm. Ihre Ergebnisse lassen die Forscher von Grundschulkindern testen. Die Kinder verlieren keine Zeit. Kaum haben sie den Multitouch-Tisch in der Mitte des Raums gesehen er sieht aus wie ein Tisch, nur hat er statt einer Platte einen riesigen Touchscreen drücken und wischen sie schon vertieft auf dem Bildschirm herum, schieben virtuelle Kästchen mit bunten Bildern, Zahlen und kleinen Geschichten auf andere, diskutieren lebhaft, was richtig ist und was nicht. Das ist eine Erfahrung, die wir immer wieder machen. Kinder haben im Gegensatz zu Lehrern und auch Studenten überhaupt keine Berührungsängste mit den digitalen Medien. Für sie gehören diese selbstverständlich dazu, sagt Professor Silke Ladel. Die Mathematikdidaktikerin untersucht an der Saar-Universität gemeinsam mit Lehramtsstudenten, wie digitale Medien im Matheunterricht eingesetzt werden können und entwickelt Lehr- und Lernprogramme weiter.

In anderen europäischen Ländern kommen Multitouch-Tische in Schulen schon rege zum Einsatz. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland bei der Didaktik weit hinter der Technik her. Technisch möglich ist heute vieles, aber selbst wenn die Grundschulen gut ausgestattet sind, bleibt die Frage offen, wie die Lehrer die digitalen Medien didaktisch sinnvoll einsetzen. Die Lehrer vor Ort sind hiermit allein gelassen. Diese Unsicherheit können wir nur überwinden, wenn wir erforschen, was geeignet ist. Wir müssen dafür die Software weiterentwickeln und die Lehrer aus- und fortbilden, erklärt Ladel. Hier setzt sie auch beim Multitouch-Tisch-Projekt an: Bei der Forschung arbeiten Lehramtsstudenten aktiv mit. Die künftigen Lehrer lernen so von Grund auf, wie sie digitale Medien einsetzen können.

In Seminaren haben die Studenten Lernmodule programmiert und weiterentwickelt, die Mathematik spielerisch begreifbar machen sollen. Es geht nicht einfach darum, Lösungen anzutippen. Vielmehr sollen die Kinder angeregt werden, Zusammenhänge zu verstehen, Muster und Strukturen zu erkennen, zu begreifen, was dahinter steckt, und auch, dabei zu kooperieren und zu argumentieren, sagt Ladel. Bei den Lernspielen sollen Schüler etwa den Matheaufgaben passende Bilder und Geschichten zuordnen oder unterschiedlich zerlegte und verschieden dargestellte Zahlen erkennen: also zum Beispiel ein Bild mit acht Fingern dem Bild zuordnen, auf dem acht strukturiert angeordnete Punkte zu sehen sind.

Ihre Ergebnisse setzen die Forscher dem Praxistest aus und lassen Grundschüler die Software erproben. Die Studenten beobachten die Kinder dabei. Es ist beeindruckend zu sehen, wie intuitiv und selbstverständlich sie mit dem für sie neuen Medium umgehen. Die Schüler nehmen die Lernprogramme sehr gut an. Ganz im Gegensatz zum Smartphone, das jeder für sich isoliert nutzt, haben wir bei dem Multitouch-Tisch festgestellt, dass die Kinder zusammenarbeiten und sich intensiv austauschen, sagt Lehramtsstudent Pascal Kihm.

Wir wollen didaktisch gute Anwendungen entwickeln, die an den Schulen eingesetzt werden können. Das Design soll so gestaltet sein, dass die Kinder beim Lernen optimal unterstützt und angeregt werden, im Team zu arbeiten. Hierzu ergründen wir auch, wo typische Schwierigkeiten oder Ablenkungen lauern, sagt Ladel. Ihre Arbeitsgruppe erforscht, wie die Lehrer die Schüler beim Lernen mit digitalen Medien unterstützen können, wie sie Impulse liefern und zwischen den Kindern vermitteln können. Das wichtigste bei allem ist, den Kindern zu zeigen, wie viel Spaß Mathe macht, wo überall Mathematik drinsteckt und wie spannend das ist. Und genau das wollen wir auch den künftigen Lehrern, unseren Studenten, vermitteln, sagt Silke Ladel.

Kontakt: Prof. Dr. Silke Ladel: Tel.: 0681/302 57437, E-Mail: ladel@math.uni-sb.de
Internet: http://www.math.uni-sb.de/ag-ladel

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(Foto: Grundschüler von der Saarbrücker Ganztagsgrundschule Kirchberg erproben die Lernsoftware. (Professor Silke Ladel (links) und die Studentinnen Heike Kaul-Herges (Mitte) und Melanie Oberneßer (r.)). Foto Iris Maurer)

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